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Marburg „Es muss ein Ende haben. Sofort!“
Marburg „Es muss ein Ende haben. Sofort!“
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15:58 18.05.2021
Das Archivfoto der Synagoge in Marburg entstand 2019, einen Tag nach dem rechtsextremistischen Anschlag in Halle.
Das Archivfoto der Synagoge in Marburg entstand 2019, einen Tag nach dem rechtsextremistischen Anschlag in Halle. Quelle: foto: Tobias Hirsch
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Marburg

In Marburg hat es, anders als in vielen anderen Städten Deutschlands, seit dem Wiederaufflackern des Krieges zwischen Israelis und Palästinensern Anfang vergangener Woche bislang keine Straftaten mit erkennbar antisemitischem Hintergrund gegeben. Das teilte Yasmine Hirsch, Sprecherin der Polizei Marburg-Biedenkopf, gestern auf Nachfrage der OP mit.

Hirsch sagte, die Polizei in Hessen habe ihre Maßnahmen zum Schutz jüdischer Einrichtungen in Hessen überprüft und, falls erforderlich, „angepasst“. Einzelheiten nannte sie nicht. Sie wollte auch nicht verraten, welche Einrichtungen speziell in Marburg von der Polizei gesichert werden.

Angesichts der Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der palästinensischen Hamas waren am Wochenende Tausende Menschen in deutschen Städten auf die Straße gegangen, vor allem um ihre Solidarität mit den Palästinensern zu bekunden. Dabei kam es zu Sachbeschädigungen, aber auch zu antisemitischen Parolen.

Angesichts der Nachrichten aus Israel und der Opfer auf beiden Seiten fordert der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Marburg ein sofortiges Ende der Gewalt.

„In diesen Tagen steht die Jüdische Gemeinde Marburg fest hinter Israel, verurteilt aber zugleich jegliche Form von Gewalt,“ so Amnon Orbach und Thorsten Schmermund vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde. „Es muss ein Ende haben. Sofort.“

„Israel steht unter Beschuss“, sagte der Vorstand. „Die letzten Nächte mussten Millionen von Männern, Frauen und Kindern in Schutzräumen oder Treppenhäusern verbringen, um ihr Leben vor terroristischen Angriffen zu schützen.“ Und: „Raketenhagel – die Hamas schoss in wenigen Tagen Tausende von Raketen auf Israel ab – und Sirenenalarm ließen kaum jemanden ein Auge zutun“, so Orbach und Schmermund. 

In Israel fänden sich auf beiden Seiten Täter und Opfer, und dennoch „ist der Beschuss Israels mit nicht steuerbaren Raketen einfach Terror“. Die Raketen der Hamas richteten sich nicht gegen militärische Anlagen, sondern gegen alles und jeden – in erster Linie gegen die Zivilbevölkerung. „Und nach wie vor leugnet die Hamas das Existenzrecht Israels.“

„Was in den letzten Tagen bei Kundgebungen in Frankfurt und anderswo an Antisemitismus, antijüdischem Hass und ungezügelter Hetze gegen Israel zutage getreten ist, war unerträglich“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser. Die Reihe der Straftaten, die bei den jüngsten antiisraelischen Aufmärschen begangen wurden, reiche von Beleidigung über die Androhung von Mord bis zur Volksverhetzung.

„Der Rechtsstaat muss diese Delikte schnell und mit der gebotenen Härte ahnden, um deutlich zu machen, dass Antisemitismus und antijüdische Gewalt in unserem Land nicht hingenommen werden“, so Faeser.

Von Till Conrad