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Marburg Ein „kleiner Schubs“ in Richtung Integration
Marburg Ein „kleiner Schubs“ in Richtung Integration
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11:58 10.03.2021
Julia Xhelo tritt für die Wahl des Marburger Ausländerbeirates an.
Julia Xhelo tritt für die Wahl des Marburger Ausländerbeirates an. Quelle: Privat
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Marburg

In wenigen Tagen stehen die Kommunalwahlen an, doch es gilt nicht nur die Reihen in Parlamenten, Ortsbeiräten oder den Chefsessel-Platz im Rathaus zu füllen. Auch der Marburger Ausländerbeirat tritt zur Wahl an und das mit einigen neuen Kandidaten, die sich im Einsatz für die Interessen von Mitbürgern mit ausländischen Wurzeln teils zum ersten Mal auf die politische Bühne wagen.

Jüngstes Mitglied mit 24 Jahren

Eine davon ist Julia Xhelo, das jüngste Mitglied der Liste „Miteinander“. Mit das erste, das die selbstbewusste 24-Jährige sich fragte, als sie den Bescheid mit ihrem verbrieften Wahlrecht erhielt, war: „Wie kann ich mitmachen?“ Denn sie hat einige Themen, die ihr am Herzen liegen, will die Ausgangslage von Migranten verbessern.

Wo es dabei Hürden geben kann, hat sie selber erlebt. Ihre Wurzeln liegen in Albanien, sie kam 2016 über ein Au-pair-Programm nach Marburg, entschied sich, zu bleiben und für eine Ausbildung zur Erzieherin, fand in der Stadt „ein kleines, zweites Zuhause“. Sie absolviert gerade ihr Anerkennungsjahr an der Kita Höhenweg in der Marbach, in ihrem „absoluten Wunschberuf“, erzählt Julia Xhelo fröhlich.

Xhelo will dazu lernen

Kinderhorden hat sie im Griff, sich mit gestandenen Kommunalpolitikern auseinanderzusetzen und in beratender Funktion auf die Finger zu schauen, traut sich die selbstbewusste junge Frau ebenso zu. Sie will dazu lernen, wenn sie gewählt werden sollte, ihre Erfahrungen und Ziele mit in den Ausländerbeirat bringen.

Ein Schwerpunkt ist dabei die Bildung, konkret Sprachkurse für Einwanderer, die sie einst selber absolviert hat. Sie spricht fließend deutsch, sieht aber durchaus Verbesserungspotenzial im lokalen Sprachkurs-Konzept, das sich nicht immer an die Bedürfnisse der Menschen anpasse, etwa bei Familien mit Kindern und Alleinerziehenden.

Spagat zwischen Sprachkurs und Familie

In vielen Fällen seien die Sprachschüler gezwungen zu wählen – zwischen Kinderbetreuung und Abendkurs. Beides miteinander zu vereinbaren, sei häufig schwer, „da entscheiden sich die Eltern dann natürlich für die Familie – wir brauchen mehr Sprachkurse mit gleichzeitiger Kinderbetreuung“, betont sie. Das sei ebenso eine Motivation für die Sprachschüler, dran zu bleiben.

Der praktische Grund liege auf der Hand, die Integration im neuen Land gelingt über das Erlernen der Sprache als ersten maßgeblichen Schritt – die Voraussetzungen dazu könnten verbessert werden. Nicht nur bei den Grundlagen, auch bei Intensivkursen zum Erlernen von sprachlichen Feinheiten für Studium und Beruf.

Xhelo: Angebote kommen nicht bei Menschen an

Daran schließt sich ein weiterer Punkt an, für den sie sich einsetzt: Kontakte knüpfen, Vereinsleben, Sportangebote, Anschluss finden über Netzwerke, etwa für Geflüchtete. „Es gibt da viele Angebote, aber ich habe das Gefühl, dass das zu wenig bei den Menschen ankommt“, sagt Xhelo.

Sie wolle dafür werben, „man muss auf die Leute zugehen, sie motivieren, sich auch zu trauen“. Dasselbe gelte für eine aktive Beteiligung bei der Wahl und politische Arbeit im Ausländerbeirat. Umso wichtiger sei es ihr, Interessen zu wecken, den Menschen „einen kleinen Schubs zu geben“.

Wahlbeteiligung war gering

Teilnahme und Wahlbeteiligung bei Ausländerbeiräten waren in den letzten Jahren gering, einer der Gründe, weshalb das Marburger Gremium mittlerweile kreisweit Alleinstellungsmerkmal besitzt. Andere Ausländerbeiräte wird es in Marburg-Biedenkopf nach der Wahl keine mehr geben. In Neustadt, Stadtallendorf, Kirchhain, Biedenkopf, Gladenbach und Dautphetal werden Integrationskommissionen ernannt.

Das, nachdem in den Kommunen, die eine politische Vertretung für ausländische Mitbürger stellen müssen, – bei mehr als 1000 ausländischen Einwohnern – keine Wahllisten eingereicht wurden beziehungsweise auf eine Kommission gesetzt wird.

15 Sitze gilt es zu besetzen

Im Marburger Ausländerbeirat werden 15 Sitze besetzt. Zur Wahl stellen sich fünf verschiedene Listen mit 65 Kandidaten: Die Liste „Miteinander“ (MI), die „Gruppe ohne Grenzen“ (GoG), „Aktiv für Menschen und Natur“ (AMN), „Interkulturelle Liste“ (IKL) und „Vielfalt, Gleichberechtigung und Zusammenleben“ (VGZ).

Weitere Informationen unter www.ausländerbeirat-marburg.de im Internet.

Von Ina Tannert

09.03.2021