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Marburg Neubau-Planungen verzögern sich
Marburg Neubau-Planungen verzögern sich
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20:50 04.05.2022
Der Gebäudekomplex der alten Chemie auf den Lahnbergen.
Der Gebäudekomplex der alten Chemie auf den Lahnbergen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Nächste Runde in der fast unendlichen Geschichte um einen Neubau für den Uni-Fachbereich Biologie auf den Lahnbergen: Auf Anordnung aus dem Finanzministerium hat die Uni-Leitung ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem geprüft werden soll, ob eine Nachnutzung des Gebäudekomplexes der alten Chemie eine Alternative zu einem Biologie-Neubau darstellen könnte. Dies teilte der Marburger Uni-Präsident Professor Thomas Nauss der OP jetzt auf Anfrage mit.

Bis zum Umzug in den Neubau im Jahr 2015 war der Fachbereich Chemie in diesen Gebäuden des Marburger Bausystems aus den 60er Jahren untergebracht. Eine 2008 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hatte damals ergeben, dass eine Sanierung der alten Chemiegebäude nicht wirtschaftlich sei. Sie stehen aber unter Denkmalschutz und durften deswegen nicht abgerissen werden.

Universitäts-Präsident ist bei Umnutzung skeptisch

Nauss zeigte sich im Gespräch mit der OP zwar skeptisch, ob ein neuerliches Gutachten ergeben könne, dass der Fachbereich Biologie das alte Chemiegebäude umnutzen könne. „Die Ansprüche an Labore haben sich doch sehr weiterentwickelt“, gab Nauss zu bedenken. Doch nichtsdestotrotz muss die Auflage des Ministeriums zunächst erfüllt werden.

Falls das Gutachten der möglichen Nachnutzung durch die Biologie eine Absage erteile, erst dann könne die Umsetzungsplanung für einen Neubau vorangetrieben werden, sagte Nauss. Dabei drängt die Zeit, was auch dem Präsidenten bewusst ist. Denn bei den Professoren des Fachbereichs Biologie ist derzeit ein Generationswechsel im vollen Gange. „Mit jeder Neuberufung haben wir die Herausforderung umfangreicher Renovierungen im Altbau, solange es keinen Neubau gibt“, erklärt Nauss. Denn den neuen Professorinnen und Professoren müssen auch neue Forschungsflächen und Labore bereitgestellt werden.

Zwischenzeitlich hatte es vor zwei Jahren fast so ausgesehen, als ob im „Heureka“-Programm der Landesregierung genügend Geld für den Start der Neubauplanungen des Fachbereichs Biologie zur Verfügung stehen könnte. Doch diese Hoffnung hatte sich dann sehr zum Verdruss von Nauss-Vorgängerin Professorin Katharina Krause zerschlagen, die den Bau schon seit Jahren dringend gefordert hatte.

Falls jetzt doch ein Neubau die Option sein wird, dann sehen die Planungen der Uni-Spitze ein Baufeld direkt neben dem derzeitigen Biologie-Bau vor. Die derzeitigen Kostenschätzungen für einen solchen Neubau liegen bei 124 Millionen Euro. Ein möglicher Zeitplan könnte in der zweiten Jahreshälfte erstellt werden. Es müsse aber damit gerechnet werden, dass es noch mindestens vier bis fünf Jahre dauern könne, bis endgültig Vollzug gemeldet werden könnte, so Nauss. Das wäre dann wohl frühestens im Jahr 2027 zur 500-Jahrfeier der Universität.

Alte Chemie steht unter Denkmalschutz

In Sachen der unter Denkmalschutz stehenden Alten Chemie plädiert der Uni-Präsident übrigens dafür, nur einen ausgewählten Teil des Gebäudekomplexes als Beispiel für die Marburger Systembauten stehenzulassen und den Rest abzureißen. Über die Frage des Umgangs mit den Gebäuden ist aber seit Jahren noch keine Entscheidung gefallen. Darüber müsste prinzipiell die Landesregierung in Absprache mit den Vertretern der Denkmalpflege und der Universität entscheiden.

Von Manfred Hitzeroth

17:06 Uhr
09:00 Uhr