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Marburg Eltern müssen Luftreiniger abbauen
Marburg Eltern müssen Luftreiniger abbauen
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20:00 30.12.2021
Ein Luftfiltergerät steht in einem Fachraum eines Gymnasiums. (Themenfoto)
Ein Luftfiltergerät steht in einem Fachraum eines Gymnasiums. (Themenfoto) Quelle: Hauke-Christian Dittrich
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Marburg

Die Stadt Marburg hat in ihren Schulen Luftreinigungsgeräte abbauen lassen, die Eltern in Eigeninitiative aufgestellt hatten. Das hat Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD) in der Dezember-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung auf Anfrage des Abgeordneten Dietmar Göttling bestätigt.

„Trifft es zu, dass das städtische Schulamt Eltern aufgefordert hat, Luftreinigungsanlagen, die sie in Eigenregie an Gymnasien installiert hatten, wieder abzubauen?“, hatte Göttling gefragt. Der Kommunalpolitiker, der die Grünen-Fraktion aus Enttäuschung über den Vertrag der grün-rot-grünen Koalition verlassen hat, sitzt als „unabhängiger Grüner“ im Stadtparlament.

In ihrer Antwort schilderte Dinnebier zunächst ausführlich die Bemühungen der Stadt, für eine bessere Belüftung und damit besseren Corona-Infektionsschutz in den Klassenräumen zu sorgen. „Der Fachdienst Hochbau hat frühzeitig ein Lüftungskonzept für die städtischen Liegenschaften entwickelt“, erklärte die Stadträtin.

Dinnebier: Luftreiniger müssen Standards erfüllen

„Bereits im Sommer dieses Jahres hat der Magistrat die Entscheidung getroffen, über die Vorgaben des Umweltbundesamtes hinausgehend zusätzliche mobile Luftreinigungsgeräte für die Schulen anzuschaffen, um im Hinblick auf die vierte Welle weitere flankierende Schutzmaßnahmen zu ergreifen.“

Darüber habe der Magistrat die Schulen und die Elternvertretungen informiert. „Weitere 150 mobile Luftreinigungsgeräte wurden angeschafft und an die entsprechenden Schulen ausgeliefert, auch wenn für diese Schulräume keine Empfehlung des Umweltbundesamtes für ergänzende Maßnahmen besteht.“ Direkt daran schließt sich in ihrer Antwort der Satz an: „Daher trifft es zu, dass die in Eigenregie angeschafften Luftreinigungsgeräte abgebaut werden mussten.“ Zur Begründung erklärte Dinnebier weiter, die von der Stadt angeschafften mobilen Luftreinigungsgeräte entsprächen einem festgelegten technischen Standard. Die Hausmeisterinnen und Hausmeister würden diese Geräte warten und die Filter austauschen. „Hierzu haben die Hausmeisterinnen und Hausmeister eine gesonderte Schulung erhalten, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie mit kontaminiertem Filtermaterial in Kontakt kommen können“, heißt es im schriftlich vorliegenden Antworttext. Doch mit dieser Schulung sind die Hausmeisterinnen und Hausmeister offenbar nicht dafür qualifiziert, auch die von den Eltern installierten Geräte zu warten. „Weder die Wartung noch der Filterwechsel ist für die in Eigenregie angeschafften Geräte gewährleistet“, führte Dinnebier weiter aus. „Für die fremd angeschafften Geräte kann seitens der Stadt aus den genannten Gründen keine Haftung übernommen werden.“

Göttling: Vorgehen der Stadt sind „unverantwortlich“

Göttling findet die Antwort des Magistrats „völlig unzureichend“, wie er auf Anfrage der OP mitteilte. „Es ist unverantwortlich, dass in einer Pandemiesituation und bei stark steigenden Infektionszahlen bei Kindern nicht jede Möglichkeit genutzt wird, die Kinder zu schützen“, kritisierte Göttling. „Dass die Marburger Bürokratie in der Pandemie nicht flexibler reagieren kann und sich mit den besorgten Eltern ins Benehmen setzt, um das Problem zu lösen, ist abgehoben und völlig unverständlich.“ Offensichtlich seien an den Schulen nicht genügend Luftfilteranlagen vorhanden, sonst hätten die Eltern nicht zur Selbsthilfe gegriffen.

Es sei auch irreführend, dass die Stadt über die Vorgaben des Umweltbundesamtes hinaus Luftfilter angeschafft habe, widersprach Göttling. Die Behörde habe eindeutig ausgeführt, dass Lüften alleine gerade im Winter bei hohen Inzidenzen und sehr infektiösen Corona-Varianten nicht ausreiche.

Von Stefan Dietrich