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Marburg Unternehmer bleiben Standort treu
Marburg Unternehmer bleiben Standort treu
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00:17 09.04.2019
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (von links), Dr. Stefan Blümling von der Wirtschaftsentwicklung und Dr. Christine Amend-Wegmann von der Stadtentwicklung stellten die Ergebnisse der Befragung vor. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Im Herbst 2018 hatte die Stadtverwaltung eine freiwillige Befragung aller Marburger Unternehmer in Auftrag gegeben und diese schriftlich aufgefordert, den Wirtschaftsstandort Marburg zu ­bewerten und anzugeben, an welcher Stelle weiterer Handlungsbedarf bestehe.

Das Ergebnis: Die brennendsten Themen der Marburger Firmen sind erwartungsgemäß Gewerbeflächen, Personal und Verkehr oder generell Voraussetzungen für die Mobilität der Mitarbeiter. Die müssten schließlich täglich zur Arbeit, in Marburg nicht eben unproblematisch.

„Der Verkehr bleibt eine ständige Herausforderung“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Mit dem innerstädtischen Straßenverkehr zeigen sich 40 Prozent der befragten Unternehmer „sehr unzufrieden“. 29 Prozent geben „eher unzufrieden“ an, nur 12 Prozent liegen im Bereich „zufrieden“.

Der zweite „große Problembereich“ der heimischen Wirtschaft sei die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen. Wie die Erhebung zeigt, bewerten viele Unternehmer das städtische Angebot als unzureichend. 22 Prozent sind damit „eher zufrieden“, der Großteil, 46 Prozent, wählt die Antwortmöglichkeit „teils/teils“.

Generell mit Wirtschaftsstandort zufrieden

Weit oben auf der Liste steht auch der Fachkräftebedarf und damit Standortfaktoren wie Mobilität oder Wohnraum. Kritik erntet dabei die Verfügbarkeit an Immobilien wie Wohnungen und das städtische Preisniveau für Wohnraum. Das Angebot ­bewerten 11 Prozent mit „eher zufrieden“, 39 Prozent sind „eher unzufrieden“, 14 Prozent sind „sehr unzufrieden“.

Positiv fielen dagegen Bewertungen aus, die eine emotionale Bindung an Marburg zeigten. Im grünen Bereich liegen etwa Lebensqualität, Schul-, Kultur- und Freizeitangebote. Insgesamt seien die Firmen mit Marburg als Wirtschaftsstandort zufrieden, lautet das Fazit der Erhebung. 23 Prozent geben an, „sehr zufrieden“ zu sein, 46 Prozent entscheiden sich für „eher zufrieden“. Er freue sich vor allem über „eine hohe Standortloyalität“, sagt Spies. 56 Prozent der Befragten geben an, mit dem Standort „sehr ver­bunden“ zu sein. Der Großteil will auch in Zukunft in der Stadt investieren.

Jede fünfte Anfrage wurde beantwortet

Angefragt wurden rund 1.500 ansässige Unternehmen – zurückgemeldet hatten sich etwa 300, also 20 Prozent. Darunter die großen Standortfirmen wie die Behring-Nachfolgefirmen, jedoch auch kleine und mittelständische Unternehmen. Mit der Resonanz zeigt sich Spies „sehr zufrieden“, die Erhebung bilde ein breites Spektrum des lokalen Wirtschaftsraumes ab.

Für die Befragung und Auswertung hatte die Stadt die Firma „L-Q-M“ aus Mainz beauftragt, federführend auf Seiten der Verwaltung war der Fachdienst für Stadt-, Regional- und Wirtschaftsentwicklung. Und der brachte in der Befragung auch eine Art Analyse für die Kundenzufriedenheit mit unter, erläutert Fachdienstleiter Dr. Stefan Blümling. Die sei positiv ausge­fallen: Als eines der wichtigsten Angebote der Wirtschaftsförderung sehen viele Unternehmer demnach den Aufbau von Unternehmensnetzwerken. 29 Prozent betrachten das als „sehr wichtig“.

Nachfrage hat sich geändert

Als Reaktion auf diesen Wunsch fand vergangene Woche das erste Marburger Wirtschaftsforum statt. Darüber hinaus will die Wirtschaftsförderung Angebote an die Unternehmen ausbauen und konkreter gestalten. Auch aus diesem Grund lief die Befragung nicht anonym ab. So könne der Fachdienst „genau nachhaken und bedarfsorientierter arbeiten“, erklärt Blümling.

Auffallend dabei: Frühere Angebote der Wirtschaftförderung, etwa die Kinder-Notfallbetreuung, die damals kaum angenommen wurden, stünden nun wohl wieder höher im Kurs. Auch mit diesem Ergebnis wolle sich die Stadt auseinandersetzen, betont Dr. Christine Amend-Wegmann, Leiterin des Fachbereichs Zivilgesellschaft, Stadtentwicklung, Migration und Kultur.

Generell sollen die Ergebnisse der Unternehmerbefragung nun in den Fachbereichen diskutiert werden, sagt Spies. Ebenso wie die Wunschlisten von den Themen­tischen des Wirtschaftsforums.

Die Ergebnisse der Unternehmerbefragung sollen demnächst in Kurzfassung auf der Website der Stadt Marburg veröffentlicht werden.

von Ina Tannert