Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg B3-Tunnel statt Lärmschutz-Mauer?
Marburg B3-Tunnel statt Lärmschutz-Mauer?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:58 18.11.2019
Bei der Zukunft der Stadtautobahn konkurrieren Lärmschutz-Mauer und ein Tunnel-Bau.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

In diese Idee ist so viel Gehirnschmalz geflossen. Bei den großen Chancen, die ein Tunnel für Verkehr und Wohnen bietet, kann man das nicht einfach liegen lassen“, sagt ­Gerhard Haberle, sowohl Teil der LokalenAgenda-Gruppe­ als auch Beteiligungsbeirats-Mitglied im OP-Gespräch. In dem Gremium wirbt er dafür, dass das Großprojekt „im Sinne des Allgemeininteresses“ vorangetrieben, von der Verwaltung auf die Vorhabenliste gesetzt wird.

Konkret: Die Machbarkeitsstudie, die Fachuntersuchung, ob und wie ein Stadtautobahn-Tunnel zwischen etwa Höhe Aquamar und bis zum Hauptbahnhof gebaut werden könnte. Fachliche Vorarbeit dazu wurde bereits im Jahr 2012 durch Studentenarbeiten der Technischen Hochschule Mittelhessen geleistet.

Und die nun bevorstehende Realisierung des Riederwaldtunnels in Frankfurt zeige laut Agenda-Gruppe, dass entsprechende Bauwerke möglich sind – es werde für Marburg Zeit, den nächsten Schritt für eine Aufnahme des B3-Tunnels in den Bundesverkehrswegeplan zu gehen. „Andere machen uns vor, wie es geht.

Wenn man will, kommt man auch voran“, sagt Haberle. Die Tunnel-Befürworter befürchten im Fall des Baus einer Lärmschutz-Mauer – wie das hessische Verkehrsministerium es entlang der Bahngleise auf bis zu 3,7 Kilometern für möglich hält – „faktische Festlegungen gegen eine Einhausung der B3a“.

Politik soll „Umsetzung einfordern“

Ein Tempolimit von 80 / 60, wie es ein neuer von SPD-Bundespolitiker Sören Bartol initiierter Verkehrsversuch ermöglichen könnte, würde zudem den städtebaulichen Aspekt ausblenden. Heißt: Die angedachte Entstehung eines Wohn- und Freizeitgebiets über der Schnell-
 straße käme man mit der ­Geschwindigkeits-Begrenzung nicht näher.

Am mangelnden kommunalpolitischen Willen für einen Tunnelbau liegt der Stillstand nicht, das Stadtparlament hat sich bereits vor sechs Jahren dafür ausgesprochen. Nach vielen Jahren ohne Fortschritt sollten die Stadtverordneten laut Agenda-Gruppe beim Magistrat nun die „Umsetzung des Tunnels, der nötigen Studie einfordern“. Bis heute hängt es am Geld, der angestrebten Finanzierungs-Aufteilung: 120 000 Euro sind veranschlagt, die Stadt verlangt vom Land, die Hälfte davon zu übernehmen. Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) hatte zuletzt nur 20 000 Euro Kostenbeteiligung in Aussicht gestellt, der Bund hält sich ganz raus.

100 Millionen Euro für Einhausung

Für eine Einhausung des Stadtautobahn-Abschnitts gibt es auch Kosten-Richtwerte: Der Bau würde wohl mindestens 100 Millionen Euro kosten. Das geht aus der Kostenveröffentlichung für den bereits Ende 2014 fertiggestellten Autobahnausbau im osthessischen Neuhof hervor. Dort ist, auf einem 3,5 Kilometer langen Abschnitt der A66, für 118 Millionen Euro auch ein 1,6 Kilometer langer und somit ähnlich dimensionierter Tunnel wie in Marburg gebaut worden.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) räumte dem Marburg-Tunnel zuletzt jedoch grundsätzlich „sehr wenig Chancen auf eine Realisierung“ ein. Für den Bund, der für die Umsetzung eines solchen Projekts die vielen Millionen Euro bezahlen müsste, „gibt es überhaupt keinen Anlass, das zu tun“, sagte Spies schon vergangenes Jahr mit Verweis auf die intakte Infrastruktur an der B3a, etwa die Betonbrücken.

Und: Selbst Projekte, die auf der Vorhabenliste – auf die Haberle die B3a-Studie über den Beteiligungsbeirat gesetzt wissen will – stehen, werden laut OB nicht zwingend umgesetzt.

von Björn Wisker