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Marburg „Elisabethschrein“ reist durch Europa:
Marburg „Elisabethschrein“ reist durch Europa:
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08:47 29.02.2020
Noch bis Ostern ist die Lichtskulptur „Elisabethschrein“ von Philipp Schönborn in der Kirche St. Peter und Paul zu sehen.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Etwa 1,50 Meter lang, 50 Zentimeter hoch und 50 Zentimeter breit ist der „Elisabethschrein“ von Philipp Schönborn. Der Münchener Künstler will mit seiner Arbeit der heiligen Elisabeth von Thüringen ein leuchtendes Denkmal setzen. Das obere Bild zeigt das Foto eines Reliefs, das Schönborn von dem Grab der ungarischen Königstochter gemacht hat, die 1207 vermutlich im ungarischen Sárospatak geboren wurde und 1231 im Alter von nur 24 Jahren in Marburg starb.

Die Fotos an den Seitenteilen zeigen – stark verfremdet und auf die Farben fokussiert – die berühmten Elisabethfenster aus der Elisabethkirche. Die Maße des „Elisabethschreins“ entsprechen in etwa den Maßen ihres Sarkophags, sagte Ludger Paprotny, im Arbeitskreis Offene Kirche von St. Peter und Paul zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Die Maße belegen auch, dass die Menschen des Mittelalters deutlich kleiner waren als heute. Die Frauen dieser zeit waren durchschnittlich 1,54 Meter, Männer 1,66 Meter groß.

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Schon zu Lebzeiten wurde Elisabeth von Thüringen verehrt, weil sie sich in ihrem Verhalten deutlich von dem der Adligen ihrer Zeit abhob: Sie setzte sich intensiv für Arme und Kranke ein. Am 27. Mai 1235 wurde sie offiziell heilig gesprochen. Ihre Verehrung war enorm. Marburg wurde zum Wallfahrtsort.

Nach Marburg folgt Wetzlar

„Seit 2017 reist der „Elisabethschrein“ zu den Orten, an denen Elisabeth lebte oder an denen sie früh verehrt wurde. Die Reise begann am Elisabethfest 2017 im Dom zu Erfurt, wo 1235 ihre Heiligsprechung proklamiert wurde. Nach dem Naumburger Dom, der die älteste Steinskulptur der Heiligen besitzt, der Abteikirche Sayn, in der das Armreliquiar aufbewahrt wird, dem Wiener Stephansdom und der Wiener Deutschordenskirche wurde das Kunstwerk im Martinsdom von Bratislava, dem damaligen Preßburg, gezeigt, von dem aus Elisabeth als Vierjährige auf die Wartburg geschickt wurde“ so Paprotny.

Zuletzt habe das Kunstwerk in der Doppelkapelle der Neuenburg an der Unstrut gestanden, einer Burganlage, in der Elisabeths Aufenthalt urkundlich bezeugt sei. Bis Ostern bleibt es in St. Peter und Paul. Die nächste Station wird das Kloster Altenberg bei Wetzlar sein.

Das Kunstwerk steht schon seit „Marburg b(u)y night“ in der Kirche St. Peter und Paul. Die Kirchengemeinde plant nun Führungen – am Samstag um 14 Uhr und am Sonntag um 11.15 Uhr. Annette Philp, die Frau des in München lebenden Künstlers, wird den „Elisabethschrein“ vorstellen. Anni Röhrkohl führt Interessenten in die Krypta der Kirche St. Peter und Paul.

Reliquien in der Krypta

Dort werden, was selbst viele Marburger nicht wissen, Reliquien der Heiligen Elisabeth aufbewahrt: Ein Knochensplitter und ein Saumstück eines Gewandes, das die heilige Elisabeth getragen haben soll. Aufbewahrt werden sie in einem Reliquiar, einem kelchartigen Gefäß aus Bronze. Die Reliquien wurden St. Peter und Paul nach Auskunft von Ludger Prapotny 1959 zur Einweihung der Kirche geschenkt – vom damaligen Erzbischof Wiens.

Wo die Gebeine der Heiligen Elisabeth heute sind weiß man nicht. Philipp von Hessen ließ sie im Zuge der Reformation im Jahr 1539 entfernen, um ihrer Verehrung ein Ende zu setzen.

von Uwe Badouin

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