Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Eine eigene Gastro-Liefer-App für Marburg
Marburg Eine eigene Gastro-Liefer-App für Marburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:58 12.03.2021
Lorenz Schaible (links) und Jonas Gerke haben die App „LieferMa“ entwickelt – im ersten Schritt zunächst für die heimischen Gastronomen in Marburg.
Lorenz Schaible (links) und Jonas Gerke haben die App „LieferMa“ entwickelt – im ersten Schritt zunächst für die heimischen Gastronomen in Marburg. Quelle: Andreas Schmidt
Anzeige
Marburg

Die Gastronomie hat aufgrund der Corona-Pandemie immer noch geschlossen. Immerhin: Zahlreiche Restaurants bieten ihre Speisen zum Abholen an – oder liefern gar aus. Dabei setzen sie häufig auf den Dienst „Lieferando“.

Doch zahlreiche Gastronomen sind damit unzufrieden: Lieferando sei von den Provisionen mit 13 Prozent relativ teuer, außerdem benötige das Unternehmen zu lange, um beispielsweise auf Änderungswünsche zu reagieren – und es würde mitunter mehrere Wochen dauern, bis Betriebe eingetragen seien (die OP berichtete).

Die Gründer Lorenz Schaible und Jonas Gerke

Diese Klagen kamen auch den Gründern Lorenz Schaible (22) und Jonas Gerke (21) zu Ohren. Beide haben bereits Agenturen – während Schaible sich mit seinem „Mellow Studio“ gemeinsam mit einem Partner auf Webentwicklung und Grafik-Design spezialisiert hat, ist Gerke mit „Videmotion“, ebenfalls mit einem Partner, in der Video- und Sound-Produktion tätig.

Doch wie haben die beiden sich kennengelernt? „Über einen gemeinsamen Freundeskreis beim Bier in der Stadt“, sagt Jonas Gerke. Und: Beide haben mit ihren Agenturen auch Gastro-Kunden. „Da haben wir während des ersten Lockdowns relativ viel mitbekommen. Die Restaurants mussten sich neu aufstellen, haben sich über’s Liefern Gedanken gemacht – und uns gefragt, ob wir nicht eine Lösung hätten.“

Gründung erfolgte im April 2020

Schaible fragte nach, warum die Gastronomen eben nicht auf den Riesen-Player Lieferando setzen würden, „eine bestehende Plattform – das müsste doch eigentlich interessant sein“. Doch dann berichteten die Wirte von den oben genannten Problemen, „das war mir alles nicht bewusst“, so Schaible. Am nächsten Tag fragte er seinen Mitbewohner, ob Marburg eine eigene Lieferservice-App hätte. „Der sagte, das müsse ich unbedingt machen“, erinnert sich Schaible.

Also rief er einige Freunde an, „und Jonas ist rangegangen“, sagt Lorenz Schaible. Die beiden trafen sich zum Brainstormen, entwickelten Ideen – und gründeten im April vergangenen Jahres eine eigene Firma. „LieferMa“ war geboren. Schaible sagt: „Wir wissen, dass es schon etablierte Global Player in dieser Sparte gibt. Uns geht es nicht darum, ein Konkurrent für diese Unternehmen zu werden, aber wir wollen Marburg eine Alternative bieten, die in Kosten und Bedienung um einiges attraktiver ist und da weitermacht, wo die großen Unternehmen aufhören.“

Geld soll an den Gastronomen gehen

Doch der Weg dahin war steinig. „Wir haben ewig lange erst einmal analysiert, was denn das Problem der großen Anbieter ist“, erzählt Jonas Gerke. Und dann ging es an die Umsetzung: Gibt es vielleicht ein Baukasten-System, mit dem sich die Anforderungen von „LieferMa“ umsetzen lassen? „Gibt es nicht“, fasst Gerke zusammen. „Denn es soll ja alles hochgradig flexibel und anpassbar sein. Und außerdem: Wenn Lorenz nicht alles selbst designen kann, dann kriegt er ’nen Kinski“, sagt er lachend.

Ziel der Gründer: Erst mit der App online gehen, „wenn wir das, was die etablierten Player nicht können, besser machen“. Das war mit einem Baukasten-System nicht möglich, „denn unsere Ideen wurden immer mehr“. Zum Beispiel: „Wenn ein Restaurant per Lieferando etwas ausliefern lässt, zahlt der Kunde an den Lieferdienst – und der behält das Geld 14 Tage, bevor er es überweist.“ Der Gastronom erhält das Geld also sehr spät, muss aber dennoch Waren einkaufen.

Provision liegt bei acht Prozent

„Wir wollten, dass das Geld von allen Zahlungsmitteln – Cash, Paypal oder Kartenzahlung – direkt ans Restaurant geht.“ Dafür gebe es keine fertige Lösung. Und: Lorenz Schaible musste feststellen, „dass Web-Entwicklung und App-Entwicklung doch etwas ganz anderes sind“. Zum Glück stellte ein weiterer Bekannter den Kontakt zu einem Programmierer in Gießen her. Die Lösung des Bezahlproblems sieht nun so aus: Die Zahlung geht direkt ans Restaurant – und „LieferMa“ bekommt seine Provision in Höhe von acht Prozent am Ende des Monats per Lastschrift.

„Bei uns lässt sich für die Gastronomen nahezu alles selbst einstellen – vom Logo über schnelle Änderungen der Speisekarte bis hin zum Bearbeiten von Gerichten.“ Das gehe bei Lieferando so nicht.

Speisekarten sind vom Kunden veränderbar

Was zu schwierigen Situationen führen könne, wie Schaible mit einem Beispiel zeigt: „Eine Pizzeria in Stadtallendorf hatte in kürzester Zeit zahlreiche Bestellungen von Gerichten mit Pilzen – doch die waren aus.“ Doch konnte er bei Lieferando nicht einfach die Pizza Funghi von der Speisekarte nehmen. „Also musste er alle Kunden anrufen und fragen, ob sie vielleicht was anderes wollen.“

Denn: Die hatten ja bereits bezahlt – der Gastronom konnte das Geld ja gar nicht direkt zurück überweisen, „weil es ja zunächst an Lieferando ging“. Bei „LieferMa“ sei es „selbstverständlich, dass die Kunden ihre Speisekarten, Gerichte, Extras oder Zusatzstoffe selbst editieren können – so wie auch fast alles andere“, versprechen die Gründer.

Sonderwünsche lassen sich realisieren

Mittlerweile ist die „LieferMa“-App seit einigen Wochen online, hat ohne Werbung bereits 700 Downloads – und das erste Dutzend Restaurants ist auch schon an Bord.

„Die Wege sind bei uns natürlich sehr kurz, denn wenn jemand anruft, gehen Lorenz oder ich dran“, sagt Jonas Gerke lachend. Je nachdem, wie groß „LieferMa“ werde, könne sich das auch ändern. „Aber auch dann kann man direkte Kommunikationswege aufbauen.“

Eintragungsprozess ist kostenlos

Der erste Eintragungsprozess ist für die Gastronomen kostenlos, „und spätestens nach drei Tagen sind sie online – das ist unser Versprechen“, sagt er. Darüber hinaus soll der gesamte Prozess für die Restaurantbetreiber „so einfach wie möglich sein“ – ein Special zum Valentinstag erstellen?

Geht mit wenigen Klicks. Ein Tagesgericht pushen? Kein Problem. Dem Fahrer Lieferanweisungen in Google Maps mitgeben? Funktioniert. Und dem Kunden eine Nachricht schicken, dass sein Essen in X Minuten da ist? „Lässt sich realisieren.“

Gerke: Der Fokus liegt auf Marburg

Nun, wo die App stabil läuft, geht es den Entwicklern darum, mehr Restaurants zu akquirieren – und auch die Zahl der Kunden zu steigern. „Unser Fokus liegt derzeit zu 100 Prozent auf Marburg“, sagt Jonas Gerke, über Wachstum und andere Städte denke man erst später nach.

Doch fest steht, dass die Gründer auch karitative Zwecke mit „LieferMa“ unterstützen wollen: „Ein Viertel der Provision spenden wir an Hilfsorganisationen“, versprechen sie – und das vorzugsweise auch in der Region. „Die Spendensumme wird den Kunden künftig auch in der App angezeigt“ – an Updates arbeitet das Team also auch schon.

Von Andreas Schmidt