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Marburg Experten raten: Nicht mit dem letzten Tropfen zur Zapfsäule rollen
Marburg Experten raten: Nicht mit dem letzten Tropfen zur Zapfsäule rollen
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09:10 31.05.2022
Wenn der Tankrabatt kommt, sollten Autofahrer nicht gleich am ersten Tag an die Zapfsäule stürmen.
Wenn der Tankrabatt kommt, sollten Autofahrer nicht gleich am ersten Tag an die Zapfsäule stürmen. Quelle: Christin Klose
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Marburg

Am Mittwoch ist es so weit – dann kommt der sogenannte Tankrabatt: Durch eine Senkung der Energiesteuer bis einschließlich August könnte Benzin um rund 35 Cent pro Liter und Diesel um etwa 17 Cent pro Liter billiger werden. Doch das heißt nicht, dass es am 1. Juni auch tatsächlich schon den verbilligten Sprit gibt – der Automobilclub ADAC warnt davor, am Monatsende den Tank möglichst leergefahren zu haben, um dann am 1. Juni mit dem letzten Tropfen an die Tankstelle zu rollen.

Denn das könnte in doppelter Hinsicht ein böses Erwachen geben: So weist der Wirtschaftsverband „Fuels und Energie e.V.“ laut ADAC darauf hin, dass die Tanks der Tankstellen am 1. Juni in unterschiedlichem Umfang noch mit normal versteuertem Benzin und Diesel gefüllt sein werden. Dies hänge auch vom Verbraucherverhalten ab, wobei zu erwarten sei, dass die Tankkunden in der Zeit vor der Energiesteuersenkung zurückhaltend sein werden, so ein Verbandssprecher.

Sprit hamstern ist nur bedingt erlaubt

Auch, wenn es verlockend erscheint: Es ist verboten, privat größere Benzinmengen zu lagern.

So sind aufgrund der Explosionsgefahr in Kleingaragen von einer Größe bis zu 100 Quadratmetern lediglich bis zu 20 Liter erlaubt. Und die müssen in verschlossenen, nicht brennbaren und bruchsicheren Kanistern gelagert werden, informiert der ACE. Vom weniger entzündlichen Diesel darf mehr eingelagert werden. Hier sind bis zu 200 Liter in einer Kleingarage erlaubt.

Aber: Diesel hält sich auch bei luftdichter Lagerung nur einige Monate, so der ACE. Daher sei auch hier eine größere Menge nicht sinnvoll. Grund sei die sogenannte Dieselpest. Bakterien aus dem Biodiesel-Anteil zersetzten mit der Zeit den Kohlenstoff im Diesel. So bildet sich eine Art Schlamm, der wiederum die Filter und das Kraftstoffsystem des Fahrzeugs verstopft.

Wer nur zu Miete wohnt, dem ist die Lagerung von Kraftstoff oft ganz verboten. Hier hilft ein Blick in den Mietvertrag. Wenn nicht anderweitiges vermerkt ist, sind laut ACE im Keller als Gesamtmenge 20 Liter Benzin oder Diesel erlaubt. Im gesamten Keller, versteht sich – und nicht pro Kellerverschlag.

Daher könnte sich der Effekt der niedrigeren Steuersätze nicht überall gleich am Stichtag um Mitternacht einstellen, sondern erst in der Folgezeit, wenn die normal versteuerten Kraftstoffe abverkauft und nach und nach die niedrig versteuerten Kraftstoffe angeliefert werden. Heißt: Wer erwartet, dass Benzin um kurz nach Mitternacht bereits 35 Cent je Liter günstiger ist, könnte enttäuscht werden.

Und auch aus einem weiteren Grund rät der ADAC dazu, nicht direkt am 1. Juni tanken fahren zu wollen: Der Automobilclub geht in den ersten Juni-Tagen von einem Ansturm auf die Zapfsäulen aus, weil viele Autofahrer wohl jetzt nicht mehr tanken, sondern von den niedrigeren Spritpreisen ab Juni profitieren wollen. „In den Stoßzeiten kann es daher zu Schlangen und Wartezeiten an den Tankstellen kommen“, heißt es vonseiten des ADAC. Und: Es könnte aufgrund der erwartet hohen Nachfrage sogar zu Engpässen kommen, weil Gesellschaften zunächst den teurer versteuerten Kraftstoff, der sich bereits jetzt in den Tanks der Tankstellen befände, abverkaufen würden, so Medienberichte.

Was sagen die heimischen Tankstellenpächter zu der erwarteten Situation? Viele halten sich bedeckt, verweisen – wie im Fall von Jet oder Aral – an die jeweiligen Konzerne. Thomas Reinberger, Pächter der Esso-Tankstelle an der B 3, hat keine besonderen Vorkehrungen getroffen. „Wenn es zum Ansturm kommen sollte, bin ich recht entspannt“, so Reinberger im Gespräch mit der OP. Denn seine Tankstelle verfüge mit 14 Stück über genügend Zapfsäulen. „Am Sonntag ging es bei uns schon ganz ordentlich ab wegen des Rückreiseverkehrs“, sagt er, „ich glaube nicht, dass es durch den Tankrabatt stärker werden wird.“ Er hat übrigens als Pächter keinerlei Einfluss auf die Preisgestaltung. „Wir nehmen es, wie es kommt“, so Thomas Reinberger.

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Geht es nach den OP-Lesern, so werden diese zum Großteil erst ab Mittwoch an die Tankstelle rollen: In einer – nicht repräsentativen – Online-Umfrage gaben bis zum späten Montagnachmittag 56 Prozent der 185 Teilnehmenden an, definitiv bis zur Einführung des Rabatts mit dem Tanken zu warten. 38 Prozent – 70 Teilnehmende – müssen noch vorher an die Zapfsäule. Und für 6 Prozent spielt die Entscheidung keine Rolle – sie gaben an, kein Auto zu besitzen.

Hier können Sie sich an der Umfrage beteiligen:

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Von Andreas Schmidt und unserer Agentur