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Marburg Ein Faible für Baugeschichte
Marburg Ein Faible für Baugeschichte
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19:21 11.10.2020
Die historische Marburger Oberstadt mit dem Landgrafenschloss und der Lutherischen Pfarrkirche bot für Denkmalpflegerin Dr. Verena Jakobi in ihrer Studienzeit an der Uni Marburg idealen Anschauungsunterricht in Sachen Baugeschichte und Denkmalpflege. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Schon in ihrer Studienzeit von 1991 bis 1997 an der Marburger Universität entdeckte Dr. Verena Jakobi (48) ihre Begeisterung für die Denkmalpflege. In ihrem Hauptfach Kunstgeschichte war sie besonders interessiert an der Sparte Architekturgeschichte, wie sie im Gespräch mit der OP verrät. Bei Übungen an der Universität zum Thema Denkmalpflege mit Michael Neumann und Vorlesungen mit Elmar Altwasser vom Freien Institut für Bauforschung vertiefte sie ihre Kenntnisse und lernte das Berufsfeld von der Pike auf kennen, beispielsweise bei archäologischen Ausgrabungen mit baugeschichtlichem Hintergrund.

Gebürtig im Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen) in Hallenberg ging Verena Jakobi in Winterberg zur Schule. Aufgrund familiärer Beziehungen nach Allendorf/Eder und Battenberg war sie aber im Alltag immer schon nach Nordhessen (Frankenberg/Korbach) orientiert. Genaugenommen entdeckte sie ihr Interesse an historischen Gebäuden bereits in diesen frühen Jahren. „Historische Häuser und Städte haben mich schon als Kind interessiert. Sie stiften Identität und geben Wurzeln“, erläutert Verena Jakobi. Und so legte sie beispielsweise auch ganz praktisch immer Hand an bei den Sanierungsarbeiten für das Elternhaus.

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Während des Studiums in Marburg erhielt sie auch Anschauungsunterricht über die Pflege des einmaligen Denkmal-Ensembles der Marburger Oberstadt. Für ihre Magisterarbeit beschäftigte sie sich mit dem Wiederaufbau eines der im Edersee versunkenen Dörfer und der Rolle, die die sogenannte Heimatschutzbewegung vor allem bei der Verwendung regionaltypischer Baumaterialien spielte. Für ihre Doktorarbeit an der Fakultät für Architektur, Umwelt und Gesellschaft an der TU Berlin erweiterte sie die Thematik und nahm gleich sieben komplett wieder aufgebaute Dörfer in ihren Fokus.

Hessens Baugeschichte ließ sie danach nicht mehr los. Nach dem Volontariat im hessischen Landesamt für Denkmalpflege war sie von 2003 bis 2011 wiederum in Marburg und zwar in der für Nordhessen verantwortlichen Außenstelle des Landesamts in der Ketzerbach stationiert, wo sie für die Betreuung des Werra-Meißner-Kreises und des Landkreises Kassel verantwortlich war. Ab 2011 wechselte sie in die Zentrale in Wiesbaden, wo sie seitdem den Rheingau-Taunus-Kreis und den Hochtaunuskreis betreute.

Hessens Baugeschichte lässt sie nicht los

Jetzt folgte der Karrieresprung: Als Nachfolgerin von Heinz Wionski, der in den Ruhestand ging, übernimmt Jakobi die Leitung der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege mit rund 40 Mitarbeitern. Hessen verfüge über rund 70 000 Kulturdenkmäler und rund 3 000 Gesamtanlagen. „Das ist ein gewaltiges Erbe, für dessen unschätzbaren Wert wir auch jüngere Bürger sensibilisieren müssen“, meint Jakobi. Vor allem die systematische Erfassung der Nachkriegsbauten bis etwa 1980 soll aus ihrer Sicht im Bereich der Denkmalerfassung demnächst im Fokus der Aufgaben der hessischen Denkmalschützer stehen. Denn diese jüngeren Kulturdenkmäler seien in besonderem Maße von Leerstand, unsachgemäßer Umnutzung oder Abriss bedroht. Es gehe ihr nicht nur um die Erforschung dieser Baudenkmäler, sondern auch darum, Verständnis für den Denkmalwert zu wecken. Bei den Baudenkmälern aus den 70er Jahren solle klar gemacht werden, wieso diese aus technischen und historischen Gründen auch wesentliche Zeitzeugen sein könnten.

Die Auswirkungen des Klimawandel bedrohen zusehends auch Kulturdenkmäler und -landschaften. So weist Verena Jakobi darauf hin, dass aufgrund der Dürrejahre manche baumbestandene Alleen in Schlossanlagen sowie ganze Parklandschaften in ihrem Bestand gefährdet seien. Ein Ziel ihrer Arbeit ist es , die Bedeutung von Denkmalpflege als gelebten Klima- und Ressourcenschutz stärker öffentlich hervorzuheben. „Das vorsichtige Reparieren und Sanieren eines Kulturdenkmals kann eine lohnende Alternative zum Wohnen in der neu errichteten Immobilie sein“, hebt Jakobi hervor.

Von Manfred Hitzeroth

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