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Marburg Ein Bündnis gegen den Hass
Marburg Ein Bündnis gegen den Hass
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20:58 06.02.2021
Die Dekane Hermann Köhler (Kirchenkreis Kirchhain, links) und Burghard zur Nieden (Kirchenkreis Marburg) unterstützen das Bündnis „Offen für Vielfalt“.
Die Dekane Hermann Köhler (Kirchenkreis Kirchhain, links) und Burghard zur Nieden (Kirchenkreis Marburg) unterstützen das Bündnis „Offen für Vielfalt“. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Marburg

Kirchliche Kampfansage gegen rechtsextreme Ströme, gegen Diskriminierung in allen Formen: Für mehr Vielfalt und gegen Ausgrenzung stellen sich mit sichtbaren Zeichen alle Kirchen der beiden Kirchenkreise Marburg und Kirchhain und starten einen Aufruf, um im Kreis ein breites Bündnis gegen Diskriminierung zu etablieren. Denn: „Hessen hat ein Problem mit Rechtsextremismus“, macht Dekan Burkhard zur Nieden vom Kirchenkreis Marburg deutlich. Er erinnert im OP-Gespräch an den rassistisch motivierten Anschlag in Hanau vor etwa einem Jahr, bei dem zehn Menschen starben. Ebenso an den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke am 1. Juni 2019. Beide geschahen auf dem Gebiet der Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), „als Kirche wollen wir uns klar positionieren, wir stehen für Vielfalt“, betont zur Nieden.

Am 17. Januar ist die Landeskirche dem Bündnis „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ beigetreten. Ein regionaler Zusammenschluss von Organisationen, Vereinen und Unternehmen, der sich gegen Diskriminierung, gegen jegliche Form der Ausgrenzung von Menschen in Gesellschaft und Arbeitswelt stellt. Zuletzt begleitete das Bündnis etwa gemeinsam mit Schülern der Walter-Lübcke-Schule aus Wolfhagen mit einer Mahnwache die Urteilsverkündung von Stefan E., der wegen dem Mord an Walter Lübcke zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Bisher ist die Initiative vor allem im nordhessischen Raum beheimatet – das soll sich ändern, das Bündnis soll auch im heimischen Kreis greifen und weiter wachsen, „jegliche Form von Rassismus und Ausgrenzung soll verschwinden“, betont Dekan Hermann Köhler vom Kirchenkreis Kirchhain.

Beide Dekane setzen sich dafür ein, dass das Bündnis auch in der Region verankern und mit einem wachsenden Netzwerk „klare Kante“ zu zeigen. Die erste sichtbare Aktion im Kreis sind die Schilder der Initiative, die auch im Kasseler Raum hängen. Hierzulande hängen sie noch vor allem an den Kirchen: An jeder der 120 Kirchen in Marburg-Biedenkopf soll ein Türschild der Initiative hängen, das an ein klassisches Ladenschild zum Umdrehen – offen oder geschlossen – erinnert. Auf einer Seite in blauer Schrift steht „Offen für Vielfalt“, auf der anderen in rot „Geschlossen gegen Ausgrenzung“. Dies mache einen klaren Standpunkt deutlich, „wir wollen dazu aufrufen, sich zu beteiligen, dass diese Initiative nicht nur in Nordhessen greift, sondern auch hier“, sagt Köhler.

Jeder, der sich für demokratische Werte, für Respekt und Toleranz einsetze, sei willkommen, Vereine, Unternehmen, Behörden und Organisationen. Es gehe darum, gemeinsam Haltung zu zeigen, aus vielen Impulsen solle eine wachsende Bewegung gegen Diskriminierung jeglicher Art entstehen. Kulturelle, soziale Herkunft, sexuelle Neigungen, Geschlecht spielten keine Rolle, „es gibt keinen Grund, um irgendjemanden aus der Gemeinschaft auszuschließen“, betont Köhler. Ihr Ziel sei, auf Dauer ein breites Bewusstsein zu schaffen, „es geht uns nicht um vorschnellen Aktionismus, sondern um einen Sensibilisierungsprozess“. Ein Fokus liege auf der Aufklärung, dem Verdeutlichen von Alltagsrassismen, dem Anstieg von rechtsextremistischen Auswirkungen auf eine offene Gesellschaft.

Über das wachsende Bündnis sollen neben den Schildern und anderen Mitmachaktionen auch weitere Formate, Projekte oder Diskussionsveranstaltungen aufgebaut werden. Eine gemeinsame Aktion planen die Landeskirche und die Initiative mit der Stadt Hanau etwa anlässlich des Jahrestages des Hanau-Attentates am 19. Februar.

Weitere Informationen unter www.offenfuervielfalt.de. Kontakt zu den Dekanaten der Kirchenkreise unter: Burkhard.zurNieden@ekkw.de und hermann.koehler@ekkw.de.

Von Ina Tannert

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