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Marburg Erster Reformationsprediger in Frankfurt war Marburger
Marburg Erster Reformationsprediger in Frankfurt war Marburger
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10:00 21.02.2022
Die Katharinenkirche in Frankfurt.
Die Katharinenkirche in Frankfurt. Quelle: Wikimedia Commons
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Marburg

Dem Reformationsprediger Hartmann Ibach aus Marburg verdankte die Stadt Frankfurt vor fast 500 Jahren die erste evangelische Predigt. Daran erinnerte jetzt der Frankfurter Pfarrer Dr. Jeffrey Myers in einer Pressemitteilung. Der Theologe Hartmann Ibach, Mitglied des Deutschen Ordens in Marburg, kam als Gast in die Stadt am Main und predigte zu Beginn der Passionszeit am 9. März 1522 sowie am 11. März und am 13. März desselben Jahres unter dem Einfluss der Ideen des Reformators Martin Luther. Bei seinen Predigten in der Katharinenkirche an der Hauptwache setzte sich Ibach mit den damals brisanten Themen wie dem Zölibat, Heiligenverehrung und Zinsabgaben an den Klerus auseinander.

Hartmann Ibach wurde 1487 in Marburg geboren und starb dort um das Jahr 1533. Er war von 1505 bis 1516 Mitglied des Deutschen Ordens in Marburg und trat dann 1516 in das Barfüßerkloster in Marburg ein. Unter anderem war er mit Euricius Cordus, einem der ersten Medizinprofessoren der Universität Marburg, befreundet, wie Eduard Wintzer 1910 in der Zeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde in seinem Aufsatz über Ibach schrieb.

Ibach war ein Pionier der Reformation

Hartmann Ibach von Marburg war ein Pionier der Reformation und gilt laut Pfarrer Myers als der Erste, der in Frankfurt auf der Kanzel öffentlich im Sinne Luthers für die Reformation eintrat und somit auch die Lehren und Einrichtungen der katholischen Kirche angriff. Allerdings sorgten die Predigten Ibachs in der Frankfurter Bürgerschaft für erhebliche Unruhe, da es bereits seit längerem in der Stadt große Unzufriedenheit mit dem städtischen Klerus gab. Und in der Folge von Ibachs Predigten kam es auch zu einzelnen Übergriffen gegen Geistliche des Stifts. Die daraus erwachsenden Unruhen führten auf Betreiben des Stadtpfarrers Peter Meyer zu Protesten des Erzbischofs von Mainz beim Rat der Stadt. Die Folge war, dass Ibach Frankfurt verlassen musste. und nach Kronberg im Taunus ging.

Daraufhin forderten die der Stadt benachbarten Taunusritter unter Führung Hartmuts von Kronberg den Rat ultimativ auf, Ibach ungehindert predigen zu lassen. Ihre scharfen Stellungnahmen gegen den städtischen Klerus drohten zwischenzeitlich sogar, einen „Pfaffenkrieg“ zu entfesseln.

Ibach-Straße erinnert an Prediger

Die Auseinandersetzungen endeten schließlich im Juni 1522 mit der Anordnung von Kaiser Karl V. an den Rat der Stadt Frankfurt, die Geistlichkeit gegen die Ritter zu schützen. Ibach kehrte nicht mehr nach Frankfurt zurück und war später an verschiedenen Orten als evangelischer Pfarrer tätig und zwar ab Ende 1522 in Sonnewalde/Niederlausitz, ab 1524 in Buchholz bei Annaberg und seit 1528 in Marburg, wo er zum Anhänger Zwinglis wurde und zeitweise als Berater großen Einfluss auf den Universitätsgründer Landgraf Philipp den Großmütigen ausübte.

Bis heute erinnert die Hartmann-Ibach-Straße in Frankfurt-Nordend an den mutigen Prediger zu Beginn der Reformation. Und zudem gibt es in der Hartmann-Ibach-Straße sogar auch eine evangelische Kirche – die Wartburgkirche. Diese Kirche am östlichen Rand des Frankfurter-Nordends entstand in den Jahren 1959 bis 1962.

Von Manfred Hitzeroth

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