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Marburg Elisabethkirche wird heller und bunter
Marburg Elisabethkirche wird heller und bunter
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19:58 13.08.2021
Sanierung der Elisabethkirche Marburg: im hohen Chor ist bereits vor einigen Jahren ein Teil zum Test saniert worden.
Sanierung der Elisabethkirche Marburg: im hohen Chor ist bereits vor einigen Jahren ein Teil zum Test saniert worden. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Eine grundlegende Innensanierung der Marburger Elisabethkirche steht an. Sie beginnt im Frühjahr kommenden Jahres, erläuterte der evangelische Dekan Eckart zur Nieden der OP jetzt auf Anfrage. Die gesamte Innenschale der Kirche soll saniert werden. Das umfasst die Decken und Innenwände, aber auch die Stützpfeiler. Die Sanierung kostet nach Angaben von zur Nieden mehrere Millionen Euro, aber nicht mehr als zehn Millionen Euro. Für die Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten an den Wand- und Gewölbeflächen ist eine Bauzeit von drei Jahren eingeplant.

Die Elisabethkirche soll ihre ursprüngliche Farbigkeit zurück erhalten. Ziel ist es, das über die Jahrhunderte dunkler gewordene Gemäuer der im 13. Jahrhundert zu Ehren der Heiligen Elisabeth errichteten markanten Marburger Kirche wieder aufzuhellen. Zudem soll die Innenschicht auch wieder möglichst an den Originalzustand aus dem Mittelalter angenähert werden.

Zu diesem Zweck wurden umfangreiche Gutachten angefertigt. Klar ist nach dem Befund von zwei Expertenkommissionen mit internationaler Beteiligung in den Jahren 2015 und 2016: An den Wand- und Gewölbeflächen gab es einen rosafarbenen Sandsteinton mit aufgemaltem, weißem Fugennetz. Dieser ursprüngliche Zustand aus dem 13. Jahrhundert soll nun weitestgehend wieder hergestellt werden.

Es gab vier Testflächen in den Gewölbe- und Wandbereichen, an denen Vorschläge für die künftige Gestaltung ausprobiert wurden. Das Gesamt-Projekt ist eine Kooperation der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, der Elisabethkirchengemeinde in Marburg, des Landes Hessen (Landesbetrieb Bau und Immobilien in Hessen) und der Denkmalschutzbehörden.

Ursprünglich war es der Plan der Kirchen-Verantwortlichen gewesen, die dreijährige Phase der Innensanierung schon eher zu beginnen, so dass man dann im Jahr des Stadtjubiläums „Marburg 800“ im Jahr 2022 fertig gewesen wäre. Doch diese Planungen scheiterten letztendlich daran, dass die Finanzierung bis dato noch nicht gesichert war.

Doch jetzt gibt es endgültig prinzipiell grünes Licht für das Frühjahr 2022, weil das Geld im hessischen Landeshaushalt für die Sanierungsarbeiten nun eingestellt ist. Und so geht es eben im kommenden Jahr los.

Die Marburger Elisabethkirche ist als eine der größten hessischen Kirchen eine von vier Patronatskirchen in Hessen, die speziell unter dem Baupatronat der hessischen Landesregierung stehen, die für diese Kirchen eine Baulastverpflichtung hat. Dazu zählen auch noch der Dom in Limburg sowie der Fuldaer Dom und die Universitätskirche in Marburg.

Geschenk an Evangelische Kirche

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Land Hessen die zuvor noch im Landesbesitz befindliche Elisabethkirche der Evangelischen Kirche als Geschenk überlassen. Geregelt wurde das Ganze in einem Staatskirchenvertrag.

Damit verbunden ist die Zusage, dass das Land für die Erhaltung des baulichen Zustands der immobilen Teile der Kirche aufkommt, was vor allem mögliche Außen- und Innensanierungen umfasst. Ausdrücklich nicht mehr in der Zusage enthalten ist hingegen die Erhaltung der mobilen Teile wie der Kunstschätze der Elisabethkirche. Um diese zu restaurieren, hatte der Freundeskreis der Elisabethkirche zuletzt eine Spendenkampagne ins Leben gerufen.

Im Innenbereich sei die Elisabethkirche bei der letzten Sanierung im Jahr 1930 aus heutiger Sicht „verstümmelt“ worden, erläutert Dekan zur Nieden. Es sei damals der Plan gewesen, nach dem damaligen Stand der Denkmalpflege „die deutsche Gotik in aller Klarheit“ herauszuarbeiten. Das Ergebnis seien viele dunkle Flächen gewesen. Außerdem gibt es mehrere Schadstellen und Verschmutzungen aus den letzten fast 100 Jahren. Ausgehend von neuesten bauarchäologischen Forschungen soll bei der nun anstehenden Kirchensanierung versucht werden, möglichst die Urfassung in wesentlichen Teilen wiederherzustellen.

Beleuchtungskonzept

„Die Kirche wird heller“, erläutert Eckart zur Nieden. Und zudem soll sie bunter werden: Die Farben Blau, Grün und Gelb kommen wohl stärker zur Geltung als bisher. Allerdings soll es in der Elisabethkirche nicht so bunt werden wie in der Marburger Schlosskapelle, die vor einigen Jahren ebenfalls aufwändig im Innenbereich restauriert wurde. Nach OP-Informationen müssen insgesamt 8 400 Quadratmeter Wand-, Gewölbe- und Pfeilerflächen von den Restauratoren bearbeitet werden.

Rund 17 000 Kubikmeter Baugerüst werden auf- und abgebaut werden. Auch ein neues Beleuchtungskonzept gehört zum Sanierungspaket, wie der Dekan erläuterte. Details der Sanierungspläne sollen bei einer Pressekonferenz Anfang September vorgestellt werden.

Auch im Baubetrieb sollen Gottesdienste weiter ermöglicht werden. Allerdings wird es Einschränkungen von Touristen und Kirchenbesucher geben, weil nicht mehr alle Kirchenabschnitte besichtigt werden können. Unterschiedliche Teilbereiche der Kirche werden im Inneren nacheinander eingerüstet werden. Der Start wird wohl im Bereich des Landgrafenchors erfolgen.  

Von Manfred Hitzeroth