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Marburg Endlich wieder etwas Oberstadt-Feeling
Marburg Endlich wieder etwas Oberstadt-Feeling
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20:16 18.05.2021
Ab Mittwoch darf in Marburg die Außengastro öffnen. Elvin Sen, Mitarbeiterin im Café Barfuß, freut sich drauf.
Ab Mittwoch darf in Marburg die Außengastro öffnen. Elvin Sen, Mitarbeiterin im Café Barfuß, freut sich drauf. Quelle: Fotos: Nadine Weigel
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Marburg

Es wird wohl ab diesem Mittwoch (19. Mai) zunächst ein „langsamer Aufgalopp“, urteilt Bülent Turgut, Inhaber des „Market“, das sich direkt am Marburger Marktplatz befindet. Denn es gibt aus seiner Sicht einige Hindernisse, die einem Neustart der Gastronomie nach der langen Schließungsphase entgegenstehen.

„Die Gerätschaften und die Körper sind eingerostet, und das Wetter spielt uns nicht in die Karten“, erzählt Turgut. Zudem seien die Anforderungen für einen Restaurantbesuch ab morgen auch noch relativ hoch: Gäste müssen einen negativen Corona-Test vorweisen, vollständig geimpft oder bereits von einer Corona-Erkrankung genesen sein. „Schade, dass es bisher kein Schnelltest-Zentrum in der Oberstadt gibt“, bedauert der Gastronom.

Aber Turgut hofft, dass trotzdem einige Kunden schon ab dieser Woche wieder den Weg zu den Tischen in der Außengastronomie finden werden, auch in seine beiden Restaurants „Siesta“ am Fuße der Oberstadt und „Nero“ im Südviertel. „Wir lassen uns überraschen und sind auf jeden Fall vorbereitet“, meint Turgut.

So stehen angesichts der kühlen Mai-Temperaturen Heizstrahler und Decken bereit. Und bei einer Personalbesprechung für das „Market“ wurde eine „abgespeckte Karte“ beschlossen. Die Köche kommen jetzt aus der Kurzarbeitsphase wieder heraus. Etwas schwerer könnte es für den Restaurant-Betreiber allerdings sein, studentische Mini-Jobber für den Service zu bekommen. Denn viele Studierende sind entweder gar nicht in Marburg oder haben sich in der Zwischenzeit um andere Jobs beispielsweise in der Gastronomie gekümmert.

Ein wenig von dem alten Oberstadt-Feeling wird in der Barfüßerstraße auch ansonsten wieder aufkommen. So öffnet Gastwirt Nuri Yenia sowohl das „Maxx“ und das „Café Station“ als auch das alteingesessene „Café Barfuß“ wieder.

Bierleitungen werden

gereinigt, dann geht es los

Nur das „Paprica“ bleibt noch dicht. Weil es in den Restaurants im Lockdown einen Lieferservice gab, waren die meisten Mitarbeiter zwischenzeitlich auch weiter beschäftigt, beispielsweise als Fahrer, bei der Bestellannahme oder im Küchenservice.

Jetzt zeigt sich der Marburger Gastronom vorsichtig optimistisch und ist trotz aller bürokratischer Regularien froh, dass es jetzt wieder losgeht. Allerdings wartete er sicherheitshalber gestern noch auf die endgültige offizielle Bestätigung durch die Stadt Marburg, dass er wirklich wieder öffnen darf. Immerhin gab es einige wichtige Vorbereitungen für den Re-Start wie das Reinigen der Bierleitungen im „Barfuß“.

Etwas abwartender gibt sich hingegen Felix Heinzmann, der mit seinem Bruder Peter Heinzmann das „Café am Markt“ direkt am Marburger Marktplatz betreibt. Im Gegensatz zum ebenfalls von den Heinzmanns betriebenen „Felix“ im Marburger Stadtteil Michelbach, in dem es zwischenzeitlich Lieferservice und Bewirtschaftung der Hotelgäste gab, öffnet die Markt-Gaststätte erst einmal nicht.

„Wir öffnen das Café am Markt wahrscheinlich erst am 1. Juni“, erklärte Felix Heinzmann im Gespräch mit der OP. „Wir hatten den Betrieb auf Null heruntergefahren und die Lager sind leer“, berichtet der Gastronom.

Offene Fragen wie Kontrolle der Impfzeugnisse bleiben

Alles sofort wieder hochzufahren, und das bei den eingeschränkten Kapazitäten mit Sicherheitsabständen im Außenbereich und bei eher schlechterem Wetter: Dafür wären Aufwand und Risiko noch in keinem vernünftigen Verhältnis. „Bei 30 Grad und Sonne wäre es etwas anderes“, meint Heinzmann.

Weitere Fragezeichen stehen bei den Marburger Gastronomen noch hinter der Frage, wie beispielsweise die Impfzeugnisse der potenziellen Gäste zu kontrollieren sind.

Auch im gesamten Kreisgebiet stehen die Zeichen der Gaststätten wieder allmählich auf Öffnung. Das Gasthaus Debelius in Beltershausen genießt als Familienunternehmen in der fünften Generation schon längst einen überregionalen Ruf. Der große Außenbereich vor dem Gasthaus wird auf alle Fälle morgen geöffnet, sagt Nadine Debelius. „Wir haben alles durchgeplant, sind vorbereitet und freuen uns auf Besuch“, ergänzt sie. Nun bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter einigermaßen mitspielt. Gegen Regen schützen jedenfalls große Schirme.

„Ich freue mich tierisch auf die Kunden und hoffe, dass sie sich nicht von den Vorgaben abschrecken lassen“, sagt Christina Schindler, die in Stadtallendorf das Café am Markt betreibt. Allerdings sei das, was es zu beachten gebe, ja nichts Neues: „Dass sie negative Tests vorlegen müssen, kennen die Menschen vom Friseur – und viele meiner älteren Kunden dürften ohnehin schon zweimal geimpft sein. Und dass wir protokollieren müssen, wer wann unser Gast war, gab es ja auch schon.“ Insofern hoffe sie, dass die Vorgaben kein Problem seien. Außerdem biete das Markt-Café in Stadtallendorf für Kunden sogar Schnelltests an.

Allerdings wünsche sie sich dringend besseres Wetter, damit die Gäste beim Café-Besuch die Sonne genießen können. Schindler will übrigens erst am Donnerstag öffnen – also am Markttag, wenn in Stadtallendorfs Innenstadt etwas mehr Treiben herrscht als sonst. Den einen Tag gönnt sie sich noch – nach sieben Monaten Schließung. „So lange war ich noch nie zuhause. Anfangs war es ja mal ganz nett, aber jetzt freue ich mich sehr, wieder öffnen zu dürfen.“ Dann gibt es nicht nur wieder Sitzgelegenheiten draußen, sondern auch die Theke wird wieder geöffnet sein. Diese war in den vergangenen Monaten ebenfalls geschlossen geblieben: Ohne den Café-Betrieb hätte es sich nicht gelohnt, diesen Teil zu öffnen, erklärt die Stadtallendorferin.

Lockerungen Außengastronomie

Ab Mittwoch soll laut dem hessischen Sozialministerium für den Kreis Marburg-Biedenkopf die Stufe 1 gelten, die Lockerungen der Vorgaben durch die Bundesnotbremse enthält wie beispielsweise Erleichterungen beim Einkaufen oder Sporttreiben. Das Land Hessen will die strengen Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Virus bekanntlich in zwei Stufen zurückdrehen. Voraussetzung für Stufe 1, die jetzt in Kraft treten soll, ist, dass die Inzidenz in einem Landkreis an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 100 sinkt. Falls die Inzidenz danach weitere 14 aufeinanderfolgende Tage unter 100 liegt oder sobald sie fünf aufeinanderfolgende Tage unter 50 sinkt, tritt Öffnungsstufe 2 in Kraft.

Und das gilt nun für Stufe 1: Zwar ist weiterhin der Alkoholkonsum auf „publikumsträchtigen Plätzen“ außerhalb der Gastronomie verboten. Für die Gastronomie gelten hingegen folgende Regelungen: Die Außengastronomie ist mit tagesaktuellem Test und strengen Abstands- und Hygieneregeln erlaubt. Dazu zählen medizinische Maskenpflicht für Personal sowie Gäste bis zum Platz, ausreichend Tischabstände sowie die Tischregeln entsprechend Kontaktregel. Es herrschen eine Sitzplatzpflicht und Kontaktdatenerfassung, möglichst elektronisch und laut Ministerium gegebenenfalls eine Einschränkung der Öffnungszeiten.

In Stufe 2 wird dann für die Gastronomie draußen ein aktueller Corona-Test nur noch empfohlen, und die Innengastronomie könnte mit Auflagen wie beispielsweise einem aktuellen Test wieder geöffnet werden.

Fitnessstudios dürfen ebenfalls wieder öffnen. Jeder, der trainieren möchte, muss seine Kontaktdaten angeben, braucht einen Termin – und ab sofort auch einen negativen Schnelltest wie beim Friseur oder beim Betreten eines Einzelhandelgeschäftes. Warum die Neuregelung? Auf Nachfrage der OP erklärt Wolfgang Harms, ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums, das man in der ersten Stude ein zusätzliches Kriterium eingeführt habe. Es solle dazu beitragen, die Infektionszahlen im Griff zu behalten. Tritt die Stufe Zwei in Kraft, gibt es nur noch eine Empfehlung, sich vorher zu testen.

Von Manfred Hitzeroth, Florian Lerchbacher und Götz Schaub