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Marburg Ein Statement im Schaufenster
Marburg Ein Statement im Schaufenster
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10:58 28.02.2021
Kunst gegen Rassismus: Die steht im Schaufenster der Elterninitiative im Steinweg genau richtig, sagen Künstler Stephan Jürgens-Jahnert (links) und die Kinderkrankenpfleger Marion Gründel und Karl Kreh.
Kunst gegen Rassismus: Die steht im Schaufenster der Elterninitiative im Steinweg genau richtig, sagen Künstler Stephan Jürgens-Jahnert (links) und die Kinderkrankenpfleger Marion Gründel und Karl Kreh. Quelle: Ina Tannert
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Sie tragen die Titel „Coloured“ und „Justice“, die geballte Faust und die kniende Skulptur, die derzeit hinter der Glasfront der Elterninitiative im unteren Steinweg stehen und eine klare Botschaft senden sollen. Damit setzen Künstler Stephan Jürgens-Jahnert und die Elterninitiative für leukämie- und tumorkranke Kinder ein Zeichen gegen Diskriminierung.

Die Skulptur „Coloured“, eine nach oben gerichtete geballte Frauenfaust, ist ein Beitrag zur aktuellen Diskussion um Rassendiskriminierung in den USA und weltweit. Sie bezieht sich auf die bekannte Aktion von Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico City: Während der Siegerehrung standen die afroamerikanischen Sprinter mit gereckter Faust auf dem Podest, ein Zeichen des Protests gegen Rassismus – das heutige Symbol der Black-lives-matter-Bewegung.

Werke mit politischer Motivation

Nach dem Tod von Georg Floyd am 25. Mai 2020 gingen im letzten Jahr auch Bilder kniender Sportler um die Welt, eine Solidaritätsbekundung gegen den gewaltsamen Tod des Schwarzen während einer Polizeikontrolle. Daran erinnert das Werk „Justice“, eine Figur auf Knien reckt die Arme in die Höhe. „Diese Geste hat mich tief beeindruckt“, sagt Künstler Jürgens-Jahnert aus Treisbach. Der Psychotherapeut knüpft in seinen Werken gezielt an die politische Motivation an, „über die Kunst beziehe ich selber Stellung“.

Beide Objekte stehen im Februar im Schaufenster des Vereins in Anlehnung an den „Black history month“ in den USA und Kanada. Die Objekte samt Erklärtexte sollen zeigen, dass Diskriminierung dort keinen Platz hat und auch als Denkanstoß dienen: „Die Skulpturen haben eine wichtige Bedeutung, sie stehen für Vielfalt – das leben wir hier seit Jahren jeden Tag“, sagt Fachkinderkrankenschwester Marion Gründel, die gemeinsam mit Kollege Karl Kreh dutzende Familien mit einem krebskranken Kind betreut.

50 Familien erhalten psychosoziale Betreuung

Aktuell 50 Familien im Landkreis und darüber hinaus erhalten über die Elterninitiative eine psychosoziale Betreuung – soweit es die Pandemie derzeit zulässt. Und die betroffenen Eltern und Kinder stammen aus den verschiedensten Ländern, alle kulturellen wie sozialen Hintergründe seien vertreten, „wir haben so viele Nationalitäten, das gehört ganz selbstverständlich mit dazu und ist gar kein Thema“, erklärt Fachkinderkrankenpfleger Karl Kreh. Auf dem oft langen Weg zur Genesung oder auch bis zum Tod des kranken Kindes werden die Familien begleitet, da spiele Unbedeutendes wie die Herkunft keine Rolle, „jede Familie ist unterschiedlich, aber alle haben dasselbe Problem, nur darauf kommt es an“, sagt Kreh.

Von Ina Tannert

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