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Marburg Bald rollen die Bagger
Marburg Bald rollen die Bagger
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16:58 11.04.2021
Bauunternehmer, Planer und Bürgermeister von Marburg, Ebsdorfergrund und Staufenberg ließen beim Spatenstich von „Interkom“ bei Heskem die erste Erde fliegen.
Bauunternehmer, Planer und Bürgermeister von Marburg, Ebsdorfergrund und Staufenberg ließen beim Spatenstich von „Interkom“ bei Heskem die erste Erde fliegen. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Heskem

Einen großen Schritt, vielmehr einen ersten Stich, nimmt das interkommunale Gewerbegebiet im Süden – der Start der Erschließung der ersten Flächen steht kurz bevor. Daher trotzten am Dienstag Vertreter von Marburg, Ebsdorfergrund und Staufenberg gemeinsam mit Bau-Profis und Gesellschaftern dem eisigen Wind, um zum klassischen ersten Spatenstich anzusetzen.

Die erste Erde der noch aus Acker bestehenden Fläche „Interkom I“ flog dann auch hoch in die Luft – die Experten übernehmen für diesen Teil des künftigen Gewerbegebiets dann im Laufe des Jahres. „Interkom II“ – beide Gebiete zusammen ergeben etwa acht Hektar – folgt dann im kommenden Jahr.

Verhandlungen mit Firmen laufen derzeit

Mit einem Ende der Bauphase ist im März 2022 zu rechnen. Noch laufen die Verhandlungen mit den Firmen, die sich auf den Flächen ansiedeln wollen, mit 15 bis 20 Anfragen befasst sich derzeit die für Entwicklung und Vermarktung gegründete „InterKom GmbH“.

Über diese kommen die erhofften Arbeitsplätze, von denen die beiden Städte und die Gemeinde ebenso wie von der Gewerbesteuer einmal profitieren. Ziel sei es, für alle Partner mehr Kapazitäten vor Ort zu erhalten. „Wir bringen Arbeits- und Ausbildungsplätze da hin, wo die Menschen wohnen“, sagt Bürgermeister Andreas Schulz (Ebsdorfergrund). Dadurch entfielen lange Fahrstrecken für die Pendler, „das kommt auch dem Klima zu Gute“.

Die Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg sei ein Zukunftsmodell, ohne dass Kommunen angesichts fehlender Gewerbeflächen nicht mehr weiter wachsen könnten, vielmehr weitere Firmen, die nicht expandieren können, verlieren würden. „Ein größeres Gewerbegebiet an zentraler Stelle mit guter Verkehrsanbindung ist wesentlich effektiver, als wenn eine einzelne Kommune mehrere kleine Gewerbegebiete an verschiedenen Standorten ausweist“, sagt Bürgermeister Peter Gefeller (Staufenberg).

Geplant sind unter anderem eine Tankstelle, verschiedene Handwerksbetriebe, etwa aus der Elektrotechnik oder dem Bau- und Kfz-Gewerbe, zudem eventuell eine Werbefirma oder Event-Gastronomie. So ganz fest steht die Zusammensetzung noch nicht, verschiedene Unternehmen benötigen unterschiedlich große Flächen, die Parzellen entstehen derzeit über das Baulandumlegungsverfahren. Den Vorzug erhalten heimische Firmen aus den drei Kommunen.

Mit den Nachbarn entstehe so vor Ort mehr Raum für bestehende Unternehmen oder neue Start-ups, „man muss regional denken“, lobt Bürgermeister Wieland Stötzel (Marburg). Die Lahnstadt verfüge zwar als größter Partner auch über mehr Gewerbeflächen, die Nachfrage sei aber hoch und Betriebe stießen räumlich zunehmend an Grenzen.

Fast 2 000 Meter Kanal sollen entstehen

Seit Jahren laufen die Planungen für das rund 8,5 Millionen Euro schwere Großprojekt, 2019 kam grünes Licht aus den drei Parlamenten, im letzten Jahr der Förderbescheid des Landes Hessen in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Der Zuschuss fließt in die Finanzierung, die sich Marburg und Staufenberg zu je 25 Prozent sowie Ebsdorfergrund als Standortgemeinde zu 50 Prozent teilen. Dafür erhält die Gemeinde später 55 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen.

Die Erschließung schlage mit 3,5 Millionen Euro zu Buche und kann demnächst starten. Der erste Teil dürfte in diesem Jahr fertig werden, die Arbeiten für „Interkom II“ dann in 2022. Für beide Gebiete soll rund 5 500 Quadratmeter Oberboden abgetragen, zudem knapp 9 000 Meter Kabel und Leerrohre verlegt werden. Auch Straßenbau und Abwasser nehme einen guten Teil der Pläne ein – fast 2 000 Meter Kanal für Schmutz- und Regenwasser sollen entstehen, erklärte Ingenieur Dr. Walter Grohmann.

Die Versiegelung der Flächen führt zu deutlich mehr Abwasser, das gebremst werden muss – dafür sorgen sollen zwei Rückhaltebecken, die das Wasser nach und nach abfließen lassen. Eine Sedimentationsanlage sorgt über ein Filtersystem für die Reinigung.

Von Ina Tannert