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Marburg Ein Schrank, der Kleidung desinfiziert
Marburg Ein Schrank, der Kleidung desinfiziert
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19:57 29.07.2020
C+P hat einen Spind entwickelt, in dem mittels UV-Licht Keime und Viren abgetötet werden. Quelle: Privatfoto
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Breidenbach

Manchmal, da kommen Ideen von außen. So zum Beispiel die für den neuen Garderobenschrank – landläufig „Spind“ genannt –, den C+P Möbelsysteme in Breidenbach jetzt neu entwickelt hat. „Ein Kunde, für den wir eine große Schrankanlage inklusive Trocknung und Klimatisierung entwickelt haben, hatte den Wunsch, ob wir nicht auch eine UV-C-Lichtquelle integrieren könnten“, sagt Entwicklungsleiter Andreas Gutermuth. Denn so könnte die Kleidung nicht nur getrocknet, sondern durch die UV-Strahlung auch desinfiziert werden.

Das Unternehmen konnte reagieren: Innerhalb von vier Wochen entwickelte es die Lösung, zunächst für den Kunden und nun auch für die eigene Produktpalette. Denn die Themen Gesundheit, Virenschutz und Keimfreiheit sind seit Covid-19 noch stärker als zuvor ins Bewusstsein der Allgemeinheit gerückt.

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Der Schrank ist eine Gemeinschaftsproduktion der Standorte Gotha und Breidenbach: „In Gotha läuft das Gehäuse des Schranks in Serie – und in Breidenbach haben wir die Fachleute für die Elektronik“, sagt Gutermuth.

Luftdesinfektion durch ultraviolettes Licht wird laut Unternehmen schon seit rund 40 Jahren erfolgreich eingesetzt. Denn Mikroorganismen wie Viren, Bakterien, Hefen oder Pilze würden durch UV-Strahlung binnen Sekunden abgetötet. „Wird die Tür geschlossen, schaltet sich die Lampe ein – für drei Minuten“, sagt Gutermuth. Damit keine Strahlung nach außen dringt, wurden die Türen extra abgedichtet.

Wichtig ist, dass die Kleidung im Schrank so aufgehängt wird, dass die Lampen – eine oben und eine unten, in Decke und Boden des mittleren, großen Fachs eingelassen – eine möglichst große Fläche erreichen können. Denn dort, wo die Strahlung die Kleidung erreiche, komme es zu einer Effizienz von bis zu 99 Prozent.

Schrank wird im Testzentrum intensiv geprüft

Kombiniert wird die UV-Lichttechnik mit den Eigenschaften von Stahl – der nicht nur ein nachhaltiger, stabiler und wertbeständiger Werkstoff sei. Vielmehr sei Stahl durch seine glatten Oberflächen pflegeleicht und hygienisch.

Der Spind lasse sich überall dort einsetzen, „wo Stauraum für Kleidung benötigt wird, strenge Hygienerichtlinien gelten und Menschen effizient vor Viren und Bakterien geschützt werden sollen, wie etwa in Arztpraxen, Krankenhäusern, Lebensmittelindustrie, Gastronomie, Kosmetikindustrie, Labors oder Pharmaunternehmen“, zählt der Entwicklungsleiter auf.

Was sich banal anhört – eine Lampe in einen Schrank einbauen –, ist so einfach nicht: UV-Licht in zu hohen Dosen ist für den Menschen nicht ungefährlich – daher zum Beispiel die Dichtungen. Und: UV-Licht hat auf Materialien und Farben eine Wirkung – es kann dafür sorgen, dass sich Farben verändern, Kunststoffe spröde oder Oberflächen angegriffen werden.

Daher steht der Spind nun schon seit geraumer Zeit mit eingeschalteter Beleuchtung im Testzentrum von C+P. „Wir gehen bei dem Schrank von fünf Schaltvorgängen am Tag aus – mit jeweils drei Minuten Leuchtdauer“, sagt Gutermuth. Wenn im Testzentrum die Überprüfung zwei Wochen rund um die Uhr laufe, könne man schon „sehr valide Aussagen zur Auswirkung der Strahlung auf das Material treffen“ – und reagieren, bevor der Schrank final in die Serienproduktion gehe.

Von Andreas Schmidt