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Marburg Ein Stück Heimat-Geschichte, insbesondere für Frauen
Marburg Ein Stück Heimat-Geschichte, insbesondere für Frauen
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21:22 17.10.2021
Sehr unterschiedlich, aber immer detailverliebt präsentierten sich in den beiden vergangenen Jahrhunderten die Trachten im Marburger und Biedenkopfer Raum.
Sehr unterschiedlich, aber immer detailverliebt präsentierten sich in den beiden vergangenen Jahrhunderten die Trachten im Marburger und Biedenkopfer Raum. Quelle: Privatfoto
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Dautphe

Seit 2006 findet regelmäßig im Landkreis ein Trachtentag statt. Datum ist dafür immer der dritte Sonntag im Oktober. „Der hiesige Kreis stellt eigentlich den Bezirk in Deutschland mit den meisten verschiedenen Trachten“, sagt Angela Paulus von der Fachgruppe Brauchtum und Trachten der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege. In der Tat zählt man acht Trachtengebiete. Und so hat es auch lange Zeit hier die meisten Trachtenfrauen in ganz Deutschland gegeben. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Frauen, die tatsächlich noch täglich Tracht tragen und diese sind nun auch jenseits der 90.

Trachtentanz zählt zum Themenkomplex

„Es ist ein Kulturgut, das wir bewahren müssen“, sagt Paulus entschieden. Und mit einher geht da auch die Mundart, die auch immer weniger Leute verstehen geschweige denn sprechen können. Zu guter Letzt gehört auch das Brauchtum und dabei insbesondere der Trachtentanz zum Themenkomplex. „Wir haben die hiesigen Trachten mittlerweile alle einmal hervorgehoben, durften uns auch einmal über die Tracht des Jahres freuen, die besonders gefeiert wurde“, blickt Paulus zurück.

Deshalb möchte man zum anstehenden Tag der Tracht am 17. Oktober auch mal über den „Tellerrand“ schauen und sich Trachten widmen, die in zwei angrenzenden Kreisen getragen wurden. Zum einen geht es um das Gilserberger Hochland und zum anderen um die Edertaltracht, die in Battenberg, aber auch Bottendorf und Ernsthausen getragen wurde und so natürlich Berührungspunkte mit Münchhausen hatte.

„Wenn eine Frau einen Mann aus einem Dorf der anderen Gegend heiratete, nahm sie in der Regel ihre Tracht mit dorthin“, sagt Paulus. So kam es gerade in „Grenzgebieten zu einer Durchmischung der Trachten.

Wer meint, Trachten seien Trachten, wer eine gesehen hat, kennt sich aus, der irrt gewaltig. Trachten unterschieden sich in vielen Details und waren darüber hinaus gerade im Marburger Raum sehr wandelfähig. Töchter trugen praktisch immer andere Trachten als ihre Mütter. Die Geschmäcker und auch die Verfügbarkeit neuer Stoffe entschieden mit über den Wandel. Nur im Hinterland blieb es sehr starr, schränkt Paulus ein.

Für Teilnahme anmelden

Der Tag der Tracht findet am Sonntag, 17. Oktober, ab 13 Uhr in der Hinterlandhalle in Dautphe statt. Traditionell startet er mit einem Gottesdienst in Mundart, den Pfarrer Matthias Ullrich aus Gladenbach gestalten wird. Der Gottesdienst wird durch einige Programmpunkte aufgelockert.

Lena Lauer aus Roßdorf wird dazu auch singen. Mit dabei sind unter anderen auch die Kindergruppe aus Gladenbach, die Stadtkapelle aus Wetter, die Platzer aus Wollmar. Von 14.30 Uhr bis 17 Uhr gibt es dann Kaffee und Kuchen und ein Programm. Ach, und für Trachtenfreunde wird es noch ein paar Besonderheiten zu sehen geben, die man nicht mehr so einfach zu sehen bekommt, verrät Paulus. Eine Besonderheit wurde in Zusammenarbeit mit der Webgruppe Laisa auf den Weg gebracht – in echter Fleißarbeit.

Eintritt

Wer beim Trachtentag dabei sein will, meldet sich möglichst vorher bei Henner Bösser unter Telefon 0 64 66 / 16 64 oder schreibt eine E-Mail an Henner.boesser @hvt-hessen.de.

Der Eintritt ist frei. Es gilt die 3G-Regel. Entsprechende Nachweise sind vorzulegen.

von Götz Schaub