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Marburg Hungerstreik in Einzelhaft
Marburg Hungerstreik in Einzelhaft
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08:45 03.05.2022
Marlene Förster und ihre Mutter Lydia. Die 29-jährige Journalistin sitzt im Irak in Einzelhaft.
Marlene Förster und ihre Mutter Lydia. Die 29-jährige Journalistin sitzt im Irak in Einzelhaft. Quelle: Privatfoto
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Marburg/Bagdad

Lydia Förster ist etwas beruhigt. Zwei Wochen bangte sie um ihre Tochter Marlene, die im Nordirak festgenommen wurde. Zwei Wochen lang wusste die 65-Jährige nicht, wo ihre Tochter hingebracht wurde, wo sie festgehalten wird oder wie es ihr geht. Nun gibt es ein Lebenszeichen von der 29-jährigen Journalistin, die an der Philipps-Uni studiert hat und lange in Marburg lebte.

Die deutsche Botschaft steht inzwischen in Kontakt zu ihr. Das bestätigte das Auswärtige Amt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Man hat mir bestätigt, dass es Marlene den Umständen entsprechend gut geht“, sagt ihre Mutter Lydia Förster im Gespräch mit der OP. Die 65-jährige Darmstädterin hatte sich vor allem auch große Sorgen um die Gesundheit ihrer Tochter gemacht, die an Asthma leide. Nun seien dringend benötigte Medikamente auf dem Weg zu der 29-Jährigen, die in einer Einzelzelle im Hauptquartier des Irakischen Geheimdienstes untergebracht sei. „Marlene war in Hungerstreik getreten, um einen Kontakt zur deutschen Botschaft zu erzwingen“, berichtet ihre Mutter. Inzwischen habe es ein Gespräch zwischen der Journalistin und einer Botschaftsmitarbeiterin vor Ort gegeben. Das Auswärtige Amt wollte allerdings keine näheren Angaben zum Zeitpunkt und zur Häufigkeit der konsularischen Betreuung der Deutschen machen. „Ich werde weiterhin versuchen, Druck zu machen“, sagt Lydia Förster. Vor allem will die 65-Jährige mehr darüber erfahren, was ihrer Tochter vorgeworfen wird. Laut dem kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit Civaka Azad wurde gegen sie der Vorwurf der Terrorunterstützung erhoben. Das Auswärtige Amt wollte keine näheren Angaben zu dem Fall machen.

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Mehr Infos rund um den Tag der Pressefreiheit gibt es hier: Weg aus dem Desinformationsspektakel

Die irakische Armee hatte die Festnahme der Deutschen in der jesidischen Stadt Shingal vergangene Woche bestätigt. Marlene Förster war dort am 20. April zusammen mit ihrem slowenischen Kollegen Matej K. festgenommen worden. Die beiden hatten sich seit Monaten im Irak aufgehalten, um über die gesellschaftlichen Verhältnisse der Jesidinnen und Jesiden zu berichten. An der kleinen Religions- und Kulturgemeinschaft, die eine Minderheit im Nordirak ist, wurde 2014 von der Terrormiliz „Islamischer Staat” (IS) ein Massaker verübt. Schätzungen zufolge wurden damals mindestens 5 000 jesidische Männer getötet und Tausende Frauen und Kinder verschleppt. „Recherchen zu ethnischen Gruppen können keine Terrorunterstützung sein“, erklärt Knud Zilian, Vorsitzender des Deutschen-Journalisten-Verbandes in Hessen. „Das ist kein Verbrechen, sondern die Pflicht von Journalistinnen und Journalisten.“ Die Machthaber im Irak können es anscheinend nicht vertragen, wenn investigative Journalistinnen dunkle Kapitel aufdecken, so Zilian weiter und fordert die sofortige Freilassung.

Zahlreiche Unterstützer appellieren an Regierung

Auch zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer von Marlene Förster appellieren an die deutsche Bundesregierung, sich für eine sofortige Freilassung der deutschen Journalistin einzusetzen.

Vor allem am Tag der Pressefreiheit (3. Mai) wird diese Forderung besonders laut. „Marlene hat in Marburg studiert, nun sitzt sie in Einzelhaft in Bagdad. Jeden Tag, den sie und weitere dort festgehalten werden, ist ein Angriff auf die Freiheit der Presse. Das Auswärtige Amt muss den Druck auf die irakischen Behörden erhöhen“, sagt Hevidar Bilek, Freundschaftsverein Marburg-Kurdistan.

  • Der Freundschaftsverein veranstaltet am Dienstag, 3. Mai, um 17 Uhr am Cineplex eine Kundgebung, um für die Freilassung von Marlene Förster zu protestieren.

Von Nadine Weigel