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Marburg Eine Saison nur Aschermittwoch pur
Marburg Eine Saison nur Aschermittwoch pur
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11:11 11.11.2020
Die Marburger Karnevalisten Mandy Braun (von links), Markus Braun, Anna-Lena Schäfer, Lars Küllmer und Dominique Loos halten vor dem Marburger Rathaus Schilder mit der Aufschrift „Am 11.11. tanze ich nicht! Weil es dein Leben schützt“. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Der 11.11. ist ein Datum, das üblicherweise von allen Karnevalisten lang herbeigesehnt wird. Denn schließlich wird an diesem Tag traditionsgemäß der Start in die fünfte Jahreszeit gefeiert.

Doch die derzeit in weiten Teilen der Gesellschaft geltende Maskenpflicht hat nichts mit einer Pflicht zu tun, eine Karnevalsmaske zu tragen. Die Corona-Situation hat vielmehr zur kompletten Absage des Karnevals auch in Marburg geführt.

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Keine Weiberfastnacht, keine Rathauserstürmung, kein Rosenmontagsumzug. Sozusagen Aschermittwoch pur. „Unsere geliebte fünfte Jahreszeit wurde abgesagt“, macht der Marburger Karnevalspräsident Markus Braun im Gespräch mit der OP deutlich. „Wir sind mehr als traurig und können uns ein Jahr ohne die Marburger Fastnacht kaum vorstellen“.

Was das für die organisierten Närrinnen und Narren bedeutet, erzählt Markus Braun: „Es wird eine ruhige Zeit ohne Konfetti, Helau und Spaß. Ein Jahr ohne unsere Freunde, ohne Musik, ohne Tanz“. Dennoch macht der Karnevalspräsident auch klar: „Die Stimmung lassen wir uns aber nicht vermiesen. Wir wollen heute am 11.11. lustig sein.“

Prinzenpaar offiziell noch im Amt

Allerdings können die aktiven Karnevalisten sich an diesem Mittwoch weder auf einer öffentlichen Karnevalssitzung noch im privaten Partykeller gemeinsam treffen. Ein wenig närrische Stimmung wird es vielleicht trotzdem online geben. „Vielleicht ist etwas übers Handy möglich. Jeder hängt sich zu Hause ein paar Luftschlangen auf und dann schalten wir uns um 20.11 Uhr zusammen“, meint der Karnevalspräsident.

Das bisher einzige Mal in der Geschichte des Marburger Karnevals, dass eine Saison ausfiel, war nach der Erinnerung von Markus Braun im Jahr 1991 wegen des Golfkriegs, als ab dem Januar alle Veranstaltungen abgesagt wurden. Weil die aktuelle Kampagne jetzt sogar komplett ins Wasser fällt, bleibt aber auch das amtierende Prinzenpaar, Toni I. und Laura I., im Amt.

Bis Ende Oktober noch trainiert

Prinz und Prinzessin sind aber gewissermaßen außer Dienst, wie Braun betont. Wenn die Corona-Lage es Ende kommenden Jahres zulässt, dann werden Toni I. und Laura I. erst dann endgültig verabschiedet. Die Nachfolger waren sogar schon gefunden worden, doch jetzt müssen sie bis zum kommenden Jahr warten, um ihr hohes Karnevalsamt in Marburg anzutreten.

Eine ganze Saison keine Auftritte: So sieht die Lage momentan für die Gardetanzgruppen aus. Zumindest die Tanzgarden des FMK haben aber zuletzt bis zum aktuellen „Lockdown“-Verbot durchgehend trainiert und sogar neue Gardetänze trainiert. Denn bis vor einigen Wochen, bis zur endgültigen Absage hatten die Karnevalsmacher zumindest gehofft, noch einen kleinen Teil der Saison retten zu können.

Doch selbst interne Auftritte im kleinsten Kreis stehen derzeit noch in den Sternen. Markus Braun hofft, dass die acht Neuzugänge für die mittlerweile 18 Tänzerinnen umfassende FMK-Tanzgarde auch trotz des Ausfalls einer ganzen Saison weiter bei der Stange bleiben und nicht abwandern. „Unsere Trainerinnen versuchen, sie zu motivieren“, erzählt er.

Von Manfred Hitzeroth