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Marburg Stadtwerke Marburg auf Spitzen-Platz
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19:59 08.11.2021
Gas und Strom sind in Europa so teuer wie lange nicht – bei den Stadtwerken Marburg steigt der Gaspreis dennoch nur moderat zum Jahreswechsel.
Gas und Strom sind in Europa so teuer wie lange nicht – bei den Stadtwerken Marburg steigt der Gaspreis dennoch nur moderat zum Jahreswechsel. Quelle: Marijan Murat
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Marburg

Wären die Stadtwerke Marburg beim Tarifvergleichsportal Verivox gelistet, „worauf wir gar keinen Wert legen“, so Geschäftsführer Holger Armbrüster, so lägen sie mit ihren aktuellen Wahltarifen „Premium“ für Bestandskunden sowohl bei Strom als auch bei Gas auf dem Spitzen-Platz. Die Vergleichsrechnung zeigt: Bei einem angenommenen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr und jährlicher Zahlung müssten Stadtwerke-Bestandskunden 1.078,16 Euro zahlen – beim derzeitigen Verivox-Toptarif von Vattenfall 1.127,45 Euro. Beim Gaspreis mit angenommenen 20.000 Kilowattstunden im Jahr kommen Stadtwerke-Bestandskunden auf 1.508,08 Euro – der beste Preis bei Verivox liegt bei nahezu 2.300 Euro.

„Das ist der aktuellen Marktpreis-Entwicklung geschuldet. Im vergangenen halben Jahr haben sich die Preise in der Spitze verdreifacht – tagesaktuell verdoppelt, und zwar bei Gas und bei Strom“, sagt Armbrüster.

Woran liegen diese Preisentwicklungen? „Wir hatten einen langen, kalten Winter, sodass die Gasspeicher nur schwer aufzufüllen waren“, so Armbrüster. Die Gasflüsse aus Osteuropa seien nicht so groß gewesen, um diesen Mehrverbrauch aufzufangen und die Speicher zu befüllen. Und: Auch der CO2-Preis sei in der ersten Jahreshälfte drastisch gestiegen, „das lastet auf der Strompreisentwicklung“. Gleichzeitig sei aber die Produktion wieder angefahren, sodass ein größerer Bedarf herrsche. „Es sind also drei Punkte: Leere Lager, steigende Nachfrage und Abgaben“, fast Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller zusammen.

Warum schlägt sich das nicht bei den Tarifen der Stadtwerke nieder? „Wir haben in der Vergangenheit sehr gut eingekauft, sodass sich die aktuellen Preissteigerungen bei uns nur zum Teil bemerkbar machen“, sagt der Geschäftsführer. Diese langfristige Beschaffungsstrategie sei schon lange ein Teil der Stadtwerke-Philosophie. Andere Anbieter müssten tagesaktuell einkaufen, was nicht nur zu erheblichen Preissteigerungen führe. „Einige sind insolvent, andere nehmen keine Neukunden auf oder kündigen ihren Bestandskunden“, so Armbrüster – zu hoch sei der Preisdruck.

Im Umkehrschluss führt das dazu, dass Kunden im Versorgungsgebiet der Stadtwerke automatisch in die Grundversorgung bei dem heimischen Anbieter wechseln.

Bedarf an Grundversorgung

„Darauf sind wir vorbereitet, es gibt bereits rund 100 Anfragen.“ Und das hat Folgen, denn die Grundversorgung – in der sich bei Strom und Gas zwischen 15 und 20 Prozent der Kunden befinden – werden die Preise steigen. „Dort müssen wir aufgrund des Zulaufs zukaufen, das ist nicht komplett durch unsere Beschaffung gedeckt“, erläutert Armbrüster. In der Folge steigt die Kilowattstunde Strom in der Grundversorgung von 30,12 auf 34,33 Cent, der monatliche Grundpreis erhöht sich von 10,63 auf 11,84 Euro. Die Kilowattstunde Gas steigt von 7,41 auf 10,29 Cent, der Grundpreis steigt um 18 Cent auf 11,84 Euro je Monat.

Philosophie der Stadtwerke sei es darüber hinaus gewesen, „unsere treuen Bestandskunden zu schützen“. Das bedeutet, dass sich der Strompreis im Wahltarif – in dem sich alle außer den Grundversorgungs-Kunden befinden – nichts ändert: Die Kilowattstunde kostet 27,16 Cent, der monatliche Grundpreis beleibt bei 10,63 Euro. Der Wahltarif „Erdgas Premium“ für Bestandskunden erhöht sich leicht – von 6,15 auf 6,83 Cent je Kilowattstunde bis 30.000 Kilowattstunden im Jahr, der Grundpreis steigt von 11,66 auf 11,84 Euro im Monat. Und wer mehr als 30.000 Kilowattstunden Gas im Jahr verbraucht, zahlt ab kommendem Januar 7,30 Cent je Kilowattstunde – bisher sind es 6,62 Cent. Eine Grundgebühr gibt es in diesem Tarif nicht, das wird auch beibehalten. „Und wir geben unseren Bestandskunden auch eine Preisgarantie für ein Jahr“, erläutert Holger Armbrüster.

Höhere Preise für Neukunden

Die Stadtwerke Marburg werden auch weiterhin Neukunden aufnehmen. „Die müssen allerdings etwas mehr zahlen“, sagt Armbrüster. Die Kilowattstunde Strom schlägt für sie seit dem 1. November mit 29,99 Cent bei einer monatlichen Grundgebühr von 11,84 Euro zu Buche – bei mehr als 10.000 Kilowattstunden Verbrauch entfällt die Grundgebühr, der Strompreis beträgt dann 31,4 Cent je Kilowattstunde.

Auch der Gaspreis ist für Neukunden höher: 8,56 Cent je Kilowattstunde zahlen sie für einen Verbrauch bis 30.000 Kilowattstunden bei einer Grundgebühr von 11,84 Euro, bei einem höheren Verbrauch entfällt diese, die Kilowattstunde kostet dann 9,03 Cent.

„Insgesamt sind das also gute Nachrichten für Marburg“, freut sich Holger Armbrüster. Und: „Wir haben auch schon für übernächstes Jahr Mengen eingekauft“ – zwar könne noch niemand sagen, wie sich die Preise bis dahin entwickelten. Doch sei die Sorge unbegründet, dass sich die Spitzenwerte ins übernächste Jahr verschieben.

Von Andreas Schmidt