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Marburg Erster Schritt zu Theater-Neubau
Marburg Erster Schritt zu Theater-Neubau
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07:59 30.01.2020
Das Gebäude am Schwanhof gilt als marode. Doch wo soll ein in Marburg neues Theater entstehen? Quelle: Björn Wisker
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Marburg

„Das Bestandsgebäude am Schwanhof ist marode, perspektivisch brauchen wir ein neues Schauspielhaus“, sagt Jens Seipp, CDU-Fraktionschef. Zumal auch die vor wenigen Jahren neu gebaute Stadthalle in der Innenstadt die Anforderungen für Theaterbetrieb nicht erfülle.

„Die Stadthalle so zu bauen wie sie gebaut wurde, war, ist und bleibt ein Fehler. Einen, den wir teuer bezahlen.“ Entweder mit einem Neubau – inklusive Musikschule – auf dem aktuellen Gelände neben der Gisselberger Straße, am Afföller, wo zuletzt die Privatisierung der Fläche scheiterte oder anderswo in der Stadt.

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Seipp hält auch einen modernen Anbau an das aktuelle Haus für „vorstellbar“ und will für ein dann zu reparierendes Bestandsgebäude auch eine „Nachnutzung“. Grüne und Liberale halten den von der Stadtregierung eingeschlagenen Weg mindestens für verfrüht. „Solange wir in Schulen solche eklatanten Mängel in baulichem Zustand und der Ausstattung haben, darf man keine Millionenbeträge für einen Theater-Neubau ausgeben“, sagt Lisa Freitag (FDP).

Seitz will Weiterentwicklung des Kulturbetriebs

Auch ein Sporthallenbau erscheine angesichts des Bedarfs im Schul-, Vereins- und Freizeitsport dringender geboten als eine weitere Kulturstätte. Mit der Kritik ist die FDP-Frau nicht alleine, auch der Stadtelternbeirat fürchtet bei der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses eine Konkurrenz zwischen Schulsanierungen und Theaterbauplänen.

Laut Hans-Werner Seitz (Grüne) müssten vor allen Raum- und Baufragen ohnehin erst die künftigen Inhalte des Hessischen Landestheaters geklärt werden – anhand der Bedürfnisse der Bürger, also der Besucher. „Es muss um eine Weiterentwicklung des Kulturbetriebs ­geben. Welche Sparten möchte man haben, was bietet man inhaltlich an? Es ist nie eine Debatte geführt worden, wo man eigentlich konzeptionell hin will.

Dinnebier kritisiert Konzept-Debatte

Baulich, räumlich zu denken ist zu weit geworfen, ist der dritte Schritt vor dem ersten.“ Christa Perabo (Grüne) sieht je nach konkreter Zukunfts-Konzeption des Landestheaters auch jetzt schon „einige räumliche Potenziale“ in der Stadt: Der oft leerstehende Fürstensaal im Landgrafenschloss etwa komme als mögliche Spielstätte ebenso in Betracht wie die Alte­ Aula der Philipps-Universität.

Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD) spricht bei einer geforderten ­öffentlichen Diskussion um Kulturkonzepte von einem „widersinnigen Ansatz“ – nicht zuletzt, weil die programmatische beziehungsweise strukturelle Ausrichtung maßgeblich auch vom Land Hessen beeinflusst werde.

Linke: Sport und Kultur nicht gegeneinander auspielenn

Im Bauausschuss verlief die Debatte zu einem möglichen Theater-Neubau ähnlich. Einig waren sich bis auf den FDP-Parteichef Christoph Ditschler alle Stadtverordneten, dass die Bausubstanz des aktuellen Theatergebäudes am Schwanhof zu schlecht ist.

„Das ­Gebäude ist nicht wirklich für ein Theater geeignet und wurde als Offizierscasino auch nicht für diesen Zweck errichtet“, sagte Roland Frese (BfM) . 
Dass der Neubau von Sporthallen und Sanierung von Schulen Priorität haben müsse, dieses FDP-Argument ließ Tanja Bauder-Wöhr (Linke) nicht gelten. „Wir sollten Sport und Kultur nicht gegeneinander ausspielen.“

von Björn Wisker 
und Manfred Hitzeroth