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Marburg Essen und Seife: Hilfs-Transport für Uganda
Marburg Essen und Seife: Hilfs-Transport für Uganda
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10:58 10.05.2020
Ein Marburger Verein setzt sich für Schüler in Uganda ein – sie und ihre Familien bekamen nun von den Marburger organisiert wegen der Corona-Pandemie einen Hilfstransport mit Lebensmitteln und Seife. Quelle: privat
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Marburg

Die Angst vor dem Coronavirus ist die eine, die Angst vor Verhungern ist die andere – und eigentlich die Größere. Das sagt Armin Hedwig, Kopf des Marburger Uganda-Hilfsprojekts, der „St.-Francis-Rakai-Initiative“ im OP-Gespräch.

Da die Lebensmittel im afrikanischen Land wegen der Pandemie schon knapp geworden sind, die Preise weiter steigen und sich somit weniger Menschen speziell in Dörfern eine Grundversorgung leisten können, haben Hedwig und seine Mitstreiter einen Hilfstransport nach Mannya, ein Dorf im Süden des Landes, organisiert.

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Tonnenweise Bohnen, Maisgrieß, Öl und Seife im Wert von mehr als 7.000 Spenden-Euro sind mit einem Lkw aus der Hauptstadt Kampala gen Süden gefahren worden, um den akuten Bedarf hunderter Familien halbwegs zu decken.

„So viel medizinische und soziale Hilfe wie möglich“

„Viele sind gerade ziemlich verängstigt. Sie wissen, dass da etwas auf sie zukommt und spüren aber jetzt schon ganz unabhängig von Infektionszahlen einige Auswirkungen“, sagt Hedwig mit Verweis darauf, dass auch die vom Verein aufgebaute Schule – die St. Francis „Little Birds Nursery and Primary School“ – im Zuge der in Uganda geltenden Ausgangssperre geschlossen sei.

Angesichts eines Gesundheitssystems praktisch ohne Beatmungsgeräte, der nicht zuletzt wegen Wasser- und Strommangels ungenügenden Hygiene und der grundsätzlich ärmlichen Verhältnisse speziell in ländlichen Gebieten, dazu dem corona-bedingten Verbot von Straßenhandel und dem Ausfall geringster Geldeinnahmen sei es „dringend geboten, den Menschen so viel medizinische aber eben vor allem auch soziale Hilfe wie möglich zu geben“, sagt Hedwig.

So bekamen Dutzende Familien über den Verein nicht nur mehrere Kilo Bohnen und Seife, sondern wurden auch über nützliche Hygiene- und Abstandsregeln informiert. Uganda gilt vielen internationalen Beobachtern zufolge als ein möglicher Corona-Krisenherd, vor allem bezogen auf die sozialen Folgen des Virus. Denn der Staat ist jener, der in den vergangenen Jahren im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat.

Laut UN-Flüchtlingshilfswerk insgesamt 1,2 Millionen Menschen, vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda, Südsudan und Somalia. Die leben entweder eng an eng in Lagern oder in dichtbesiedelten Slums an den Rändern der Hauptstadt Kampala. Offiziell ist derzeit von rund 100 Infektionen die Rede.

Corona-Sorgen – aber das eigentliche Problem ist Aids

So bedrohlich Corona für Uganda sei, eine andere Infektionskrankheit und deren Folgen macht dem Land mehr zu schaffen: Aids. 1,3 Millionen Menschen sollen daran erkrankt sein, die HIV-Infektionsrate stieg nach jahrzehntelangem Absinken zuletzt merklich an.

Tausende sterben jedes Jahr daran, zurückbleiben viele Waisenkinder. Solche, die in Pflegefamilien aufgenommen und in der Region Raika speziell in der Schule, die der Verein um Armin Hedwig und Thomas Komm unterstützen, betreut werden.

Es ist eine private Schule für Jungen und Mädchen, deren Eltern oder Pflegeeltern sich den Besuch einer staatlichen Schule nicht leisten können. Eigentlich wollten Komm, Hedwig und Co. diese siebenjährige Grundschule in diesem Jahr in die Eigenständigkeit entlassen, sie hätte sich finanziell selbst tragen sollen.

Armin Hedwig vom Verein „St.-Francis-Rakai-Initiative“. Archivfoto: Thorsten Richter

Das schien schon vor Corona angesichts der anhaltenden Armut und dem zu zahlenden Schulgeld (50 Euro im Jahr, das übernahm der Verein für die Aids-Waisenkinder) zunehmend unrealistisch, die Pandemie und die Folgen der Virus-Bekämpfung machen es unmöglich. „Würden wir uns jetzt zurückziehen, hält die Schule nicht durch“, sagt Hedwig.

Die Schülerzahlen sanken zuletzt auf 302, vor wenigen Jahren waren es noch mehr als 420. Nicht zuletzt aus Geldmangel schickten zuletzt weniger Familien ihre Kinder in die von Hedwig mitbetreute Schule. „Doch je mehr Schüler es gibt, desto mehr Bildung wird vermittelt. Bildung sorgt dafür, dass man über Sachen Bescheid weiß – und wie wichtig das ist, sieht man ja gerade bei Corona und dem Gebot Abstand zu halten“, sagt er.

Mehr Infos  und Kontakt zum Marburger Uganda-Hilfsprojekt, der „St.-Francis-Rakai-Initiative“: www.rakai-marburg.de

Das macht der Verein in Uganda

Der Verein „St. Francis-Rakai-Initiative“ wurde im Oktober 2010 in Marburg gegründet. Ziel ist es, das Aids-Waisenprojekt in Uganda zu unterstützen. Konkret: Den dauerhaften Besuch von Kindergarten, Vorschule und Grundschule (7 Jahrgangsstufen) in einer der ärmsten Regionen Ugandas zu ermöglichen. Momentan gehen in der St. Francis Little Birds Nursery and Primary School mehr als 300 Kinder zur Schule. Darunter ein hoher Anteil Waisenkinder, die meisten anderen seien sogenannte „vulnerable children“, also Kinder aus ärmsten Familien, wie der Verein mitteilt.

Die Waisenkinder leben in Pflegefamilien und besuchen die St. Francis School. Für die berufliche Bildung gibt es in der näheren Umgebung verschiedene Berufsschulen. Die Heranwachsenden sollen mit dem erlernten Beruf ein selbst bestimmtes Leben führen.

Von Björn Wisker

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