Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Landkreis zeichnet Bildungslandschaft nach
Marburg Landkreis zeichnet Bildungslandschaft nach
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 04.08.2021
Stellen den ersten Bildungsbericht des Landkreises Marburg-Biedenkopf vor: Tanja Pfeifer (Leiterin des Fachbereichs "Haus der Bildung", von links), Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow und Silke Kaiser (Bildungsmanagerin des Landkreises).
Stellen den ersten Bildungsbericht des Landkreises Marburg-Biedenkopf vor: Tanja Pfeifer (Leiterin des Fachbereichs "Haus der Bildung", von links), Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow und Silke Kaiser (Bildungsmanagerin des Landkreises). Quelle: Tobias Hirsch
Anzeige
Wolfshausen

Das Thema Bildung tritt häufig nur auf Landesebene in Erscheinung. Im Kreis Marburg-Biedenkopf sieht das anders aus: Mit dem jetzt veröffentlichten ersten Bildungsbericht hat der Kreis das Thema auf die Kommunen heruntergebrochen. Der 135 Seiten umfassende Bericht zeigt, welche Bildungsangebote vorhanden sind und von wem sie genutzt werden. „Entstanden ist dabei eine nahezu vollständige Übersicht der Bildungsangebote in der Region. Von der frühkindlichen Erziehung und den weiterführenden Schulen, über die Möglichkeiten der Berufsausbildung und eines Studiums bis hin zu beruflichen Weiterbildungen und außerschulischer Bildungsarbeit für Jung und Alt“, sagte Landrätin Kirsten Fründt.

Berufliche Bildung

Aus den Daten geht beispielsweise hervor, dass sich die meisten jungen Erwachsenen im Landkreis für eine betriebliche Ausbildung entscheiden. Während des Schuljahres 2018/19 befanden sich 63 Prozent der jungen Männer in einer dualen Ausbildung. Demgegenüber befanden sich knapp 41 Prozent der jungen Frauen in einer dualen Ausbildung. Der Anteil der dualen Ausbildung stieg in den vergangenen Jahren an. Demgegenüber sank die Anzahl derer, die das Abitur erwerben. Auch die Anzahl der Studierenden an den Hochschulen in der Region hat sich etwas verringert. 2020 studierten 23 902 Menschen im Landkreis – im Vorjahr waren es noch 24 177. Geisteswissenschaften sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind am beliebtesten. Die meisten Studierenden sind Frauen, außer bei den Ingenieurwissenschaften, dort dominieren die Männer mit 1 007 gegenüber Frauen mit 484 (Wintersemester 2019/2020).

Volkshochschulen

Etwa die Hälfte aller Teilnehmenden von Volkshochschulkursen im Kreis Marburg-Biedenkopf und der Stadt Marburg sind zwischen 35 und 65 Jahren alt. Drei Viertel aller Teilnehmenden sind weiblich. Programme, die sich mit Sprachen und Gesundheit befassen, erleben in Marburg den größten Zulauf. Bei der Kreis-Vhs sind es die Themen Gesundheit und Gestalten.

Bericht ist Grundlage zur Weiterentwicklung

„Mit dem Bildungsbericht haben wir erstmals eine belastbare Datengrundlage geschaffen, auf deren Grundlage wir die Bildungslandschaft weiterentwickeln können“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow.

Bei der Weiterentwicklung von Bildungsangeboten helfen sollen die Handlungsempfehlungen aus gleich sieben Arbeitsgemeinschaften, die die Entstehung des Berichts aus unterschiedlichen Blickwinkeln begleitet haben. „Neben statistisch erhobenen Daten finden sich also auch die Erfahrungen von Bildungsakteuren und Bürgerinnen und Bürgern wieder. Neben dem Ist-Stand beantwortet der Bericht also auch die Frage, wie es weitergehen kann“, sagte Bildungsmanagerin Silke Kaiser.

Die Arbeitsgruppe zum Thema Übergang von der Grundschule zu weiterführenden Schulen regt beispielsweise an, Eltern besser über die Unterstützungsmöglichkeiten durch die Lehrkräfte zu informieren. Sie stünden den Eltern schließlich auch beratend zur Seite, wenn es darum geht Entscheidungen für die Schullaufbahn ihrer Kinder zu treffen.

„Null bis Sechs“

Die Arbeitsgemeinschaft zum Thema Bildungsgerechtigkeit empfiehlt unter anderem, die Schulsozialarbeit bereits an Grundschulen auszubauen, die Förderung interkultureller Kompetenzen und einen Ausbau des Beratungsangebotes „Null bis Sechs“, also für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr, für Eltern und pädagogische Fachkräfte. „Das Feedback aus den Arbeitsgruppen wird uns dabei helfen, die Vielschichtigkeit der Angebote noch besser miteinander zu verzahnen und genauer auf die Zielgruppen abzustimmen. Gerade weil wir Bildung ganzheitlich und nicht getrennt nach Altersgruppen oder Anbietern begreifen. Das werden wir Schritt für Schritt angehen. Wir sind jedenfalls auf einem guten Weg und ich bin mir sicher, dass uns der Bericht hierbei eine gute Orientierung bieten wird“, sagte Zachow. Gefördert wurde der Bildungsbericht aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Von Tobias Hirsch