Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Ortsbeiräte watschen Waldwegbau ab
Marburg Ortsbeiräte watschen Waldwegbau ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:01 04.07.2018
Die Mitglieder des Ortsbeirats Bauerbach, Theodor Gölzhäuser (von links) Heidemarie Häde, Gerhard Dziehel (Ortsvorsteher Waldtal), Bettina Böhm, Beate Abè, Matthias Range, Carsten Nebel und Ortsvorsteher Lothar Böttner. Quelle: Ina Tannert
Bauerbach

Der Plan von Hessen Forst rund um den Wegebau auf der Waldtalstraße sorgt weiter für Protest – nun melden sich die Ortsbeiräte aus Bauerbach und Waldtal geschlossen zu Wort und fordern einen sofortigen Planungsstopp.

„Wir sind gegen den Rückbau und fordern den dauerhaften Erhalt des asphaltierten Wander- und Radweges“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die während der gestrigen Sitzung formuliert wurde.

Die zwei Stadtteile bilden mit Ginseldorf quasi ein Dreieck, in dessen Zentrum das Wegenetz verläuft. Und das sehen die Ortsvertreter in Gefahr. Zumal in Marburg, einer Stadt, die für flächendeckenden Radverkehr werbe, „überall werden Radwege ausgebaut, nur hier werden sie zurückgebaut“, kritisierte unter anderem Matthias Range vom Ortsbeirat Bauerbach.

Gemeinsam mit Gerhard Dziehel, Ortsvorsteher vom Waldtal, fordert das Gremium Hessen Forst auf, das Vorhaben „sofort zu stoppen“. Ein Vertreter aus Ginseldorf konnte gestern nicht anwesend sein – das Thema sei im Ortsbeirat noch nicht genauer thematisiert worden, teilte der stellvertretende Ortsvorsteher Dr. Harald Reitze mit, daher könne das Gremium noch keine Stellung beziehen.

Nachbarn sehen Pläne mit Sorge

Die Nachbarn sehen die Pläne dagegen mit Sorge: Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke plant, ab August neue Wasserleitungen zwischen Waldtal und Bauerbach zu verlegen (OP berichtete). Das will Hessen Forst im Anschluss für einen umfangreichen Wiederaufbau der landeseigenen Wege nutzen, nur mit einer Schotterschicht statt der bisherigen Asphaltdecke.

Letztere wollen die Ortsbeiräte jedoch erhalten beziehungsweise nach den Kanalarbeiten wieder haben, zugunsten des Wander- und Radverkehrs zwischen den Stadtteilen, der Vorrang habe, finden die Mitglieder, die noch einen drauf setzen: Sie haben darüber hinaus den Verdacht, dass Radverkehr und andere private Nutzer mit der Maßnahme gezielt aus den Wäldern herausgedrängt werden sollen.

Dies, indem man die Strecke unbequem gestalte und asphaltierte Radwege langfristig um die Wälder herum führt, „der Wald wird ja vor allem kommerziell genutzt“, sagte Beate Abè vom Ortsbeirat Bauerbach.

„Wollen niemanden aus dem Wald aussperren“

Den Verdacht dementiert Hessen Forst, „wir wollen niemanden aus dem Wald aussperren, wir setzen hier nur ökologische Standards und pflege- und kostengünstigere Wege um“, betont Bernd Wegener, Leiter des Forstamts Kirchhain.

Die Waldtalstraße sei zwar ein wichtiger Weg für die Forstwirtschaft, aber auch privat frei nutzbar, „der Weg kann schon kraft Waldgesetz für die Naherholung genutzt werden“.

Laut Hessen Forst sei er dennoch nicht Teil des Radwegenetzes, „es ist kein offizieller Fahrradweg, sondern letztlich ein ganz normaler Waldweg ohne erhöhte Verkehrssicherungspflicht“, sagt Wegener. Dabei dennoch gut nutzbar, auch mit der geplanten Schotterschicht, wenn auch „natürlich nicht ganz so gut befahrbar wie ein Asphaltweg, aber es ist nicht so, dass man da nicht mehr hoch oder runter kommt“.

Laut der Ortsbeiräte schränke­ der geplante Rückbau jedoch Radler und gerade ältere Nutzer ein und verdränge den nicht-motorisierten Verkehr aus dem Wald, was wiederum zu einer­ erhöhten Unfallgefahr mit ­anderen Verkehrsteilnehmern führen könnte.
Um weitere Unterstützung für ihre Forderung zu finden, wollen sich Bauerbach und Waldtal demnächst gezielt an Stadt, Landkreis und Landesbehörden wenden, um die Baupläne noch aufzuhalten. Für die läuft aktuell noch das Ausschreibungsverfahren für den ersten größeren Bauabschnitt.