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Marburg Elterninitiative brechen Spendengelder weg
Marburg Elterninitiative brechen Spendengelder weg
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11:00 26.09.2020
Christina Pfeil (rechts) sammelte 8.000 Euro für die Elterninitiative. Marion Gründel freut sich. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Völlig überrascht war Marion Gründel, als Christina Pfeil in den Büroräumen der Elterninitiative krebs- und tumorkranker Kinder am Steinweg auftauchte. An Small Talk denkend begrüßte sie die Vogelsbergerin. Die war aus einem wichtigen Grund nach Marburg gekommen: „Ich habe 8 000 Euro für den Verein gesammelt“, berichtete sie der Koordinatorin. Der fiel die Kinnlade runter. „Echt?“, fragte sie ungläubig. „Das gibt es nicht. Du bist ein Schatz“, rief Marion Gründel und hätte Christina Pfeil am liebsten umarmt vor Freude.

Denn der Verein braucht dringend finanzielle Hilfe. „Uns sind viele Spenden aufgrund der Pandemie weggebrochen. Wir konnten ja keine Veranstaltungen durchführen“, erzählt die Vereinsmitarbeiterin. Die Aufgaben sind durch den Lockdown aber nicht weniger geworden. „Viele von den Familien waren sehr, sehr ängstlich. Ich habe in den vergangenen Monaten unzählige Nachrichten geschrieben und viel telefoniert. Noch mehr als sonst“, gibt Marion Gründel einen kleinen Einblick in die Vereinsarbeit. 30 Kinder werden derzeit von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen akut betreut. Zusätzlich kommen 20 Mädchen und Jungen hinzu, die zwar nicht mehr intensive, aber dennoch Zuwendung und Unterstützung brauchen.

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Christina Pfeil weiß um das aufopferungsvolle Engagement des Vereins. „Als mein Leben nach dem Lockdown wieder in normalen Bahnen lief, habe ich sofort an die Elterninitiative gedacht und angerufen“, berichtet sie. Von Karl Kreh erfuhr sie damals im April, dass dringend Masken benötigt wurden und schon die ersten Spenden weggebrochen waren. Sofort setzte sich die Eventmanagerin an die Nähmaschine und nähte 60 Masken für Kinder und Erwachsene. „Aber ich wollte noch mehr tun.“

Geld aus Erbe gespendet

Also startete sie eine Online-Spendenaktion. Doch auch wenn sie unterwegs war, sprach sie viele Leute an, die dann auch etwas spendeten. Wie beispielsweise die Leute, die sie bei einem Oldtimer-Treffen kennengelernt hatte, oder eine Frau, die Geld aus einem Erbe einem sozialen Zweck zuführen sollte.

Oder das Kellner-Ehepaar, das trotz Kurzarbeit einen Beitrag spendete, oder ein Bekannter, der zu seinem Geburtstag auf Geschenke verzichtete und stattdessen einfach ein Sparschwein aufstellte. „500 Euro sind dabei zusammengekommen. Wahnsinn! Manche Spender-Geschichten haben mich echt gerührt“, gibt Christina Pfeil zu. Auch der Lions-Club aus Frankenberg hat eine große Summe gespendet.

Nach fünf Monaten hatte sie 8 000 Euro zusammen. „Insgesamt sind 90 Einzelspenden eingegangen“, erzählt sie. In der Zeit hat sie unzählige E-Mails verschickt, stundenlang gechattet, telefoniert und viele persönliche Gespräche geführt. Und sie hat Folgendes festgestellt: „Die Spendenquittung ist nicht das Wichtigste. Die Leute wollen lieber wissen, wohin ihr Geld geht, wem damit geholfen wird.“ Derzeit sind es viele alleinerziehende Mütter mit einem krebskranken Kind. Aber es fließt auch Geld in zusätzliche Therapieangebote oder die individuelle Betreuung von Geschwisterkindern. Ein weiteres Angebot ist die neue Wohnung an der Eisenstraße, in der Angehörige die Zeit während einer Therapie verbringen können.

Von Katja Peters

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