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Marburg Weihnachtsfeiern sind auch virtuell möglich
Marburg Weihnachtsfeiern sind auch virtuell möglich
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18:58 12.12.2020
Ein Gänsebraten steht vor einem Weihnachtsessen in einer Gaststätte auf einem weihnachtlich gedeckten Tisch.
Ein Gänsebraten steht vor einem Weihnachtsessen in einer Gaststätte auf einem weihnachtlich gedeckten Tisch. Quelle: Foto: Picture alliance / dpa
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Der Advent ist auch die Zeit der Weihnachtsfeiern. Unternehmen laden ihre Mitarbeiter in Restaurants ein, oft gibt es Livemusik und Geschenke. In diesem Jahr kann das Corona-bedingt so nicht stattfinden. Doch es gibt Alternativen. Schließlich hat die Pandemie gezeigt, dass viele Besprechungen auch per Telefon- oder Videokonferenz möglich sind – warum also nicht auch Feiern?

Die Firma Infrareal – die Holding, zu der der Standortbetreiber Pharmaserv gehört – hat es am Donnerstag ausprobiert. „Wir hatten eine Online-Weihnachtsfeier über das Programm Teams, das hat gut funktioniert“, berichtet Marketing-Manager Bernd Schöneberg. Technisch war das relativ leicht, weil die meisten der 38 Mitarbeiter derzeit im Homeoffice arbeiten. „Wir hatten von der Lebenshilfe Pakete packen und verschicken lassen. Da waren auch ein paar Kekse drin, eine Duftkerze und eine Flasche Glühwein. Es gab dann eine kleine Begrüßung und einen Punkt ,Auspacken der Geschenke’“, berichtet Schöneberg. Das „Highlight“ sei ein Online-Escape-Room gewesen, in dem kleine Gruppen Rätsel lösen mussten. „Die Mitarbeiter hatten großen Spaß.“ Einziger Wermutstropfen: Zwei Pakete kamen nicht rechtzeitig an.

„Virtuelle Weihnachtsfeiern sind aus zwei Gründen sinnvoll“, sagt Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg. „Zum einen, um den Mitarbeitern für das Jahr zu danken und den Teamgeist zu stärken. Und auf der anderen Seite ist es gut für unsere Betriebe, die dadurch Aufträge kriegen – zum Beispiel in der Gastronomie, im Catering und im Event-Bereich.“

„Es ist natürlich etwas anderes als normale Weihnachtsfeiern, aber da man in der Gastronomie nicht feiern kann, ist das eine nette Idee“, findet auch Stadtmarketing-Geschäftsführer Jan-Bernd Röllmann. Bei Kongressen, wo sonst ein gemütliches Beisammensein dazugehört, gebe es das nun in digitaler Form, berichtet er. So zum Beispiel bei der Vorstandssitzung des Landesverbandes der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing: „Normalerweise gehen wir danach auf den Weihnachtsmarkt der jeweiligen Stadt.“ Das findet diesmal digital statt: „Im Anschluss an die Vorstandssitzung bringt jeder etwas, was er mag, mit an seinen Schreibtisch – Kaffee oder Glühwein –, und dann reden wir noch privat.“

Digitale Weinprobe oder gemeinsames Essen

Möglichkeiten für digitale Feiern gebe es viele, sagt Edelmann. Zum Beispiel eine Weinprobe, bei der vorher alle die Weine bekommen. Oder ein gemeinsames Essen, das vom Restaurant ausgeliefert wird. Heimische Gastronomie- und Catering-Unternehmen haben bereits festgestellt, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten auch in der Pandemie etwas spendieren wollen. „Viele Firmeninhaber geben mehr Geld aus für Mitarbeiter-Präsente, weil die Weihnachtsfeiern fehlen“, berichtet Martin Meier, Geschäftsführer von Meier III. Der Metzgerei- und Catering-Betrieb bietet Geschenkboxen mit selbst produzierten Speisen an. „Viele Kunden haben das schon für Ausstandsfeiern genutzt“, berichtet Meier. „Sie haben die Boxen verschicken lassen und dann ein Zoom-Meeting gemacht.“ Meier würde das aber nicht als virtuelle Weihnachtsfeier bezeichnen, weil dazu aus seiner Sicht gehören würde, dass man Speisen gemeinsam verkostet. „Das wäre bei unseren Geschenkboxen theoretisch möglich, aber es sind länger haltbare Produkte.“

Doch es gibt auch Angebote für Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern ein Festmahl spendieren wollen – etwa die Weihnachts- und Silvesterboxen des Wirtshauses Emils in Michelbach. „Wenn ein Chef seinen Mitarbeitern etwas Gutes tun will, ist die Box hervorragend dafür geeignet“, sagt Gastronom Peter Heinzmann. Eine Anfrage für 20 Boxen habe es bereits gegeben.

„Unser Gänse-Taxi wurde auch schon von Firmen geordert“, berichtet auch Prokurist Ulrich Mücke vom Kaufhaus Ahrens, das Catering anbietet. Es habe bisher zwar nur eine Anfrage einer Firma wegen einer virtuellen Weihnachtsfeier gegeben. Aber wenn Firmen fragten, „stehen wir Gewehr bei Fuß“, so Mücke. Firmen könnten ihren Mitarbeitern zum Beispiel Gänsetaxi-Gutscheine schenken, es seien aber auch individuelle Absprachen mit den Firmen möglich, zum Beispiel für Vegetarier.

Unter bestimmten Voraussetzungen lohnen sich digitale Weihnachtsfeiern steuerlich, erklärt die IHK. „Sie können den Mitarbeitern im Jahr Zuwendungen im Wert von 110 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei geben“, sagt Edelmann. „Dieser Betrag darf nicht überschritten werden und es dürfen nicht mehr als zwei Feiern im Jahr sein.“

Das Beratungsunternehmen Ecovis schreibt auf seiner Internet-Seite, damit die virtuelle Weihnachtsfeier als Betriebsveranstaltung gelte, müssten die Arbeitgeber alle Mitarbeiter einladen. Wichtig sei zudem ein geselliger Charakter der Veranstaltung. Unternehmen könnten dann Kosten absetzen, die „für Speisen, Getränke, Kerzen, die Deko für den Hintergrund der Videokonferenz und vielleicht für einen Zauberer, eine Band oder einen Weihnachtsmann“ entstehen. Geschenke dürften pro Mitarbeiter nicht mehr als 60 Euro inklusive Umsatzsteuer kosten. Die IHK rät Firmen, dazu den Steuerberater zu Rate zu ziehen.

Von Stefan Dietrich

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