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Marburg Besser nicht auf Vorkasse bestellen
Marburg Besser nicht auf Vorkasse bestellen
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20:00 14.12.2021
Ein Online-Kunde schaut sich Angebote auf einer Shopping-Seite auf einem Tablet-Computer an.
Ein Online-Kunde schaut sich Angebote auf einer Shopping-Seite auf einem Tablet-Computer an. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam
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Marburg

Schnell noch das perfekte Geschenk kaufen oder ein Schnäppchen ergattern: Gerade in der Corona-Pandemie erledigen viele Menschen Weihnachtseinkäufe online. Doch neben seriösen Unternehmen tummeln sich im Internet auch Betrüger, die versuchen, Kundinnen und Kunden um ihr Geld zu bringen. Kriminalhauptkommissar Ulrich Kaiser (Privatfoto) kennt die gängigen Tricks der Kriminellen. „Erst denken, dann klicken“, lautet das Motto des Beraters für Cyber-Crime-Prävention beim Polizeipräsidium Mittelhessen.

„Das Sicherste ist, bei Shops zu kaufen, mit denen man schon gute Erfahrungen gemacht hat“, rät der Kriminalhauptkommissar. Doch gerade in der Weihnachtszeit stöbern viele auch bei unbekannten Online-Händlern. „Da macht es Sinn, sich das genauer zu betrachten und in Ruhe nachzudenken. Die meisten, die Opfer eines Betrugs werden, sagen hinterher: Das kam mir vorher schon komisch vor“, sagt Kaiser. Er nennt im Gespräch mit der OP einige Anhaltspunkte, an denen man seriöse und unseriöse Internet-Shops unterscheiden kann:

Gesicherte Verbindung: Wer online seine Daten für eine Bestellung eingibt, sollte darauf achten, dass die Adresszeile des Browsers mit „https://“ beginnt. Im Browser ist das auch an einem Schloss-Symbol vor der Adresszeile zu erkennen. „Damit ist sichergestellt, dass nicht von außen reingeschaut wird, wenn ich meine Kreditkarten-Daten eingebe“, erklärt Kaiser. Sonst könnten Kriminelle diese Daten auch für andere Käufe nutzen.

Bestellbutton und Impressum: Wenn der Kunde eine Online-Bestellung abschließt, muss er auf eine Schaltfläche klicken, die eindeutig als Bestellbutton erkennbar ist – zum Beispiel mit dem Text „jetzt kaufen“ oder „kostenpflichtig bestellen“. Seriöse Unternehmen haben zudem ein Impressum auf ihrer Internetseite. Darin steht die Handelsregisternummer, die man auch überprüfen kann, und eine Kontaktmöglichkeit.

Bezahlung: „Zahlung per Vorkasse ist die klassische Methode, wie man über Fake-Shops sein Geld verliert“, warnt der Experte. Denn: Ist eine Überweisung ausgeführt, ist das Geld weg. Wenn die bestellte Ware nicht geliefert wird oder erkennbar minderwertig ist, schaut die Kundin oder der Kunde in die Röhre. „Das Beste, was man machen kann, ist die Zahlung per Rechnung, weil man da erst einmal keine Daten außer der eigenen Adresse angeben muss“, rät Kaiser. Daneben gibt es andere Zahlungsverfahren, bei denen man zumindest sein Geld zurückbekommt, wenn man betrogen wurde: Abbuchung per Lastschrift, Zahlung per Kreditkarte und Bezahlung per Paypal. Ausnahme: Die gebührenfreie Funktion „Geld an Freunde und Familie senden“ ist bei Paypal vom Käuferschutz ausgenommen. Manche Betrüger versuchen deshalb, Käufer dazu zu überreden, diese Funktion zu nutzen. Ein weiterer Trick: In manchen Shops würden erst viele verschiedene Zahlungsmöglichkeiten angeboten, berichtet Kaiser, und wenn der Kunde sich dann bis zur Bezahlung durchgeklickt hat, funktioniere plötzlich nur noch die Bezahlung per Vorkasse. In diesem Fall sollten die Käufer den Bestellvorgang besser abbrechen.

Gütesiegel: Die Siegel von Trusted Shops, EHI und IPS zeigen, wo man online sicher einkaufen kann. Allerdings können sie gefälscht sein. „Die Siegel müssen immer verlinkt sein“, erklärt Kaiser. Ist das Siegel echt, kommt man mit einem Klick darauf zur Bewertung des Shops. Wenn Kriminelle die Siegel kopiert haben, funktioniert das nicht.

Wer bereits Opfer von Warenbetrug geworden ist, sollte sich auf jeden Fall an die Polizei wenden. „Ich kann nur dazu aufrufen: Erstatten Sie Anzeige“, sagt Kaiser. Denn er hat eine ermutigende Nachricht zum Schluss: Die Aufklärungsquote bei Warenbetrug liegt bei über 80 Prozent. In den meisten Fällen findet die Polizei also die Täter.

Weitere Fallen im Internet

Der Gutschein-Trick: Nicht nur Käufer sollten sich vor Betrugsversuchen in Acht nehmen – auch wer auf Ebay etwas verkauften will, kann ins Visier von Online-Kriminellen geraten. Eine Masche, die laut Kriminalhauptkommissar Ulrich Kaiser aktuell viele betrifft: Es meldet sich ein Käufer, der angeblich im Ausland lebt. Er gibt an, er wolle die angebotene Ware kaufen, und zwar als Geschenk für einen Freund oder Verwandten in Deutschland. Er bittet den Käufer, noch einen Amazon-Gutschein dazuzukaufen und beides an die Adresse des angeblichen Freundes zu schicken. Das bezahlt er dann auch per Paypal. Doch ein paar Tage später zieht Paypal das Geld vom Verkäufer wieder ein – denn das Paypal-Konto war gehackt. Kaisers Sicherheits-Tipp: „Die Betrüger haben zwar Zugriff auf das Paypal-Konto, aber in der Regel nicht auf die damit verbundene E-Mail-Adresse. Man sollte den Interessenten bitten, von der E-Mail-Adresse eine Nachricht zu schreiben.“

Paket-SMS: Vorsicht, wenn auf dem Handy eine SMS ankommt mit einem Link, über den man angeblich Informationen über ein hinterlegtes Paket bekommt. Über den Link kann ein Schadprogramm auf das Smartphone kommen.

Phishing-E-Mails: E-Mails, in denen Links auf gefälschte Internetseiten führen oder angehängte Dateien Schad-Software enthalten, gibt es seit Jahren in immer neuen Varianten. Aktuell spiegeln Betrüger den Nutzern zum Beispiel vor, sie müssten ihre Kontodaten auf einer verlinkten Seite eingeben, weil sonst ihr Bankkonto gesperrt werde. „Niemals die Links in der E-Mail benutzen“, rät Kaiser, „wenn, dann gehe ich über den Browser auf die mir bekannte Seite meiner Bank oder meines Social-Media-Accounts.“

Von Stefan Dietrich

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