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Marburg Ein Schicksal in Afrika
Marburg Ein Schicksal in Afrika
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17:30 02.08.2012
Marburg

Von der Tochter aus ärmsten Verhältnissen zur reichen Witwe eines Hotelbesitzers - das klingt nach süßer Märchenwelt. Doch es wäre kein Roman von Henning Mankell, wenn die Geschichte so einfach wäre. In „Erinnerung an einen schmutzigen Engel“ begleitet der schwedische Schriftsteller eine junge

Landsmännin auf ihrer Reise in die Welt. Wie schon in seinen anderen Afrikabüchern gelingt es Mankell meisterhaft, dem Leser die Seele des Schwarzen Kontinents näherzubringen.

Hanna lebt Anfang des 20. Jahrhunderts als älteste Tochter einer armen Familie im Norden Schwedens. Als der Vater stirbt, wird sie mit dem Kaufmann Jonathan Forsman nach Sundsvall an die Küste geschickt - so hat die Mutter ein Kind weniger durch die Winter zu bringen. Eine Dienstmagd bleibt Hanna nicht lange, auf Forsmans Wunsch heuert sie als Köchin auf einem Frachtschiff an.

An Bord trifft die junge Frau mit Steuermann Lars Lundmark die Liebe ihres Lebens, heiratet - und ist bald darauf wieder Witwe. Gelähmt vom Schmerz verkriecht sie sich im „O Paraiso“ in Lourenço Marques (heute Maputo), einer Hafenstadt der damaligen portugiesischen Kolonie Mosambik. Dem Tod näher als dem Leben verbringt sie ihre ersten Nächte in Afrika und stellt schließlich fest, dass ihr Hotel vor allem eines ist: ein weit über die Stadtgrenzen hinaus berühmtes Bordell.

Mankell zeigt den Blick der weißen „Herrenrasse“ auf die erbärmliche Existenz der Schwarzen. Es wird klar, welche Gefühle die weiße Oberschicht für die eigentlichen Besitzer des Kontinents hegen: Verachtung, Hass - und Angst. Auch Hanna entkommt der strikten Trennung zwischen Hautfarben und Gedankenwelten nicht. Bis sie Moses begegnet.

Mankell beschreibt anhand des fiktiven Frauenschicksals, wie schwer es für einen nicht zu den üblichen Rassisten zählenden Weißen gewesen sein muss, seinen Platz auf einem Kontinent zu finden. Auf die Idee zum Roman soll er durch Dokumente aus einem Archiv in Maputo gekommen sein, denen zufolge eine Schwedin Ende des 19. Jahrhunderts Besitzerin eines der größten Bordelle der Stadt war - bis sie spurlos verschwand.

Aus kleinen Notizen hat Mankell eine große Geschichte wachsen lassen. „Erinnerung an einen schmutzigen Engel“ berührt mit seiner Tiefe und Erzählkunst

Henning Mankell: „Erinnerung an einen schmutzigen Engel“, Paul Zsolnay Verlag, 352 Seiten, 21,90 Euro.

von Annett Klimpel

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