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Marburg Es geht vor allem darum, einfach da zu sein
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15:00 30.01.2022
Almut Hamelmann-Dietz (links) und Angelika Schwank möchten sich in der ehrenamtlichen Hospizarbeit engagieren und Menschen, die nur eine geringe Lebenserwartung haben, zu Hause besuchen.
Almut Hamelmann-Dietz (links) und Angelika Schwank möchten sich in der ehrenamtlichen Hospizarbeit engagieren und Menschen, die nur eine geringe Lebenserwartung haben, zu Hause besuchen. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Marburg

Nach der erfolgten Vorstellung der beiden Koordinatorinnen für ambulante Hospizarbeit bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in dieser Zeitung geht es nun um zwei Menschen, die sich auf diesem Feld ehrenamtlich engagieren wollen.

Almut Hamelmann-Dietz und Angelika Schwank haben sich entschlossen, einen Teil ihrer Zeit der ehrenamtlichen ambulanten Hospizarbeit der Johanniter-Unfall-Hilfe zu widmen. Sie wollen kranke Menschen besuchen, die bereits wissen, dass sie nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben und zu Hause gepflegt werden. Sie möchten ihr Engagement und ihre Zuwendung kranken Menschen geben, gleichzeitig aber auch deren Angehörigen Zeit, zum Beispiel zum Einkaufen oder Entspannen, verschaffen.

Bei den Besuchen geht es nicht um die Pflege der betreffenden Personen, sondern darum, ihnen Gesellschaft zu leisten, einfach für sie da zu sein, ihnen zuzuhören, aber auch miteinander ins Gespräch zu kommen oder auch gemeinsam spazieren zu gehen, soweit dies noch möglich ist. Beide Frauen haben aufgrund familiärer Todesfälle Erfahrung mit dem Abschiednehmen gemacht. Das Konzept, die Sterbebegleitung auch außerhalb des Hospizes, also in das vertraute Lebensumfeld der Menschen zu tragen, gefällt beiden sehr gut.

Teilnahme am Kurs verpflichtet zu nichts

„Der Tod gehört zum Leben. Dabei ist es wichtig, dass Sterbende nicht allein gelassen oder ausgegrenzt werden, sondern angemessen begleitet werden“, sagt Angelika Schwank. Und sie weiß, was Sterben für die Betreffenden heißt, aber auch für die Angehörigen. Sie selbst hat ihre Eltern und Geschwister viel zu früh verloren. Mit einer Schwester verbrachte sie deren letztes Jahr, was im Rückblick eine sehr intensive Zeit für beide war, die sie auf keinen Fall missen möchte. Sicher sei es ein schmerzhafter Prozess des Abschiednehmens gewesen, aber es wurde auch gelacht, sich gemeinsam erinnert, es wurden intensive Gespräche geführt, für die man sich vorher keine Zeit nahm.

Auch Almut Hamelmann-Dietz hat familiäre Todesfälle erlebt und dabei die Hospizarbeit schätzen gelernt. Einer der Gründe, warum sie an dem Ausbildungsangebot der Johanniter teilnahm. „Ich habe mich dabei immer wohlgefühlt und sehr gut informiert gefühlt“, sagt Hamelmann-Dietz. Und weiter sagt sie: „Alle wussten, dass sie mit der Teilnahme noch keine Verpflichtung eingehen. Das machte es leichter, sich auf alles zu konzentrieren. Wir können auch jetzt noch frei entscheiden, wann wir das erste Mal eingesetzt werden wollen.“

Sie werden bei ihrem ersten Besuch von den Koordinatorinnen des Ambulanten Hospizdienstes begleitet. Vor Ort wird dann entschieden, ob es passt oder nicht. „In erster Linie geht es nicht um uns und unsere Ansichten, sondern darum, was die betreffenden Personen wollen“, stellt Hamelmann-Dietz deutlich heraus. Doch haben auch die „Besucherinnen“ das Recht, zu sagen, dass sie die Besuche abbrechen wollen, wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – gar keinen Draht zur Begleitperson bekommen sollten.

Die Koordinatorinnen verfügen über eine Menge Erfahrung und sondieren schon im Vorfeld, wer wohl aus dem Fundus an verfügbaren Freiwilligen zu der jeweiligen Person passen könnte. Natürlich haben beide Frauen Respekt vor dem, was sie erwartet, aber sie sind auch entschlossen, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten in die Sterbebegleitung einzubringen. „Wir sind sicher bestmöglich darauf vorbereitet worden. Im Kurs wurden schließlich sehr viele praxisnahe Beispiele erörtert, auch von anderen Referenten, die aufgrund ihres Berufes oft mit Sterbenden zusammenkommen, wie etwa die evangelische Seelsorgerin vom UKGM“, sagt Angelika Schwank.

Wichtig: für die Aufgabe innerlich frei sein

In sieben Monaten wurden 96 Unterrichtseinheiten erarbeitet, die sehr gut auf die zukünftige Tätigkeit vorbereiten. Insgesamt waren es acht Personen, die mit aller Kraft und Interesse dabei waren. Im Austausch mit den Teilnehmerinnen der Gruppe konnten auch Selbsterfahrungen gemacht werden, die für die künftige Begleitung unabdingbar sind.

Für Schwank ist klar, dass sie erst einmal zuhören möchte, um zu erfahren, was sich die zu begleitende Person erhofft. So sieht das auch Almut Hamelmann-Dietz. „Am Ende gibt es keine Regeln, aber vielleicht noch Wünsche. Das kann beispielsweise auch noch das gemeinsame Genießen eines Glases Wein sein.“ Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen, haben es verdient, dass man sie ihren Bedürfnissen gemäß begleitet, sie als Sterbende nicht von der Gesellschaft ausschließt, sind sich die beiden Frauen sicher.

Sie schränken aber auch ein: Wer sich auf diese Arbeit einlässt, sollte innerlich frei sein für die Bedürfnisse der Menschen, zu denen sie gehen. Wer hingegen noch eigene Probleme mit dem Tod eines nahestehenden Menschen hat, und glaubt, diese auf diese Weise irgendwie lösen zu können, sollte davon Abstand nehmen. „Es ist eben auch wichtig, die eigene Belastungsgrenze nicht zu überschreiten, das hilft niemandem weiter“, sagt Hamelmann-Dietz.

Nächster Vorbereitungskurs zur ehrenamtlichen Mitarbeit in der Hospizarbeit, Start: Mittwoch, 11. Mai. Ende: Mittwoch, 12. Oktober. Anfrage an: Julia Kunz (Leitende Koordinatorin des Ambulanten Hospizdiensts der Johanniter-Unfall-Hilfe), Telefon 0 64 21 / 96 56 26 oder E-Mail: hospiz.marburg@johanniter.de

Von Götz Schaub

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