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Marburg Affenhilfe zur Regeneration des Urwalds
Marburg Affenhilfe zur Regeneration des Urwalds
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09:00 11.08.2019
Ein Tamarin, Vertreter einer Affenart, klammert sich an einen Baum in Peru. Mehr als 20 Jahre lang beobachteten Forschern das Verhalten der Tamarine im Regenwald. Quelle: Andrea Schell
Marburg

Tropische Regenwälder binden große Mengen Kohlenstoffdioxid, produzieren Sauerstoff und bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Werden diese für das weltweite Klima und die Artenvielfalt so wichtigen Ökosysteme zerstört, so erholen sie sich, wenn überhaupt, nur sehr langsam.

Welche Rolle Affen bei der Regeneration von durch menschlichen Einfluss zerstörten Regenwäldern spielen, haben Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen, der Universität Estadual Paulista (Brasilien) und der Universität Marburg im Rahmen einer Langzeitstudie untersucht.

Die beiden Biologinnen Dr. Kathrin Heer und Professorin Birgit Ziegenhagen waren an der Studie beteiligt, die in der Zeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht wurde. Das Besondere daran ist, dass das Forschungsprojekt eine Mischung aus Verhaltensbeobachtung und genetischer Analyse von Pflanzen ist“, sagte Heer im Gespräch mit der OP.

Studie im peruanischen Amazonas-Regenwald durchgeführt

Zudem sei es auch interessant, dass auch Affen zur Verbreitung von Samen in einem tropischen Regenwald beitragen können, sagte die Marburger Forscherin. Vergleichbare Studien hätten dies zuvor bereits für Fledermäuse und Vögel nachgewiesen.

Mehr als 20 Jahre lang wurden zwei Tamarin-Arten im Regenwald in Peru beobachtet: Diese Tiere ernähren sich von Früchten und scheiden die Samen unverdaut mit ihrem Kot aus. Die Forscher haben die Samenausbreitung und -keimung sowie das Wachstum und die genetische Herkunft verschiedener Pflanzen in einem Wald untersucht, der auf einer ehemaligen Weidefläche entstanden ist.

Sie konnten so erstmalig nachweisen, dass die Affen einen entscheidenden Einfluss auf die Ausbreitung von Samen aus dem ursprünglichen Primärwald in den sich regenerierenden Sekundärwald haben. Die Studie wurde im peruanischen Amazonas-Regenwald an der Forschungsstation Estación Biológica Quebrada Blanco des Deutschen Primatenzentrums durchgeführt.

In der Nähe der Station befindet sich ein rund vier Hektar großes Gebiet, das gerodet und in der Zeit von 1990 bis 2000 als Weide für Wasserbüffel genutzt wurde. Nachdem die Beweidung aufgegeben wurde, entwickelte sich langsam wieder Regenwald. Die Forscher um Studienleiter Professor Eckhard W. Heymann (Deutsches Primatenzentrum) beobachteten, dass sich Schnurrbart- und Schwarzstirntamarine zeitweise in dem frühen Sekundärwald aufhielten.

DNA wird aus Blättern extrahiert

Tamarine ernähren sich hauptsächlich von Früchten und breiten über ihren Kot die Samen vieler verschiedener tropischer Bäume und Lianen aus. „Wir wollten herausfinden, ob die Samenausbreitung durch Affen einen nachweisbaren Einfluss auf die natürliche Regeneration der Wälder hat“, sagt Eckhard W. Heymann.

Für die Analyse der Pflanzen und deren Samen waren die Marburger Biologinnen Dr. Kathrin Heer und Professorin Birgit Ziegenhagen verantwortlich. Um zu untersuchen, welche Samen aus dem Primärwald in den Sekundärwald verbreitet wurden, identifizierten die Forscher Samen aus dem Kot der Affen.

Die Forscher extrahierten die DNA aus Blättern von Keimlingen und Jungpflanzen, die im Sekundärwald gewachsen waren, und verglichen die DNA-Muster mit denen erwachsener Parkia-Bäume im Primärwald. „Unsere Daten zeigen erstmalig, dass die Schnurrbart- und Schwarzstirntamarine effektiv Samen aus dem Primarwald in den Sekundärwald hineintragen“, sagt Eckhard W. Heymann.

Kooperation wird fortgesetzt

„Wir konnten nachweisen, dass die Samen keimen und junge Pflanzen bilden und damit die Artenvielfalt im Sekundärwald erhöhen. Die Tamarine tragen somit nachweislich zur natürlichen Regeneration der von Menschen zerstörten Gebiete bei.“

Bereits seit 20 Jahren kooperiert Birgit Ziegenhagen mit Eckhard Heymann. Seit fünf Jahren ist auch Ziegenhagens Mitarbeiterin Kathrin Heer in dem Projekt mit dabei. Sie ist nicht nur für die Pflanzenanalyse im Labor zuständig, sondern war auch schon mehrere Male für mehrwöchige Aufenthalte vor Ort in der Forschungsstation im Regenwald in Peru.

Und die Kooperation wird fortgesetzt: So ist eine Marburger Doktorandin derzeit direkt vor Ort in Peru bei einem neuen Projekt. Dabei soll untersucht werden, wie unterschiedlich Affen und Vögel zur Ausbreitung von Lianen in mehreren „Stockwerken“ in den bis zu Bäumen des tropischen Regenwaldes auf unterschiedlichen Höhen beitragen können. Dabei müssen die Forscher eine gewisse Kletterfähigkeit beherrschen, weil sie bis zu 25 Meter hoch in die Baumwipfel hochklettern, um dort Kameras zu installieren.

von Manfred Hitzeroth