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Marburg Eisenach erinnert an Luther und Elisabeth
Marburg Eisenach erinnert an Luther und Elisabeth
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14:58 05.04.2021
Vor 500 Jahren übersetzte Martin Luther auf der Eisenacher Wartburg die Bibel. Das Foto zeigt einen Luther-Darsteller in der Schreibstube auf der Wartburg.
Vor 500 Jahren übersetzte Martin Luther auf der Eisenacher Wartburg die Bibel. Das Foto zeigt einen Luther-Darsteller in der Schreibstube auf der Wartburg. Quelle: MDR Thüringen
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Eisenach

500 Jahre Bibelübersetzung durch Martin Luther und die Heirat des Thüringer Landgrafen Ludwig IV. mit der ungarischen Königstochter Elisabeth vor 800 Jahren in der Eisenacher Georgenkirche, die die letzten drei Jahre ihres kurzen Lebens (1207 – 1231) in Marburg verbrachte und 1235 heiliggesprochen wurde.

Reichsacht und Kirchenbann

Am 4. Mai 1521 wurde der mit Reichsacht und dem Kirchenbann belegte Reformator nach einem vermeintlichen Überfall zum Schein auf die damals schon eher bedeutungslose Wartburg „entführt“. In nur zehn Wochen übersetzte er dort das Neue Testament aus dem Hebräischen und Griechischen in eine deutsche Hochsprache und schuf so die Voraussetzung für eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Das Neue Testaments wurde 1522 in Wittenberg veröffentlicht.

An das Hochzeitsjubiläum von Elisabeth von Thüringen erinnern Sonderausstellungen und andere Veranstaltungen unter dem Titel „Nun aber seid ihr Licht. Elisabeth“ in der Predigerkirche des Thüringer Museums Eisenach. Die erste hat der international renommierte Lichtkünstler Philipp Geist entwickelt. Sein begehbarer Lichtraum in der Predigerkirche soll – sofern es die Corona-Pandemie zulässt – bis Ende Juli für Besucher geöffnet werden. Die am vergangenen Samstag geplante Ausstellungseröffnung wurde bereits auf einen späteren Zeitpunkt verlegt, da die Museen wegen der Pandemie geschlossen sind. „Eisenach war Elisabeths Lebensmittelpunkt und ihre Wirkungsstätte. Deshalb wollen wir uns als Erinnerungsort etablieren“, erklärte Eisenachs Kulturdezernent Ingo Wachtmeister. Sobald die Museen wieder öffnen können, gelten bis zum Jahresende in der Predigerkirche erweiterte Öffnungszeiten. Mittwochs bis sonntags und an Feiertagen ist dann von 10 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. „Die Lichtkunst-Installation setzt sich aus malerischen und integrierten Bildelementen ausgewählter Kunstwerke zusammen, die digital bearbeitet worden sind“, sagte der Künstler über seinen Lichtraum.

Zwei Jahre lang erinnert Eisenach in diesem und im kommenden Jahr an 500 Jahre Bibelübersetzung. Von Kaiser und Kirche geächtet, versteckte sich Martin Luther fast ein Jahr auf der Wartburg bei Eisenach in Thüringen. Dort vollbrachte er seine wohl schöpferischste Leistung: die Übersetzung des Neuen Testaments. Unterstützt wird der Veranstaltungsreigen von der Thüringer Staatskanzlei und dem Bundesministerium für Kultur. Die Veranstaltungen 2022 sind zudem Teil des Thüringer Themenjahres „Welt übersetzen“.

„Die Reformation ist Teil der DNA der Stadt. Aber Eisenach begreift sich auch als Stadt der Ökumene“, betont Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf. „Die historischen Ereignisse haben hier in unserer Region stattgefunden“, erklärt der Landrat des Wartburgkreises Reinhard Krebs, der zugleich Vorsitzender des Aktionsnetzwerks Luther-Region ist. Auch den Einheimischen werde durch das Doppeljubiläum deutlich, „vor welchem bedeutsamen historischen Hintergrund wir hier leben“.

Unter anderem sind folgende Ausstellungen und Projekte geplant:

Vom 4. Mai bis 31. Oktober 2021 ist auf der Wartburg die Ausstellung „Luther im Exil. Wartburgalltag 1521“ zu sehen. Die Ausstellung soll zeigen, wie es Martin Luther in seinem Exil auf der Wartburg erging und wie die Menschen im frühen 16. Jahrhundert lebten.

Im Innenhof des Lutherhauses ist die Skulptur „man in a cube“ des chinesischen Starkünstlers Ai Weiwei zu sehen, die sich mit dem Werk und Wirken Martin Luthers, insbesondere der Kraft seiner Sprache und Ideen, auseinandersetzt.

Zwiesprache mit der Bibel

Das Bachhaus Eisenach präsentiert bis zum 7. November 2021 „Bachs Bibel“ – es ist eine Sonderausstellung zur Bedeutung und zur Wirkungsgeschichte von Bachs Kirchenkantaten.

Im August 2021 startet das Wartburg-Experiment „Zwiesprache mit der Lutherbibel“. Bis November soll auf der Wartburg wieder Bibel „übersetzt“ werden. Die Grimme-Preisträgerin Thea Dorn, der Georg-Büchner-Preisträger Martin Mosebach und der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger Senthuran Varatharajah wagen ein Experiment: An authentischer Stätte direkt neben Luthers Schreibstube residieren sie für jeweils vier Wochen auf der Wartburg. Dort führen sie einen inneren Dialog mit Luthers Bibel und verfassen jeweils einen literarischen Text. Ihre Ergebnisse werden veröffentlicht.

Vom 27. bis 31. Oktober 2021 findet in der Georgenkirche das Bachfest statt. Unter dem Titel „Der 5. Evangelist – Bach und die Bibel“ stehen unter anderem Orgel- und Orchesterkonzerte sowie Vorträge auf dem Programm.

Und im Herbst 2021 erobern mit Studierenden der Kunstakademie Münster den öffentlichen Raum – skulptural, audiovisuell oder performativ. Das Jubiläumsprogramm 500 Jahre Bibelübersetzung wird 2022 fortgesetzt.

Eisenach ist seit 1988 eine der sechs Partnerstädte Marburgs. Die Partnerschaft wurde ein Jahr vor dem Mauerfall begründet und wird bis heute gepflegt.

Von Uwe Badouin

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