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Marburg Evangelisches Krankenhaus Gießen freut sich über Pflegekräfte aus Marburg
Marburg Evangelisches Krankenhaus Gießen freut sich über Pflegekräfte aus Marburg
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07:52 15.10.2021
Pflegekräfte sind begehrt – und derzeit schwer zu finden, was zu erheblichem Personalmangel in Kliniken führt.
Pflegekräfte sind begehrt – und derzeit schwer zu finden, was zu erheblichem Personalmangel in Kliniken führt. Quelle: Kay Nietfeld
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Gießen

15 Pflegekräfte einer chirurgischen Abteilung des UKGM Marburg haben kollektiv gekündigt und sich einen neuen Arbeitgeber gesucht: das Evangelische Krankenhaus Agaplesion Gießen (EV). Das EV, das wie alle Krankenhäuser unter dem bundesweiten Pflegenotstand leidet, freut sich über die ungewöhnliche Verstärkung in Truppengröße ab April 2022, sieht sich gleichzeitig aber auch Kritik ausgesetzt.

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Eklat am Standort Marburg hieß es, die Abwerbepraxis mit Prämienzahlungen verschärfe die Situation weiter. Das weist der neue Geschäftsführer Markus Schäfer zurück: Abwerbeaktionen und in Aussicht gestellte Prämien habe es ebenso wenig gegeben wie die Beauftragung eines Headhunters.

Richtig sei zwar, dass seit 2018 offiziell mit einer Einstellungsprämie in Höhe von 1 000 Euro um neue Mitarbeiter geworben werde; dies habe jedoch mit dem aktuellen Weggang der Marburger Pflegekräfte nichts zu tun. Die Pflegekräfte hätten sich offiziell am EV beworben und würden gemäß ihren Wünschen auf den chirurgischen Stationen der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Endokrine- und Gefäßchirurgie eingesetzt.

Auch das EV habe eine schmerzliche Fluktuation im Pflegebereich zu beklagen. Gerade die Kliniken in Gießen, Wetzlar und Marburg stünden im stetigen Wettbewerb um Pflegekräfte, was auch für das Haus auf der Hardt eine große Belastung darstelle.

UKGM klagt über wöchentliche Wechsel ans EV

Aus Kreisen des UKGM hieß es vergangene Woche gegenüber der OP, dass wöchentlich Kräfte vom UKGM an das EV wechseln würden. Geschäftsführer Schäfer betonte, das könne er nicht bestätigen. „Auch wenn uns dies natürlich sehr freuen würde.“ Denn: Der Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich bestehe bereits seit Jahren. Umso bedeutender sei es, in die Mitarbeiterbindung zu investieren.

Am UKGM Marburg war die Situation eskaliert, nachdem sich die Pflegekräfte beklagt und im Sommer mit der Geschäftsleitung zu klärenden Gesprächen getroffen, die Missstände danach aber weiter angehalten hatten. Die verabredeten Lösungen seien, so schilderten es die Pflegekräfte, nicht umgesetzt worden – in der Konsequenz hatten die 15 zum Teil langjährigen Mitarbeiter gekündigt (die OP berichtete).

Zur Mitarbeiterbindung und „gelebtem Standard“ am EV gehören nach Schäfers Worten ein familienorientierter und individuell nach den Wünschen der Mitarbeiter gestalteter Dienstplan, mehr Flexibilität durch einen festen Springerpool sowie regelmäßige Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

„Uns ist bewusst, dass der Weggang einer beinahe ganzen Station unsere Mitbewerber in eine schwierige Lage bringt. Keine Einrichtung ist vor einem solchen Worst-Case-Szenario in Zeiten des Pflegekräftemangels geschützt. Gleichzeitig freuen wir uns natürlich, dass sich die 15 Pflegekräfte für unser Haus entschieden haben“, erklärt EV-Geschäftsführer Markus Schäfer.

Von Christine Steines