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Marburg Erst Herbergs-Abriss, dann Zeltcamp-Aufbau?
Marburg Erst Herbergs-Abriss, dann Zeltcamp-Aufbau?
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09:58 23.10.2020
Die Jugendherberge in Marburg.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Kommt Bewegung in das Thema Abriss und Neubau der Jugendherberge in Weidenhausen? Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) erneuert seine Forderung in Richtung der Hessischen Landesregierung, die finanzielle Förderung, die Höhe der Zuschüsse für das Bauprojekt zu erhöhen.

Es brauche eine „spürbare Erhöhung des Engagements“ seitens des Landes, um das Millionenprojekt umsetzen zu können. Die Marburger Jugendherberge sei schließlich nicht irgendeine Einrichtung, sie sei bezogen auf die Auslastung und Beliebtheit – speziell bei Schulklassen – eine der landesweit erfolgreichsten. Mit jedem weiteren Monat, in dem sich am Trojedamm nichts tue, es keine konkrete Perspektive gebe, werde eine Realisierung des lange geplanten Projekts unwahrscheinlicher.

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Der Magistrat, der selbst mit mehreren Hunderttausend Euro am Bau beteiligt wäre, drängt vor allem angesichts des näherrückenden Stadtjubiläums „Marburg 800“ auf einen Baustart; und sei es erstmal nur den Abriss des Gebäudes. Denn: Laut Spies gibt es „auf positive Resonanz stoßende Überlegungen“, die Jugendherberge beziehungsweise das Gelände ab Frühjahr 2022 zumindest in den warmen Monaten als Zeltstadt für Stadtbesucher zu nutzen.

Übernachtungs-Möglichkeiten für Volksfest „Marburg 800“ gebraucht

Eine „provisorische Herstellung der Nutzbarkeit“ sei jedenfalls das Ziel. Ein Herbergscamp scheine nach ersten Gesprächen „nicht unrealistisch“, zumal es auch für den trotz Landeshilfen wegen Corona arg gebeutelten Jugendherbergsverband eine „Kompensations-Chance“ sei.

„Wir können und wollen auf diese Übernachtungs-Kapazitäten nicht dauerhaft verzichten“, sagt Spies. Man rechne in 2022 anlässlich des noch auszutüftelnden Festprogramms mit Zehntausenden Gästen.

Der Verband prüft nun offenbar, ob der für das laufende Jahr vorgesehene Abriss des Bestandsgebäudes im kommenden Jahr geschehen kann. Denn in Richtung 2022 und der Zeltcamp-Idee müsste zumindest das Grundstück frei sein, keine Ruine auf der Fläche stehen. Die Zeitpläne für einen Neubau sind laut Hessischem Jugendherbergsverband indes weiter „völlig offen“.

Klar ist: Bis zum für die Stadt Marburg entscheidenden Volksfest-Datum wird allen Bemühungen und etwaig erhöhten Finanzhilfen zum Trotz kein Neubau stehen. Und selbst eine zumindest vorübergehende Wiederherstellung sei angesichts des im Inneren leergeräumten Gebäudes – Heizung, Sanitäranlagen, Küche sind seit Jahresbeginn ausgebaut – nicht möglich.

Trotz touristischer Bedeutung: Noch keine Zuschuss-Erhöhung in Sicht

Zusammen mit Landrätin Kirsten Fründt (SPD) formulierte der OB im Juli ein Schreiben an das Land, um die Bedeutung der Jugendherberge für die Ausflugs-Region Marburg und Umgebung – speziell die Zeiteninsel in Weimar – zu unterstreichen. Ziel: Für den Herbergsverband mehr Geld für dessen rund acht Millionen Euro teures Projekt bekommen. Denn das gesamte für den Bau gesparte Geld ist mittlerweile in den Unterhalt der anderen hessischen Herbergen geflossen.

Das Land Hessen hat jüngst zwar einen Aufschub der Fördermittel-Zahlungen in das Jahr 2021 zugesagt. Eine Aufstockung der Mittel für den Corona-bedingt finanzschwachen Träger, wie das vom Magistrat und Landkreis-Spitze Mitte Juli gefordert worden ist, ist indes nicht in Aussicht. Wie der Bund plane man als Land eine Beteiligung in Höhe von 700 000 Euro (OP berichtete). Auf Landesebene setzen sich die Abgeordneten Jan Schalauske (Die Linke) und Dirk Bamberger (CDU) für die Herberge ein.

Zu Pandemie-Beginn galt das Haus als mögliches Behelfs-Krankenhaus für Corona-Patienten. Aber eben, weil das Haus nur noch eine Hülle ist, hat man den Plan in der Stadtverwaltung nach eigenen Angaben verworfen.

Von Björn Wisker

22.10.2020
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