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Marburg Emotionale Debatte über Antisemitismus
Marburg Emotionale Debatte über Antisemitismus
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21:00 25.05.2019
Eric Markert (AfD) sprach zum AfD-Antrag, sich gegen Antisemitismus zu engagieren. Dabei sagte er auch „egal aus welcher Richtung er kommt“. Foto: Thorsten Richter  Quelle: Eric Markert (AfD) sprach zum AfD-Antrag, sich gegen Antisemitismus zu engagieren. Dabei sagte er auch „egal aus welcher Richtung er kommt“. Foto: Thorsten Richter
Marburg

Sie sind gegen jegliche Form des Antisemitismus. Mehr als sagen können sie es nicht, man müsse es ihnen einfach glauben, so der Tenor der drei AfD-Redner Karl-Hermann Bolldorf, Eric Markert und Wilfried Kissel am Freitag während einer durchaus emotionalen Debatte über wachsenden Antisemitismus in Deutschland.

Wilfried Kissel ging sogar so weit, seine Haltung auch mit seinem persönlichen Glauben zu untermauern. Das beeindruckte durchaus, und Redner anderer Parteien machten auch deutlich, dass sie geneigt seien, ihnen zu glauben.

Schneider: "Dann sind Sie aber in der falschen Partei"

So auch Tomas Schneider von Bündnis 90 / Die Grünen. „Wenn dem so ist, wie Sie es ­sagen, dann sind Sie aber in der falschen Partei“, entgegnete er ihnen. Es müsse ihnen doch bewusst sein, welche Linie bedeutende Kräfte in der AfD fahren und vertreten. Bolldorf meinte­ dazu, dass sie nicht als Bundes-AfD agieren, sondern als ­eigenständige Kreistagsfraktion. CDU, SPD und auch die Grünen hatten sich im Vorfeld der Sitzung auf einen gemeinsamen Änderungsantrag geeinigt, um der AfD nicht bei dieser Thematik das Feld zu überlassen.

Dabei wurden schon Passagen aus dem AfD-Antrag mit übernommen, die auch völlig wertneutral formuliert waren. Allerdings bauten die drei Fraktionen noch einen Passus ein, der aufzeigt, dass antisemitische Äußerungen oder Verharmlosungen der Nationalsozialistischen Schreckensherrschaft wieder Einzug in das politische Leben Deutschlands gefunden haben.

Dabei werden als Beispiele Björn Höcke und ein Vorkommnis um eine Besuchergruppe von Alice Weidel im ehemaligen KZ Sachsenhausen genannt. Und genau diesen Passus wollte­ ein Teil der AfD-ler im Kreistag dann doch nicht mittragen, sehr wohl aber die übrigen vier Punkte des Änderungsantrags. Zwei enthielten sich bei dem besagten Passus. Die AfD hatte per Antrag darauf hinwirken wollen, dass der Kreis Zeichen gegen wachsenden Antisemitismus setzen solle.

AfD-ler Günter Schrantz zeigt Sören Bartol den Mittelfinger

Das nahmen die Koalition aus SPD und CDU sowie die Grünen dann in ihrem Änderungsantrag auf. Gerade vor dem Hintergrund des 70. Geburtstags des Grundgesetzes müsse klar sein, dass die Religionsfreiheit gewahrt sein muss. Für die SPD und CDU hatten Sebastian Sack und Werner Waßmuth sehr eindringlich deutlich gemacht, wie wichtig es ist, gegen jegliche Form von Antisemitismus vorzugehen. Und das fange schon bei Stammtischparolen an. FDP, „Die Linke“ und die Freien Wähler sowie die neue Fraktion ­„Piraten und Liberale“ stimmten dem Antrag von SPD, CDU und Grünen voll umfänglich zu. 

Nun, und dann gab es während der emotionalen Debatte­ auch noch ein anderes Vorkommnis. SPD-Mann Sören Bartol hatte sich mehrfach die Freiheit genommen, einen AfD-Redebeitrag mit Zwischenrufen zu kommentieren. Dies quittierte Günter Schrantz, der für die AfD im Kreisausschuss sitzt, mit der Mittelfinger-Geste. Die beiden sprachen sich nach der Sitzung aber wieder aus.

von Götz Schaub

Kreistagssplitter

Am Freitag gab es nicht nur eine neue Fraktion im Kreistag. Eine andere Fraktion verzeichnete zum zweiten Mal in dieser Legislaturperiode Zuwachs: Die Freien Wähler nahmen den ehemaligen CDU-Mann Werner Kattarius auf, der zuletzt als Fraktionsloser dem Kreistag angehörte.Damit stieg die Zahl der freien Bürger auf sieben, nachdem schon zuvor Raimund und Katrin Dittmann von der AfD dort eine neue politische Heimat gefunden hatten.