Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Englische Mutante breitet sich rasant aus
Marburg Englische Mutante breitet sich rasant aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:39 28.03.2021
Eine Pharmazeutin hält in einer Corona-Schnelltest-Station ein Teststäbchen in Trägerflüssigkeit. Im Landkreis breitet sich die britische Coronavirus-Mutation rasant aus.
Eine Pharmazeutin hält in einer Corona-Schnelltest-Station ein Teststäbchen in Trägerflüssigkeit. Im Landkreis breitet sich die britische Coronavirus-Mutation rasant aus. Quelle: Themenfoto: Christoph Soeder/dpa
Anzeige
Marburg

Doch deren Bedenken wurden ignoriert. Jetzt ist die dritte Welle nicht mehr zu übersehen. Die Infektionszahlen steigen stetig. Schuld daran ist die sogenannte englische Mutante: Rund 80 Prozent der am Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM) nachgewiesenen Covid-19-Varianten sind Mutanten vom Typ der englischen Variante B 1.1.7. Das teilte der Ärztliche UKGM-Geschäftsführer, Professor Harald Renz, der OP auf Nachfrage mit. „Diese Mutante verbreitet sich schneller, befällt vorzugsweise nicht nur Ältere, sondern auch Menschen zwischen 50 und 69, ruft schwerere Krankheitsverläufe hervor und weist eine längere Inkubationszeit auf als das Ursprungsvirus. Die englische Mutante gilt als Hauptursache für den starken Anstieg der Infektionszahlen“, erklärte Renz.

Am UKGM werden Proben jedes Patienten, der bei einem PCR-Test positiv auf Covid-19 getestet wurde, einem mehrstufigen Sequenzierungsverfahren unterzogen, berichtete Professor Renz. Andere Varianten, insbesondere die südafrikanische oder die gefürchtete brasilianische Variante, die noch ansteckender sein soll als die englische, spielen nach Auskunft des Ärztlichen UKGM-Geschäftsführers im Landkreis noch keine Rolle.

Nach Auskunft des Landkreises wurden vom 25. Dezember bis zum 24. März im Kreis 495 Fälle der britischen Variante nachgewiesen. Von den 714 am 24. März aktiven Corona-Fällen waren nach Auskunft des Kreises 366 mit B 1.1.7. infiziert. Allerdings wird nur ein Teil aller positiven Corona-Proben auf Mutationen überprüft.

Im Landkreis befanden sich am Donnerstag nach Auskunft der Kreisverwaltung 755 positiv auf das Coronavirus getestete Menschen sowie 1516 Kontaktpersonen ersten Grades in Quarantäne. Auch dies ist Ausdruck einer rasant steigenden Inzidenz. Die Inzidenz im Landkreis stieg seit dem 10. März von 86,4 auf aktuell 163,4 Fälle in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner. Die Inzidenz ist seit Monaten die wichtigste Kategorie, mit der die Behörden die Entwicklung der Corona-Pandemie einordnen. Dabei ist vermutlich von einer Dunkelziffer auszugehen, weil nicht alle Infizierten Symptome aufweisen und sich testen lasen.

Wie schlimm wird die dritte Welle?

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte unterdessen sogar vor dem Zusammenbruch des deutschen Gesundheitssystems noch im April, nachdem die bundesweite Inzidenz am Donnerstag auf 119,1 gestiegen ist. Und der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, befürchtet, dass die dritte Welle schlimmer wird als die beiden zuvor.

Aktuell sind die meisten Infizierten (124) im Landkreis Marburg-Biedenkopf zwischen 20 bis 29 Jahre alt. Galt Corona lange Zeit als eine Gefahr, die eher Seniorinnen und Senioren betrifft, sagt die Statistik des Gesundheitsamtes inzwischen etwas ganz anderes. Den aktuellen Zahlen ist zu entnehmen, dass sich immer mehr jüngere Menschen mit Covid-19 infizieren: Auch die Altersgruppen bis 59 Jahre sind proportional stärker vertreten als die Jahrgänge darüber. All dies belegt die Einschätzung des RKI-Chefs Lothar Wieler, dass zunehmend jüngere Jahrgänge an der britischen Corona-Mutante erkranken. Nach Angaben des Kreises wurde jüngst bei 51 Kindern bis 5 Jahren das Virus nachgewiesen, bei 36 Kindern im Alter von 6 bis 9 Jahren sowie bei 70 Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren.

Von Uwe Badouin und Till Conrad

Marburg Oberbürgermeister-Stichwahl - Hauchdünner Sieg für Spies
28.03.2021
28.03.2021
28.03.2021