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Marburg Ministerin Puttrich: Frieden hat seinen Preis
Marburg Ministerin Puttrich: Frieden hat seinen Preis
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15:26 07.04.2022
Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) sprach an der Elisabethschule mit Schülerinnen und Schülern über den Ukraine-Krieg.
Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) sprach an der Elisabethschule mit Schülerinnen und Schülern über den Ukraine-Krieg. Quelle: Foto: Dietrich
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Marburg

Wie kann der Krieg in der Ukraine enden? Ist der russische Präsident Wladimir Putin verrückt geworden? Was können wir tun, damit es den Geflüchteten hier möglichst gut geht? Die Schülerinnen und Schüler der Elisabethschule hatten am Dienstag viele Fragen an die hessische Europaministerin Lucia Puttrich. Mehr als eine Stunde diskutierte die CDU-Politikerin mit den Jugendlichen über den Ukraine-Krieg.

„Ich glaube, der Krieg wird länger dauern, als wir denken“, sagte sie auf die Frage eines Schülers, wie das beste, das schlimmste und ein wahrscheinliches Szenario für den Kriegsverlauf aussehe. Das schlimmste Szenario wäre der Einsatz atomarer Waffen, das beste wäre ein rascher Waffenstillstand. Aber am ehesten rechnet Puttrich mit einem langen Krieg: „Es wird wieder Blöcke geben, die sich gegenüberstehen, und das Thema Abschreckung kommt wieder.“

Puttrich, Schulleiter Gunnar Merle und Lehrer Michael Selinka als Moderator der Diskussion hatten sich zuvor schon als „Kinder des Kalten Krieges“ bezeichnet – einer Zeit, die die Schülerinnen und Schüler nur aus Geschichtsbüchern kennen.

„Putin ist eiskalt, aber er hat einen Plan“

Das wichtigste Mittel gegen den Krieg seien Sanktionen gegen Russland, sagte Puttrich, aber man dürfe sich keine Illusionen machen: Sie würden nicht sofort wirken und auch für Deutschland spürbare Folgen haben. „Frieden und Demokratie sichern, ist nicht so auf dem Sofa sitzen und abwarten, wie geht es den anderen“, sagte sie. „Frieden hat seinen Preis – das wird uns Wohlstand kosten." Auf die Frage, was man dazu beitragen könne, dass geflüchtete Menschen hier ankommen, antwortete die Ministerin: „Das Erste, was man machen kann, ist Empathie – zu verstehen, aus welcher Situation die Menschen kommen. Das Zweite ist, die Hilfestellungen zu geben, die wir geben können – Wohnraum, Kindergartenplätze, Intensivklassen in Schulen.“

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich vor dem Besuch der Ministerin offensichtlich intensiv mit den Auswirkungen des Krieges beschäftigt – und stellten auch sehr kritische Fragen: War die bisherige Russlandpolitik ein Fehler, ist Putin ein Kriegsverbrecher, handelt er noch rational? Puttrich verteidigte, dass die deutsche Politik bisher auf Handel und Gespräche gesetzt hatte – „es war den Versuch wert, aber es war am Ende eine einzige Enttäuschung“.

Ob Putin ein Kriegsverbrecher sei, müsse ein Gericht entscheiden, aber es spreche viel dafür. Puttrich glaubt nicht, dass Putins Handeln rational nicht mehr erklärbar ist: „Er ist eiskalt, aber er hat einen Plan – ein imperialistisches Großreich“, sagte sie. „Alles, was er bis jetzt verkündet hat, hat er umgesetzt.“

Krieg macht Kindern und Jugendlichen große Sorgen

Der Ukraine-Krieg ist an der Elisabethschule schon in vielen Fächern und einer Arbeitsgruppe thematisiert worden, wie Schülerinnen und Schüler im Gespräch mit der OP berichteten. „Am Anfang haben wir relativ schnell Geld gesammelt und letzte Woche auch Essen gespendet“, sagte Levin. „Wir haben sehr viel bei unserem Geschichtslehrer gemacht, ich habe selbst schon ein Referat über den Ausbruch des Krieges gehalten“, erzählte sein Mitschüler Jakob.

Jona und ihre Mitschülerin Alexa berichten, dass im Deutschunterricht Vertretungslehrerin Victoria Storozenko, die russische und ukrainische Wurzeln hat, über die aktuelle Situation in der Ukraine gesprochen habe. Auch in Geschichte und Politik und Wirtschaft sei es um die Hintergründe des Konflikts gegangen, fügt Hanna hinzu.

Den Jugendlichen macht der Krieg große Sorgen – Levin und Jakob denken dabei unter anderem an die Menschenrechtsverletzungen und die wirtschaftlichen Folgen. Und Alexa sagt: „Dass jetzt Flüchtlinge im Georg-Gaßmann-Stadion sind, hat den Krieg noch einmal näher gebracht.“

Ministerin Puttrich hatte den jungen Menschen trotz der schlimmen Situation am Schluss noch etwas Mut zu machen versucht: „Man darf die Hoffnung nicht aufgeben und muss für das kämpfen, woran man glaubt“, sagte sie.

Von Stefan Dietrich