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Marburg Ein Zeichen der Hoffnung
Marburg Ein Zeichen der Hoffnung
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11:58 01.04.2021
Dr. Beate Hofmann, seit 2019 Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, im OP-Interview.
Dr. Beate Hofmann, seit 2019 Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, im OP-Interview. Quelle: medio.tv/schauderna
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Marburg

Das Osterfest steht auch dieses Jahr ganz im Zeichen von Corona und findet unter Einschränkungen statt. Die von der Bund-Länder-Konferenz beschlossene, dann wieder zurückgenommene Osterruhe führte zu Protest bei den Kirchen, die nicht gänzlich auf Präsenz-Gottesdienste verzichten wollen. Über die aktuelle Situation und Bedeutung des höchsten christlichen Festes in Pandemie-Zeiten hat die OP mit Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), gesprochen.

„Wie aus Furcht und Entsetzen neue Hoffnung werden kann“

Frau Dr. Hofmann, wofür steht Ihrer Meinung nach Ostern in diesem Jahr?

Ostern erzählt, wie aus Furcht und Entsetzen neue Hoffnung werden kann, dass es selbst da, wo Tod und Sterben ist, noch mehr gibt, dass das nicht das Ende ist. Dies kann man auch auf die Pandemie-Situation anwenden: Wir befinden uns derzeit in einem solchen Transformationsprozess zwischen Angst und Hoffnung. Für mich steht das Fest in diesem Jahr ganz besonders für den Glauben daran, dass Licht am Ende des Tunnels ist, dass die Pandemie nicht endlos ist. Aber es braucht Zeit.

Analoge Gottesdienste in der evangelischen Kirche

Die evangelische Kirche hält prinzipiell an analogen Gottesdiensten fest und betont die Bedeutung der Präsenz, zumindest bei einem Teil der Feierlichkeiten. Wie passt das in eine Zeit steigender Infektionszahlen?

Für viele Menschen ist der analoge Gottesdienst sehr wichtig, gerade während dieser Zeit. An Ostern geht es um Sterben, um Tod und um Verwandlung. Menschen, die mit diesen Themen in Berührung gekommen sind, brauchen einen Ort, um sich damit auseinanderzusetzen, um etwas abladen zu können.

Diesen Ort wollen wir bieten, deshalb feiern wir analoge Gottesdienste und möchten diese Menschen zumindest für einen Moment aus der Einsamkeit holen und einen Raum jenseits der eigenen vier Wände anbieten. In der Kirche finden sie Trost, Zuspruch, Ansprache und Sorge für die Seele. Und manches Ritual, das zu Ostern gehört, braucht den analogen Raum, etwa das Osterlicht: Das wird in einer vollkommen dunklen Kirche entzündet und dann weitergegeben.

Das ist eine bedeutsame, sinnliche Erfahrung, die digital einfach nicht wirkt. Grundsätzlich aber feiern wir Ostern in großer Vielfalt und auf verschiedenen Wegen: vor Ort, wo es die Inzidenzzahlen zulassen, aber auch mit vielen digitalen und medialen Angeboten.

Infektionsschutz ein großes Anliegen

Wie steht es dann um den Infektionsschutz in den Kirchen?

Mir ist der Infektionsschutz ein großes Anliegen und unsere Gemeinden gehen damit verantwortlich um. Wir feiern ja schon seit Monaten Gottesdienste in verschiedener Form und haben viel gelernt.

Noch vor einem Jahr waren die Kirchen wochenlang geschlossen, da hatte auch noch keiner Masken oder Erfahrungen im Umgang mit der Pandemie. Heute wissen wir um die Bedeutung von Kontaktnachverfolgung, Lüften, Masken oder Abstand halten und wie das gewährleistet werden kann. Diese Erfahrung wenden wir auch an, das ist in den Kirchen mittlerweile gut eingespielt.

1.500 Kirchenmitglieder nahmen an Studie teil

Eine Studie aus Marburg in Zusammenarbeit mit der Landeskirche und der Philipps-Universität kommt in einem ersten Ergebnis zu dem Schluss, dass Gottesdienste der EKKW nicht zu den sogenannten „Spreading-Events“ zählen. Wie bewerten Sie die Studie?

Sehr positiv, die Leitfrage der Studie war, ob die aktive und/oder passive Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen der EKKW einschließlich Gottesdiensten mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Coronavirus-Infektion einhergeht. Fast 1.500 Mitglieder aus den Kirchenkreisen Marburg, Kirchhain und Schwalm-Eder haben an der Studie teilgenommen und sich zwischen Anfang Dezember und Ende Februar auf Sars-CoV2-Antikörper untersuchen lassen.

Etwa zwei Drittel der Getesteten gaben an, regelmäßig einen Gottesdienst zu besuchen. Ein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit von Antikörpern zwischen Gottesdienstbesuchern und Nicht-Gottesdienstbesuchern konnte dabei nicht nachgewiesen werden. Wir können für unsere Kirchen sagen, dass wir nicht zu sogenannten Spreadern geworden sind.

Kirche hat „wichtige Rolle bei Pandemie“

Welche Rolle fällt der Kirche bei der Bewältigung der Pandemie zu?

Irgendwann kehren wir zu einem normalen Leben zurück und müssen uns dann die Frage stellen, wie wir nach der Pandemie miteinander leben wollen. Manche Familien sind durch Corona gespalten, etwa durch verschiedene Ansichten, zum Beispiel aus der Querdenker-Bewegung. Wir müssen diese Menschen aus der eigenen Blase wieder herausholen, zusammen und miteinander ins Gespräch bringen. Dazu müssen Gelegenheiten geschaffen werden.

Der Kirche fällt dabei eine wichtige Rolle zu, als Gastgeberin und als Friedensstifterin. Wir vernetzen uns mit anderen – in Kassel ist dazu kürzlich eine Initiative mit über 30 Engagierten aus der Zivilgesellschaft gestartet – und wollen schauen, wo bei der Bewältigung der Pandemie vor Ort die größten Herausforderungen liegen. Und wie wir diese Probleme am besten gemeinsam lösen.

Aktuelles rund um die Ostergottesdienste

Viele katholische Kirchengemeinden werden Präsenzgottesdienste feiern. Interessierte müssen sich vorher bei ihren Kirchengemeinden anmelden. Die Corona-Hygienevorschriften werden eingehalten, betont Ute Ramb, Gemeindereferentin in St. Peter und Paul. Einen Überblick über die Gottesdienste der katholischen Kirche in Marburg und Fronhausen gibt es im Internet unter www.­katholische-kirche-marburg.de. Weitere Hinweise für den Ostkreis gibt es unter www.­pastoralverbund-amoeneburg.de.

Die evangelische Kirche sendet aus Marburg Videogottesdienste: Einen Gottesdienst in digitaler Form bietet Dekan Burkhard zur Nieden am kommenden Karfreitag an. Drehorte waren die Lutherische Pfarrkirche St. Marien und das Tor zum ehemaligen Gestapo-Gefängnis unterhalb des Rathauses. Der Gottesdienst wird musikalisch gestaltet von Ka Young Lee (Orgel), Birgit Küllmar (Sopran) und Helmut Hering (Bass). Das Video wird am Karfreitag auf www.ekmr.de und auf www.kgbalzer.net veröffentlicht.

Einen aufwendigen Videogottesdienst haben die Marburger Innenstadtkirchen zum Osterfest gestaltet. Aus sieben Kirchen kommen Osterimpulse und musikalische Beiträge. Viele Menschen beteiligten sich bei der Vorbereitung des Videos. Der Film wird am Sonntag ab 0 Uhr auf www.ekmr.de, www.kgbalzer.net und den Webseiten der Marburger Innenstadtgemeinden zu sehen sein.

Einen Überblick über die Gottesdienste der evangelischen Kirche in Marburg gibt es unter www.ekmr.de, über Aktivitäten zu Ostern in den Kirchengemeinden im Kirchenkreis Marburg unter www.kirchenkreis-Marburg.de, im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach unter www.dekanat-big.de und unter www.kirchenkreis-kirchhain.de im Kirchenkreis Kirchhain, der das Gebiet nördlich und östlich von Marburg abdeckt.

In Niederwalgern und Oberwalgern werden die Gottesdienste von Gründonnerstag bis Ostermontag nicht in Präsenz stattfinden. Die Feier der Osternacht wird auf Video aufgenommen und auf dem Youtube-Kanal der Kirchengemeinde Niederwalgern-Oberwalgern ab Ostersonntag zu sehen sein. Außerdem besteht in beiden Kirchen die Möglichkeit zur persönlichen Andacht: Sie werden am Karfreitag und am Ostersonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein.

Nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand finden in Münchhausen und Wollmar Präsenzgottesdienste statt. Die Uhrzeiten können dem Gemeindebrief entnommen werden. Am Ostersonntag findet um 6 Uhr in der Christenbergkirche und gleichzeitig in der Dorfkirche zu Wollmar ein Auferstehungsgottesdienst statt. Anmeldelisten werden vor Ort geführt. Ergänzend gibt es auch noch jeweils eine Kurzandacht zu Karfreitag und Ostern auf Youtube, Kirchspiel Christenberg.

Auch wenn es keine Präsenzgottesdienste in Goßfelden/Sarnau gibt, an Gründonnerstag ist ein Gottesdienst online abrufbar unter www.kirche-lahnfels.de. An Karfreitag sind beide Kirchen von 11 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. Zu jeder vollen Stunde ist die Kreuzigungsgeschichte zu hören, untermalt mit Chorälen des Quartetts. Parallel dazu gibt es im Ubbelohde-Garten einen Kreuzweg. Ostersonntag gibt es online einen Gottesdienst. Und an Ostermontag beginnt um 9.30 Uhr der Zoom-Gottesdienst. Wer teilnehmen möchte, schickt eine Mail an ­pfarramt.gossfelden@ekkw.de.

Die Kirchengemeinde Cölbe öffnet am Karfreitag und am Ostersonntag von 10 bis 11 Uhr ihre Türen zur persönlichen Andacht bei Orgelmusik. Für ein Gespräch wird auch ein Seelsorger anwesend sein. Am Ostersonntag gibt es in der Kirche zusätzlich „Ostern in der Tüte“ mit einer Andacht und einer kleinen Überraschung zum Mitnehmen.

In der Kirche Ebsdorf ist an verschiedenen Stationen der Leidensweg Jesu dargestellt, „wie ein Kreuzweg in der Kirche“, berichtet Pfarrer Eric Weidner. Es werden Texte und Gegenstände verteilt, die auf die Passion Christi hinweisen. Die Kirche ist bis zum Weißen Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Neben Telefon- und Familiengottesdiensten findet zudem am Sonntag um 6 Uhr die Osternacht per Telefon und Livestream statt. Weitere Angebote sind unter www.kirche-ebsdorf.de zu finden.

Von Ina Tannert

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