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Marburg „Naturally 7“ begeistert 300 Fans
Marburg „Naturally 7“ begeistert 300 Fans
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20:58 20.09.2021
Die A-cappella-Gruppe Naturally 7gab am Sonntagabend das erste große Konzert im Erwin-Piscator-Haus seit Ausbruch der Corona-Pandemie.
Die A-cappella-Gruppe Naturally 7gab am Sonntagabend das erste große Konzert im Erwin-Piscator-Haus seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Ungewöhnlich, spannend, toll, mitreißend und doch zugleich auch sehr irritierend: Die US-amerikanische A-cappella-Gruppe „Naturally 7“ gab am Sonntagabend im Erwin-Piscator-Haus (EPH) das erste große Live-Konzert seit eineinhalb Jahren, seit Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 und den damit verbundenen Lockdowns. Ein weiterer Schritt hin zu einer neuen Corona-Normalität?

Die A-cappella-Gruppe Naturally 7 aus den USA haben ein Konzert im Erwin-Piscator-Haus in Marburg gegeben.

„Es ist gut, Euch zu sehen, echte Menschen“, freut sich Rod Eldridge alias DJ Rod E, einer der Gründer von „Naturally 7“. Er blickte nicht für einen Live-Stream in eine Kamera oder auf einen Computerbildschirm, sondern in einen Saal mit rund 300 Fans der Gruppe, die sich seit 1999 auf dem hart umkämpften US-Markt für A-cappella-Gesang behauptet und sich seit 2002 auch in Europa viele Fans ersungen hat. Die Fans sind begeistert, gehen vom ersten Song an mit, jubeln, pfeifen zustimmend, beklatschen stürmisch jedes Lied. Die meisten von ihnen sehen die Gruppe nicht zum ersten Mal live, haben ihre Karten für die mehrfach verschobene „20 Years Tour“ schon vor den Corona-Lockdowns gekauft und sehnen nach der langen Kultur-Abstinenz ein Stückchen Normalität zurück.

Strenge Kontrollen

Andere sind angesichts der Nähe im Saal irritiert. Es hat sich viel und rasant geändert in den vergangenen Wochen. Das EPH hat den großen Saal geöffnet und dürfte unter den derzeit geltenden 3G-Corona-Bestimmungen theoretisch fast 500 Zuschauerinnen und Zuschauer einlassen. Unter 2G-Bedingungen könnten die Veranstalter das Haus sogar bis zum letzten Platz füllen, so die EPH-Verwaltung.

Am Eingang wird vom EPH-Personal streng kontrolliert: Impfnachweis, Genesenennachweis oder Corona-Test werden mit dem Personalausweis abgeglichen, damit sich niemand unter fremdem Namen mit falschen Nachweisen hineinschleichen kann. Kontaktdaten für eine Nachverfolgung, bis vor kurzem überall verpflichtender Corona-Standard, werden nicht mehr erfasst. Und ob und wie viele Gäste sich über die Luca-App einloggen, weiß man nicht.

Im Saal ist es irritierend eng. Abstände? Fehlanzeige. Das Publikum sitzt in den vorderen Reihen Schulter an Schulter, die hinteren Reihen bleiben weitgehend leer. Wer sich im Haus bewegt, muss nach wie vor eine Mund-Nasen-Maske tragen, auf den Sitzen kann sie abgenommen werden. All dies ist für Menschen, denen seit eineinhalb Jahren die AHA + L + A-Regeln – Abstand halten, auf Hygiene achten, im Alltag Maske tragen, lüften und die Corona-Warn-App nutzen – dringend nahegelegt werden, einigermaßen verstörend.

Das Konzert selbst ist nach langer Corona-Entwöhnung ein kleiner Lichtblick. „Naturally 7“ ist seit vier Wochen auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wie der Veranstalter „Hypertension Music“ auf Anfrage der OP mitteilte, ist das Publikum nach wie vor bei Live-Konzerten sehr zurückhaltend. Tourneen müssten nach wie vor abgesagt werden, weil der Zuspruch zu gering sei. „Naturally 7“ mache eine Ausnahme. Die Gruppe sei auf ihrer Tour teilweise vor 700 bis 800 Fans aufgetreten. Die meisten Karten seien allerdings vor den Corona-Lockdowns gekauft worden.

Überall und nirgends

„Naturally 7“ ist keine reine A-cappella-Gruppe – A cappella würde viel zu kurz greifen für das, was diese sieben Stimmwunder aus den USA auf der Bühne zeigen. Vocal play nennt man diese Art von Musik, hierzulande ist dafür Beatboxing verbreitet. Die sieben Sänger imitieren nur mit ihren Stimmen alle Instrumente, die eine Band braucht: Im Hintergrund sorgen „Schlagzeuger“ Warren Thomas und „Bassist“ Kelvin Mitchell für die Basis, vorne toben sich DJ Rod, Roger Thomas, Dwight Stewart, Sean Simmonds und „Gitarrist“ Lee Ricardo Cort aus. Sie alle sind tolle Sänger und haben weitere Talente: Bläsersätze mit Trompete und Posaune, Gitarrensoli, Keyboards – all dies wirkt verblüffend echt und wird begeistert gefeiert. Sie brauchen nicht viel für ihre perfekt choreographierte Show, bei der alle ständig in Bewegung sind. Ein paar Barhocker, Mikrofone, eine Loop-Station, mit der man Endlosschleifen als Hintergrund und Ergänzung der Songs schaffen kann.

Präsentiert werden Coverversionen bekannter Hits aus Pop, Rock, Gospel, Funk, HipHop, Reggae und Soul. „Wo gehört ihr eigentlich hin?“, sei er oft gefragt worden, sagt DJ Rod. Gute Frage. Überall und nirgends. „Es ist wie in eurem Lieblingsrestaurant. Ihr bekommt immer das, was ihr liebt.“ Die Fans wissen das – und sie wissen: „Naturally 7“ bietet US-Entertainment auf ganz hohem Niveau. Gehen durften die sieben Sänger übrigens erst nach zwei Zugaben und einer über zweistündigen, kräftezehrenden Show.

Von Uwe Badouin

20.09.2021
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