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Marburg Elisabethbrunnen liegt in Cappel
Marburg Elisabethbrunnen liegt in Cappel
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12:00 30.10.2019
Der Elisabethbrunnen bei Schröck liegt eindeutig in der Gemarkung Cappel. Die Grenze zur Gemarkung Schröck verläuft größtenteils entlang der Landesstraße 3289 (Zum Elisabethbrunnen). Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Auf der Höhe des Brunnengebäudes reicht die Gemarkung Cappel an dieser Stelle direkt bis an die Straße „Zum Elisabethbrunnen“ (L 3289) heran. Cappeler Gebiet liegt hier von Marburg aus kommend rechts der Straße und Schröck links.

Zwar verläuft die Gemarkungsgrenze danach von der Straße ab leicht gezackt auf das Brunnenareal und den Brunnen zu, aber der Abstand bis zum Brunnen selbst beträgt von überall her mindestens 70 bis 90 Meter. Es handelt sich demnach also eigentlich um ein Cappeler Bauwerk.

Das Amt für Bodenmanagement Marburg bestätigte auf Anfrage der OP diesen Gemarkungsverlauf und stellte eine Abbildung mit den offiziellen Gemarkungsgrenzen zur Verfügung. Mit der Lage des Elisabethbrunnens hatte Mitarbeiter Wolfgang Panz sich aber noch nie beschäftigt und zeigte sich deshalb wie alle von der OP in einer Spontanumfrage befragten Marburger überrascht.

Kolpingsfamilie pflegt Brunnenanlage 

Schröcks Ortsvorsteher Uwe Heuser wies allerdings auf OP-Anfrage sofort auf die Landesstraße 3289 als ungefähre Grenzlinie hin: „Die ehemalige Dorfkneipe ‚Schröcker Brunnen’ auf der anderen Straßenseite liegt in Schröck und der Elisabethbrunnen gegenüber in Cappel. Aber mit ziemlicher Sicherheit ist das den Schröckern gar nicht so bewusst“, vermutete er, denn diese sähen das gesamte Gebiet eher als eine Einheit.

So pflegt beispielsweise auch die Kolpingsfamilie Schröck das Brunnenareal, übrigens bereits seit 1987, wie die für die Bauunterhaltung zuständige hessische Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten der OP auf Anfrage mitteilte.
Jetzt im November stehe es beispielsweise wie jedes Jahr an, in einer gemeinsamen Aktion das viele Laub von dem Gelände zu entfernen, erzählte Gerhard Fischer, stellvertretender Vorsitzender der Kolpingsfamilie Schröck, im Gespräch mit der OP.

Fischer ist sich selbst aber dessen bewusst, dass die von ihm und seinen Vereinskollegen gepflegte Brunnenanlage gar nicht mehr zur Schröcker Gemarkung gehört. „Ich habe als alter Feuerwehrmann sogar mal einen Kollegen gerügt, weil der bei einem Brand dort oben (beim Brunnenareal) als Schröcker den Cappelern das Feuer ausgemacht hat“, erzählte Fischer und setzte sofort hinzu, dass die Rüge natürlich scherzhaft gemeint war.

"Viele der heutigen Cappler wissen es nicht"

Außerdem ist Fischer überzeugt: „Die älteren Schröcker wissen das alle“, denn der Cappeler Wald habe nicht nur ganz früher als „Hutewald“ für die Schweinemast eine Rolle gespielt, sondern auch noch für das Holzsammeln bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hinein.

Der ehemalige Cappeler Ortsvorsteher Heinz Wahlers wusste auf OP-Anfrage zu berichten, dass Cappel erst 1929 im Rahmen der Auflösung der Gutsbezirke in Preußen überraschend zu dem 1596 errichteten Elisabethbrunnen und überhaupt zu einer riesengroßen Gemarkung der Gemeinde gekommen sei.

Eine Art Gebietsreform also, die aber kaum praktische Auswirkungen gehabt habe, da das Eigentumsrecht beim Land und nicht bei der Gemeinde gelegen habe (Gemarkung Cappel im Staatsbesitz des Landes Hessen). Deshalb sei der Fakt auch nicht besonders tief im Bewusstsein der Cappeler verankert, so Wahlers. Er glaubt: „Viele der heutigen Cappeler wissen es nicht“.

von Kristina Lieschke