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Marburg Forderung nach Grundfinanzierung
Marburg Forderung nach Grundfinanzierung
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10:40 11.04.2018
Rund 200 Besucher informierten sich im Erwin-Piscator-Haus an den Ständen der 20 Selbsthilfegruppen über deren Angebote. Auch Susanne Strombach (rechts), Koordinatorin von „Patienten und Selbsthilfe“ der Gesundheitskasse AOK Hessen, war zu Gast. Betroffene informierten sich unter anderem bei ihr über Möglichkeiten der Pauschal- oder Projektförderung. Quelle: Simone Schwalm
Marburg

Nicht nur zur Vernetzung einzelner Selbsthilfegruppen hat der Erste Marburger Selbsthilfetag beigetragen. „Auch wir als Veranstalter und die politisch Verantwortlichen können etwas von hier mitnehmen“, sagte Rainer Dolle, Geschäftsführer von „Arbeit und Bildung“, einem gemeinnützigen Verein der privaten Wohlfahrtspflege. Damit meinte er ganz konkret: Den Start einer Initiative zur Verstärkung der Grundfinanzierung autonomer Selbsthilfegruppen.

In Kooperation mit der Marburger Selbsthilfekontaktstelle hat der Verein „Arbeit und Bildung“ den Selbsthilfetag am Samstag im Erwin-Piscator-Haus veranstaltet, finanziert von der Stadt Marburg. Rund 200 Besucher waren gekommen, und einige von ihnen stellten ganz konkrete Forderungen während der Podiumsdiskussion, vor allem im Bezug auf die finanzielle Unterstützung.

Zwar stellen Krankenkassen einen Betrag für Selbsthilfegruppen zur Verfügung. „Das sind 1,10 Euro pro Versicherten und pro Jahr, um zum einen die Pauschalförderung und zum anderen die Projektförderung zu finanzieren“, erläuterte Susanne Strombach, Koordinatorin des Selbsthilfe- und Patientenbüros der Gesundheitskasse AOK Hessen, Servicestelle für Fragen rund um die Themen Selbsthilfe, Selbsthilfeförderung und ­Patientenrechte. Doch diese ­finanzielle Unterstützung steht nur jenen Selbsthilfegruppen zur Verfügung, die einen medizinischen Schwerpunkt haben. Für bestimmte Gruppen, etwa Angehörigengruppen, ist diese­ Förderung nicht zugänglich“, erläuterte Iris Demel vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen.

Ein zweiter Selbsthilfetag in Marburg ist angedacht

Um auch solche Gruppen zu unterstützen, versprach Dolle: „Wir werden einen Antrag bei Land und Bund stellen, der aus diesem Selbsthilfetag heraus resultiert.“ Dazu wolle er sich „immer wieder Rückendeckung von der Marburger Selbsthilfegruppen-Bewegung holen“. Das Ergebnis möchte er während des zweiten Marburger Selbsthilfe-
tages vorstellen, der bereits angedacht ist.

Eine Besucherin merkte an, dass es auch sehr kleine Selbsthilfegruppen beziehungsweise­ Initiativen gibt, die ebenfalls auf finanzielle Unterstützung angewiesen seien. Wenn diese kein eingetragener Verein seien, könnten sie nicht einmal Spenden bekommen. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), der die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatte, informierte darüber, dass es Ehrenamts-Zuschüsse von der Stadt Marburg gebe, die unabhängig von einer Vereinsstruktur seien.

Weitere Anregungen waren Teil der Podiumsdiskussion. So merkte etwa Mireille Henne vom Verein zur Förderung der Integration Behinderter (fib) an: „Es fehlt an Räumen, die für körperlich beeinträchtigte und behinderte Menschen barrierefrei zugänglich sind.“ Aber auch Fragen konnten geklärt werden. So wollte etwa ­eine Psychotherapeutin wissen, woher sie Informationen darüber bekommt, wo Selbsthilfegruppen im Landkreis sind, um dies an ihre ­Patienten weitergeben zu können. Diplom-Soziologin ­Petra Hilgenbrink von der Selbsthilfe­kontaktstelle verwies auf den Selbsthilfegruppen-Wegweiser der Kontaktstellen, der regelmäßig unter anderem an Ärzte­ und Psychotherapeuten verschickt werde.

Ein weiterer Besucher plädierte dafür, dass in Beratungs- und Koordinationsstellen auch Menschen vertreten seien, die als Betroffene aus der Selbsthilfe stammen. Auch nach der ­Podiumsdiskussion blieben Besucher, Veranstalter und Experten noch im regen Austausch. Vertreter der Selbsthilfegruppen, die den Tag mitorganisiert hatten, zogen überwiegend ein positives Fazit.

von Simone Schwalm