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Marburg Eltern sind verärgert über Platzvergabe
Marburg Eltern sind verärgert über Platzvergabe
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00:18 18.05.2019
(Symbolfoto) Kinderbetreuung in Marburg ist ein Dauerthema bei vielen Familien. Laut ihrem Empfinden gibt es zu wenige Plätze und zu viele Kinder in der Stadt. Das verneint die Stadt. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Auf der Internetpräsenz der Stadt Marburg steht unter dem Schlagwort „Kinderbetreuung“: „Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche sind die Grundlage für die Vereinbarkeit von Beruf und ­Familie. [...] Für die städtischen ­Tageseinrichtungen können die Kinder beim Fachdienst Kinderbetreuung, Friedrichstraße­ 36, direkt in der ausgewählten Tageseinrichtung angemeldet werden. Die Platzzusage erfolgt über den Fachdienst Kinderbetreuung.“ Das hat eine Familie aus Cappel anders erlebt. In einem Brief an die OP schreibt sie: „Wir warten seit Ende März auf eine Kindergartenplatz-Zusage für August für unser dann dreijähriges Kind.“

Von der Stadt sei zugesichert worden, dass bis dahin eine schriftliche Benachrichtigung an die Eltern rausgeht. Jetzt ist Mitte Mai und die Eltern haben noch immer keinen Bescheid. „Die Entscheidung wurde wohl jetzt auf einen unbekannten Zeitraum verschoben. Von weiteren Rückfragen bei der Stadt sollen wir Eltern Abstand nehmen. Die zuständigen Leiterinnen der Kindergärten dürfen keine Auskunft geben“, schilderten die Eltern die derzeitige Situation. Für sie eine unhaltbare Situation: „An eine Planung bezüglich Arbeitszeiten, Eingewöhnung und so weiter ist nicht zu denken.“

HINTERGRUND

2017 hat die Marburger Stadtverordnetenversammlung beschlossen, ein digitalgestütztes und nutzerfreundliches Informationsportal für die Vergabe der Betreuungsplätze zu installieren. Damit verbunden wird ein zentrales ­Anmeldeverfahren eingeführt, um Mehrfachanmeldungen zu vermeiden und die Steuerung der Platzvergabe bedarfsgerechter, effektiver und transparenter zu gestalten. Das System soll 2020 in den Probebetrieb gehen. Bis dahin werden die bis zu 800 freien Plätze jedes Jahr „per Hand“ vergeben. Die Stadt investiert in diesem Jahr 36 Millionen Euro in Ausbau der Einrichtungen und neues Personal.

Offenbar besteht dieses Problem nicht nur in Cappel, sondern auch am Richtsberg und in Elnhausen. Für die Einrichtung dort haben „mindestens zwei Familien von Seiten der Stadt eine Absage für den Kindergartenplatz in Elnhausen bekommen. Eine Familie ist in Dilschhausen wohnhaft, die andere Familie wohnt direkt in Elnhausen, in Sichtweite zum Kindergarten“, erfuhr die OP auf Nachfrage beim Elternbeiratsmitglied Tobias Gerhard.

Für Eltern gibt es einen Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem ersten Lebensjahr. „Die Universitätsstadt hat den Anspruch, allen Eltern ein passgenaues und bedarfsgerechtes Angebot in der Kindertagesbetreuung anzubieten“, schrieb die Pressestelle auf eine OP-Anfrage und relativiert ein paar Sätze weiter: „Allerdings wird es nicht immer möglich sein, dass Wunscheinrichtung, gewünschter Betreuungsstart und Wohnortnähe in jedem Einzelfall übereinstimmen.“ Eltern aus Cappel müssen also in Kauf nehmen, ihr Kind täglich beispielsweise in die Stadtmitte oder in eine Einrichtung im Norden zu bringen. Allerdings: „Die Platzvergabe erfolgt zum Teil in sehr individuellen Beratungsgesprächen und mit viel Fingerspitzengefühl.“

Stadt garantiert Rechtsanspruch

Aktuell werden laut Informationen der Stadt fast 2 500 Betreuungsplätze bereitgestellt. Etwa ein Drittel, 700 bis 800 Plätze, werden zu Beginn jedes Kindergartenjahres neu belegt. „Die besondere Herausforderung dabei ist, dass sich viele Eltern bei mehreren Einrichtungen gleichzeitig um einen Betreuungsplatz bewerben. Deshalb muss aus der Gesamtheit der vorliegenden Anmeldungen erst einmal die Zahl der tatsächlich benötigten Plätze ermittelt werden“, informiert die Pressestelle und betont: „Gerade in den Stadtteilen Cappel und Richtsberg steigt die Nachfrage. Die Stadt geht davon aus, allen Eltern in einem vertretbaren Zeitraum einen Platz anbieten zu können.“

Das Empfinden der betroffenen Eltern ist aber ein anderes: „Das Verhältnis von freien Plätzen zu Kindern ist scheinbar sehr katastrophal“, schrieb die Familie aus Cappel und sie fragt sich: „Was bringen die geringen Kosten für die Kindergartenplätze, wenn es nicht für jedes Kind einen Platz gibt?“ Darauf hat die Stadt folgende Antwort: „Marburg ist auch weiterhin in der Lage, gesamtstädtisch die Sicherstellung des Rechtsanspruchs auf einen Kinderbetreuungsplatz zu garantieren.“ Aber eben zu den Bedingungen der Stadt und nicht ­immer nach den Wünschen der Eltern.

von Katja Peters