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Marburg Auf die Erdbeeren, fertig, los!
Marburg Auf die Erdbeeren, fertig, los!
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17:02 18.06.2021
Verlockende Früchtchen in Lohra-Damm – bücken muss man sich aber dafür.
Verlockende Früchtchen in Lohra-Damm – bücken muss man sich aber dafür. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg-Biedenkopf

Wer kennt sie nicht, die süßen, roten Früchte des Sommers: Erdbeeren. Bei Obst und Gemüse geht der Trend immer weiter in Richtung Regionalität. Dies haben auch die lokalen Erdbeer-Anbauer bemerkt, die mit ihren Selbstpflücker-Angeboten genau ins Schwarze treffen. „Das Vertrauen zum Anbauer und die Selbsternte wird immer beliebter. Die Menschen konsumieren bewusster“, sagt Harald Geißel, Betriebsleiter des Obstanbaus Geißel aus Neustadt-Speckswinkel. Dabei spiele das Erlebnis beim Selbstpflücken eine tragende Rolle: „Es kommen ganze Familien oder Großeltern mit Enkeln zum Feld und machen aus der Pflückaktion einen Ausflug“, berichtet er. Bei ihnen auf dem Hof ginge es allerdings erst in den nächsten paar Wochen mit den Erdbeeren los.

Gefragt auch in der Pandemie

Auch Helfried Eden, Betriebsleiter der Landwirtschaft auf dem Hofgut Dagobertshausen, staunte nicht schlecht darüber, dass gerade während der Pandemie im vergangenen Jahr plötzlich viele den Weg aufs Erdbeerfeld fanden: „Wir haben seit fünf Jahren eine stetig steigende Nachfrage, 2020 allerdings konnte man einen deutlichen Anstieg ausmachen.“ Durch eine Waage am Feldrand können die Personenzahlen registriert werden. Laut Eden ginge der Trend zurück zur Natur. „Gerade im vergangenen Jahr gab es wenig bis gar keine Möglichkeiten, etwas zu unternehmen“, sagt Eden, „da kommt ein Tagesausflug zum Erdbeerpflücken vielen Menschen sehr gelegen, und frischer geht’s nicht.“ Auch Schulen und Kindergärten könnten nach vorheriger Anmeldung einen Tagesausflug ins Erdbeerfeld unternehmen. Insgesamt dauere die Erdbeer-Ernte des Hofguts in Dagobertshausen mit ihrem Erdbeerfeld in der Größe von circa fünf Fußballfeldern ungefähr vier Wochen. Die Erdbeerfelder in Dagobertshausen sind ab sofort geöffnet.

Was sie so beliebt macht

„Abgesehen davon, dass sie die erste Sommerfrucht ist, hat sie einen süßen, vollen Geschmack und ist dazu noch sehr gesund“, erklärt Eden. Vor allem der Vitamin-C-Gehalt in einer Erdbeere sei dabei erstaunlich hoch. So enthält sie mehr Vitamin C als eine Zitrone. Außerdem – und das bestätigen alle Befragten – ist das Besondere an der Erdbeere ihre Vielseitigkeit. Von Marmelade über Kuchen bis hin zum Erdbeersaft ist alles möglich. Für die Anbauer ist sie allerdings am leckersten, wenn sie gerade frisch vom Strauch kommt. Da sind sich die regionalen Erdbeer-Anbauer einig. „Nach der puren Erdbeere kommt für mich direkt die Erdbeertorte“, sagt der Betriebsleiter aus Dagobertshausen. Die Erdbeere vom Strauch ist auch für Johannes Plitt, Außenbetriebsleiter des Biohofs Caspersch, die erste Wahl. Am Feldrand sitzen und die ersten Früchte naschen, ist für den Lohra-Dammer „Genuss pur“.

Er rät zur Lagerung mit Stängel: „Wenn man den Stängel ein bis zwei Zentimeter an der Frucht lässt und die frischen Erdbeeren direkt ungewaschen kühlt, dann halten die etwas länger.“ Vorm Verzehr können die roten Beeren dann gerne gewaschen werden. Laut Plitt sei auch der Zeitpunkt des Pflückens entscheidend: „Morgens, wenn die Früchte noch ausgekühlt vom Tau sind, schmecken die Erdbeeren anders, als wenn sie in der Mittagszeit zur prallen Sonne geerntet werden.“ Und auch wenn die Erdbeere sich nicht so lange frisch hielte, könne sie sehr gut konserviert werden.

„Rosige“ Erdbeeren

Trotz all dem Lob für die rote Frucht wissen viele nicht, dass die Erdbeere genau genommen gar keine Beere ist und auch nicht im Boden wächst, höchstens bodennah. „Auf Französisch heißt sie ,fraise’ und die Italiener nennen sie ,fragola’. Das ist nah an dem wissenschaftlich-botanischen ,fragaria’ und bezeichnet eine Gattung innerhalb der Rosengewächse“, stellt Dr. Astrid Wetzel, Botanikerin aus Marburg klar. So sind vor über 300 Jahren die ersten Urerdbeeren von Amerika nach Europa importiert worden. Die Kreuzung aus beiden Sorten ergab die erste Erdbeere, die der Gartenerdbeere nah kommt.

Ananas-Erdbeere

Diese erste Form der Erdbeere nennt sich „fragaria ananassa“ – wer bei „ananassa“ an Ananas denkt, liegt richtig, „denn Form Geruch und Geschmack der Erdbeer-Frucht haben Ähnlichkeiten mit der der Ananas“, erklärt Dr. Wetzel, „es gibt sogar eine eigene Zuchtform, die Ananasbeere. Sie ist weiß, hat rote Nüsschen und einen leichten Ananas-Geschmack.“ Die Frucht der Erdbeere bezeichnet man als Nusssammelfrucht. Die „Kerne“ der roten Frucht nennt man Nüsschen. Auch die Hagebutte ist eine Nusssammelfrucht, allerdings sind die Nüsschen von dem Fruchtfleisch ummantelt.

Achtung bei wilden Beeren

Die Botanikerin warnt vor dem Pflücken wilder Beeren. „Auf Beeren, die wild wachsen, kann sich der Fuchsbandwurm befinden“, sagt sie. Hunde und Füchse würden zwar nicht erkranken, trotzdem sollte man Vorsicht walten lassen, da kontaminierte Fäkal-Reste auf den Beeren zu einer Infektion beim Menschen führen können.

Um sicher zu gehen, empfiehlt sie den Anbau von Monatserdbeeren auf dem heimischen Balkon, da man dort sicher vor dem Fuchsbandwurm ist.

Selbstpflücker-Felder in der Region

Biohof Caspersch, Frohnhäuser Straße 12, Loihra-Damm, Öffnungszeiten: wochentags von 8 bis 19 Uhr, samstags von 9 bis 18 Uhr, Telefonnummer: 06426 78 66
Hofgut Dagobertshausen, im Dorfe 14, Dagobertshausen, Öffnungszeiten: täglich von 8 bis 20 Uhr, Telefonnummer: 06421 1 65 69 70
Obstanbau Geißel, Birkenstraße 8, Neustadt-Speckswinkel, Öffnungszeiten: Erntebeginn erst in 1 bis 2 Wochen. Telefonnummer: 06692 15 70
Laggels Bio-Erdbeeren, Scheerengraben 4, Ebsdorfergrund-Leidenhofen, Öffnungszeiten: können per Telefon oder Website www.laggels-bio-erdbeeren.de abgerufen werden Telefonummer: 06424/9 21 01 94

Von Larissa Pitzen

17.06.2021
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