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Marburg Enya-Sophie denkt an Hermershäuser
Marburg Enya-Sophie denkt an Hermershäuser
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10:58 10.10.2020
Enya-Sophie Kitzberger hat während des Lockdowns 30 Bilder für die Hermershäuser gemalt. Quelle: Katja Peters
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Hermershausen

Da war Ortsvorsteher Hubert Detriche ganz schön sprachlos. Enya-Sophie Kitzberger hatte ihm im März 30 selbst gemalte Regenbogen-Bilder in den Briefkasten geworfen, mit einer Bitte:

Er möchte sie in Hermershausen verteilen und aufhängen. „Der Lockdown hatte gerade erst begonnen, jeder versuchte mit sich selbst klar zu kommen, und dann kam diese nette Geste einer Achtjährigen. Das hat mich sehr berührt.“

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Denn auf den bunten Bildern standen auch die Wünsche von Enya-Sophie an die Hermershäuser: „Bleibt gesund! Ich denke an euch. Es wird alles wieder gut. Ich wünsche euch alles Gute.“ Erstaunlich, wie viel Nächstenliebe die farbenfrohen Bilder der achtjährigen Schülerin ausstrahlten. Hubert Detriche jedenfalls traf diese Aktion mitten ins Herz.

„Ich habe eines der Bilder gleich ans Fenster im Wohnzimmer gehängt. Jeder, der daran vorbei ging, musste auf den Regenbogen schauen“, berichtet er und ergänzt: „In allen Schaukästen im Ort waren sie zu sehen. Das eine hing so lange, bis die Farben völlig verblasst waren.“

„Das ist für mich einzigartig“

Er berichtete seinem Ortsbeirat davon und auch den benachbarten Ortsvorstehern. Außerdem veröffentlichte er die Aktion im Hermershäuser Dorfblättchen, das regelmäßig erscheint. „Das zog Nachahmer nach sich. Eine tolle Sache. Manche Anwohner kamen sogar vorbei und holten sich ein paar Bilder ab, um sie in ihrer Nähe aufzuhängen“, erzählt er Enya-Sophie bei einem Treffen im Bürgerhaus. Sie hatte damals im Ort geguckt, ob ihr Wunsch in Erfüllung gegangen war. „Ich habe mich sehr gefreut“, sagt sie beim Besuch der OP ganz schüchtern.

Ursprünglich wollte sie ihre Zeichnungen einfach irgendwo aufhängen. „Ich habe ihr dann erklärt, dass wir erst den König fragen müssen“, erzählt Mutter Simone und Hubert Detriche wird ganz verlegen. „Ich bin doch kein König“, sagt er und muss lachen. Dann wird er ernst: „Dass ein achtjähriges Mädchen in so einer ungewissen Zeit an andere Menschen denkt, das ist für mich einzigartig“, lobt er Enya-Sophie.

Telefonieren reicht auf die Dauer nicht

Sie hatte über „Radio Teddy“ die Situation im März verfolgt und festgestellt, „dass Corona echt doof ist“. Und dann kam der Wunsch, dass doch alle gesund bleiben sollen, damit sie wieder miteinander spielen und reden können. „Sie hat schon registriert, dass nur telefonieren auf die Dauer nicht ausreicht und der persönliche Kontakt ihr sehr fehlt“, erzählt Simone Kitzberger, die auch gerührt war von der Aktion ihrer Tochter.

Und Enya-Sophie? Die kann mit der ganzen Aufmerksamkeit gar nichts anfangen, streicht sich verlegen durch das lange blonde Haar. In den vergangenen Tagen hat sie ein Gedicht geschrieben, mit dem sie den Hermershäusern wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern möchte. Denn sie hat festgestellt, dass durch die Maskenpflicht viel weniger gelacht wird. Und wieder ist Hubert Detriche gerührt. „Das vergesse ich dir nicht so schnell“, sagt er und lacht dabei.

Von Katja Peters

10.10.2020
09.10.2020