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Marburg Ein Probenhaus für Marburger Chöre
Marburg Ein Probenhaus für Marburger Chöre
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17:58 07.01.2021
Ein von Musikfreunden sehnlichst vermisstes Bild aus Vor-Corona-Zeiten: 130 Sängerinnen und Sänger der Chöre Klangforum Marburg, der Musikschule Marburg, des Liederkranz Germania Ober-Erlenbach und des Collegium marburgensis unter der Leitung von Daniel Sans präsentierten im März 2019 in der Lutherischen Pfarrkirche Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Marburg

Im Moment sieht es so aus, als müssten sie noch lange warten. Gerade wurde der Corona-Lockdown in Deutschland verschärft, um die Zahl der Infizierten zu drücken, um die Corona-Pandemie irgendwie unter Kontrolle zu bringen, bis großflächige Impfungen möglich sind.

In Marburg und manchen anderen Gemeinden im Landkreis haben sich Chöre im ersten Lockdown im Sommer vergangenen Jahres mit Open-Air-Proben beholfen, weil das Singen in geschlossenen Räumen wegen der hohen Infektionsgefahr nicht möglich war, weil zudem viele Chormitglieder zu Corona-Risikogruppen zählen. Es war ein Notbehelf, der spätestens im Herbst wegen der Witterung nicht mehr möglich war.

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In Marburg hat sich dann ein Arbeitskreis „Chöre und Corona“ gegründet. Hintergrund: Den Chören fehlten Räume, um unter Corona-Bedingungen zu proben. Die bestehenden Proberäume waren schlicht zu klein. Auf Einladung einer Initiativgruppe aus Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum und weiteren Chorleitern, unterstützt von Ruth Fischer, Leiterin des Fachdienstes Kultur der Stadt Marburg, fanden im August zwei Treffen von mehr als 30 Chorvertreterinnen und -vertretern statt. Ihr Ziel: Sie wollten ein Netzwerk aufbauen, um „mit größerer Kraft für die Chormusik in Marburg und Umgebung in schwierigen Zeiten einzutreten“, wie die Gruppe damals mitteilte. In einer vom Fachdienst Kultur unterstützten Umfrage wurde der Raumbedarf der vielen und sehr unterschiedlichen Marburger Chöre ermittelt.

Haus für Chorproben ist bis Sommer angemietet

Inzwischen gibt es einen ersten Erfolg zu vermelden: das „Chöre Kultur Haus“. Das ehemalige evangelische Gemeindehaus Ost in der Georg-Voigt-Straße steht seit Dezember als Haus zum Proben für Marburger Chöre bereit. Finanziert wird es aus dem Programm „Marburg Miteinander“. Geprobt wurde dort allerdings noch nicht – die Pandemie-Bedingungen ließen dies bislang nicht zu. Wann dort geprobt werden kann, hängt von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Die nach wie vor sehr hohen Infektionszahlen und die Sorge vor der mutierten und nach Ansicht vieler Wissenschaftler noch ansteckenderen Version des Sars-Cov-2-Erregers lassen derzeit keinen Probenbetrieb zu. Weder bei Chören noch bei Orchestern oder Bands.

Das neue „Chöre Kultur Haus“ wurde bis zum Sommer angemietet. Es besitzt einen „großen, gut belüftbaren Saal“ und sei für gemeinsames Singen auch unter Hygieneregeln geeignet, wie Almuth Westecker, eine der Sprecherinnen des Arbeitskreises „Chöre und Corona“, mitteilt. 15 bis 20 Sängerinnen und Sänger könnten dort gemeinsam proben – ein Anfang. Das Haus werde zusätzlich mit Luftfiltern ausgestattet, die das Infektionsrisiko weiter senken sollen. Erwartet werden sie Ende Januar.

Die Chöre Canticum Antiquum, Germania Marbach, Haste Töne, hessen vokal, Junge Kantorei, Marburger Chor 1949, Marburger Vokalisten und Politöne haben Interesse an einer Nutzung dieses Gebäudes. Weitere Gruppen aus der Marburger Kulturszene seien eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Die Stadt Marburg fördert nach Angaben Westeckers das „Chöre Kultur Haus“ aus ihrem Programm „Marburg Miteinander“ mit rund 25 000 Euro. Zur Trägerschaft des Projektes habe sich die Musikschule Marburg bereiterklärt, deren Leiter Eugen Anderer im Arbeitskreis „Chöre und Corona“ mitwirke. Ein Beirat aus ehrenamtlichen Chorvertretern und eine Honorarkraft sorgen in Kooperation mit der Musikschule für den Betrieb des Hauses.

„Im Namen der Chöre bedanken wir uns herzlich bei der Stadt Marburg, insbesondere bei Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Fachdienstleiterin Ruth Fischer, und bei der Musikschule, Eugen Anderer, für die aktive Unterstützung dieses Vorhabens. Wir hoffen, in diesem Jahr auch musikalisch Dankeschön sagen zu können“, betont Almuth Westecker für den Beirat und die Aktiven des Arbeitskreises. Das Projekt sei der bisher wichtigste Schritt der Initiative „Weiter Singen in Marburg“, die auch das Stadtjubiläum Marburg 800 im Jahr 2022 im Blick habe.

Lotte Breuer ist die Koordinatorin des Hauses. Sie erklärt: „Wir werden dieses Haus technisch und organisatorisch darauf vorbereiten, dass Chöre unmittelbar nach Ende des Lockdowns wieder in angepassten Gruppen singen und für ihre Auftritte proben können.“ Oberbürgermeister Dr. Spies ist überzeugt davon, dass es gut angelegtes Geld ist, mit dem die Stadt Marburg das Chorleben unterstützen wird: „Es ist ein Silberstreif am Horizont und ein Signal an die Chöre: Wir brauchen Euch!“

Im „Chöre Kultur Haus“ stehen künftig neben dem großen Saal auch kleinere Räume für Einzelunterricht zur Verfügung.

Wer an einer kulturellen Nutzung gegen geringfügigen Teilnahmebeitrag interessiert ist, bekommt unter der Mailadresse choerekulturhaus-mr@gmx.de weitere Informationen.

Von Uwe Badouin

08.01.2021
07.01.2021