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Marburg Beleidigt, gewürgt und mit dem Tod bedroht
Marburg Beleidigt, gewürgt und mit dem Tod bedroht
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10:58 07.09.2019
Symbolfoto: Der Angeklagte soll seine Ex-Freundin mehrfach geschlagen ­haben. Quelle: Maurizio Gambarini
Marburg

Dem 33-Jährigen wird zur Last gelegt, in insgesamt 26 Fällen seine damalige Lebensgefährtin im Zeitraum von Februar 2017 bis zum 4. April 2019 beleidigt, bedroht und an ihrer Gesundheit geschädigt zu haben, wobei er sie mehrfach an den Haaren gezogen, sie gewürgt, mit einem Rohr geschlagen oder ihr ein Messer an den Hals gehalten und sie dabei mit dem Tod bedroht haben soll.

Nachdem man zusammengekommen und durchaus eine Zeit lang glücklich miteinander gewesen sei, gab es den ersten Vorfall bei einem Besuch einer Gießener Gaststätte. Dort, so berichtete der Angeklagte, kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung. Er sei zunächst von ihr geschlagen worden und habe dann zurückgeschlagen. Der Angeklagte berichtete, dass beide damals viele Drogen genommen hätten und zudem noch Alkohol im Spiel gewesen sei. Im Folgenden sei ihre Beziehung sehr wechselhaft verlaufen. Mal Streit, Zoff und handgreifliche Auseinandersetzungen und dann wieder eine Versöhnung.

Auch nachdem sie schwanger geworden sei, habe es nur wenige Tage gegeben, an denen sie keine Drogen zu sich genommen habe, rückte er seine heute 22-jährige Lebensgefährtin in ein denkbar schlechtes Licht.

Es gab Vorfälle während der Schwangerschaft, wo er sie an den Haaren gezogen oder ihr mal eine Ohrfeige gegeben ­habe. Er habe aber niemals, wie angeklagt, Hilfsmittel, wie ein Messer oder Rohr benutzt. Die Funkstille nach solchen Auseinandersetzungen habe allerdings nur kurz gedauert, dann habe sie sich gemeldet, er sich entschuldigt und sie anschließend wieder in ihrer Wohnung besuchen dürfen.

Krankhafte Eifersucht und Drogenkonsum

Die Befragung der Geschädigten, die sich auch als Nebenklägerin anwaltlich vertreten ließ, musste mehrfach unterbrochen werden. Immer wieder brach sie bei der Schilderung der Vorkommnisse in Tränen aus.

Es sei die krankhafte Eifersucht und der Drogenkonsum des Angeklagten, der immer wieder zu Konflikten geführt habe. Klar habe sie ihn des Öfteren verbal attackiert, „Ich wusste, wo es ihm besonders weh tut“, jedoch niemals geschlagen. Zweimal kam es bei der Schilderung der Auseinandersetzungen zum ­offenen Streit im Gerichtssaal, den Richter Dominik Best interessiert verfolgte. Er habe sie öffentlich als „Hure“ beschimpft, sagte die Frau. Zu Handgreiflichkeiten sei es fast jede Woche einmal gekommen, berichtete sie über die Anzahl gewalttätiger Übergriffe des Angeklagten.

Auf die Nachfrage der Staatsanwaltschaft, warum man sich denn nicht früher getrennt ­habe, gab sie an, Angst vor ihm gehabt zu haben, dass er seine Drohungen wahr machen würde.

Die Einvernahme eines damals über ihr wohnenden Nachbarn ergab, dass dieser nach Inhaftierung des Angeklagten zum nächsten Liebhaber der Geschädigten wurde. Er habe mehrfach von den lautstarken Auseinandersetzungen mitbekommen, berichtete er, sei aber niemals dabei gewesen.

Einmal sei der heute in Berlin Lebende von dem Angeklagten attackiert worden, als dieser kurzzeitig, nach der formalen Verlobung mit der Hauptzeugin aus dem Gefängnis gekommen sei und von seiner Beziehung zur Geschädigten erfahren habe. Doch von der Rangelei habe er nicht viel abbekommen, ihn deswegen auch nicht angezeigt.

Die Einvernahme der beiden Brüder und der Mutter der Geschädigten brachten keine ­wesentlich neuen Erkenntnisse. Man habe schon ab und an einmal blaue Flecken bei der Geschädigten bemerkt. Man habe sich aber immer herausgehalten.

von Heinz-Dieter Henkel