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Marburg Einfach die Angst voreinander überwinden
Marburg Einfach die Angst voreinander überwinden
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09:56 30.10.2020
Lena Kießling bewegt die Puppe Jona, die vor dem Schlafengehen noch im Kinderzimmer sehr kreativ spielt. Quelle: Musica Europa
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Marburg

Mit der Dunkelheit ist es für viele Kinder immer so eine Sache. Vor allem im eigenen Zimmer, in dem man gewöhnlicherweise auch schläft. Da passieren ja nachts die unglaublichsten Sachen, da kann eigentlich jeder Erwachsene Geschichten aus seiner Kindheit erzählen.

Das Figuren-Musik-Theater „Das kleine Dunkel“, aus der Feder von vier an der Produktion beteiligten Personen von „musica europa“, macht die Angst der Kinder im dunklen Kinderzimmer zum Thema mit einer klaren Botschaft: Das Dunkel hat auch Angst im Zimmer, nämlich vor Helligkeit.

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Und dieser Helligkeit wird es mehrfach in der Nacht ausgesetzt, wenn nämlich das Kind aus Angst vor dem Dunklen das Licht anmacht. Was liegt da näher als sich anzunähern? Dafür muss aber erst einmal Verständnis füreinander geschaffen werden.

Um das darzustellen, haben die vier Autoren Lena Kießling als Führerin der Puppe Jona und des kleinen Dunkels, Cellist Matthias Boutros, Julia Rautenhaus zuständig für die Ausstattung, Enke Eisenberg verantwortlich für die Regie und Theaterpädagogin Lara Pascholdals einen Ansatz ausgesucht, der das Mitdenken des Zuschauers erfordert. Und das ist beim Anspruch, ein Theater für Interessierte ab 3 Jahren zu bieten, echt ein Pfund.

Cellist macht nicht nur Musik

Das beginnt damit, dass überhaupt nichts gesprochen wird. Es gibt keine Einleitung, keine Vorstellung. Wer den Flyer zum Stück nicht gelesen hat, kennt noch nicht einmal den Namen der Puppe. Der Betrachter muss sich also nicht nur die Person der Puppe, sondern auch den Raum und das Thema langsam erschließen. Kindgerecht wird die Umsetzung sicher als das kleine Dunkel ins Spiel kommt, denn auch das wird von Lena Kießling bewegt, so dass immer nur eine Figur agiert, entweder die Puppe Jona oder eben das kleine Dunkel unter dem Bett.

So können sich die Kinder immer auf einen Akteur konzentrieren und genau verfolgen, was passiert. Unterstützt werden die Aktionen der beiden, insbesondere vom kleinen schnell sympathisch werdenden Dunkel von einem vielseitigen Spiel des Cellisten Matthias Boutros. Dieser holt alle möglichen die Handlung unterstützenden Geräusche aus seinem Instrument heraus. 15 Zuschauer quittierten das kindgerechte 45-Minuten-Spiel mit einem guten Applaus.

Das Stück ist noch einmal in der Waggonhalle am Sonntag, 1. November, um 11 Uhr und um 15 Uhr zu sehen.

Von Götz Schaub

30.10.2020