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Marburg Ein Bewegungspark für Studierende
Marburg Ein Bewegungspark für Studierende
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12:58 12.06.2021
Die Balancierstrecke bildet den Abschluss des Bewegungsparcours.
Die Balancierstrecke bildet den Abschluss des Bewegungsparcours. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

„Uni Marburg bewegt“: Unter diesem Motto wurde ein großflächiger Aktionsbereich rund um die Uni-Bibliothek von einem Team von Marburger Studierenden gestaltet. Das weitläufige Außengelände bot jenseits des Alten Botanischen Gartens auf dem Areal zwischen Uni-Bibliothek und Deutschhausstraße bisher wenig Aufenthaltsräume für Studierende. Das hat sich jetzt geändert.

Ziel des Projektes war die Gestaltung von Lernräumen, bewegungsanregenden Pausenräumen, Aktivitätsinseln, Ruhezonen, Teamarbeitsräumen und Rückzugsorten für Studierende. „All dies geschieht im Zeichen der Gesundheitsförderung an den Universitäten“, erzählt Sportstudent Julius Martenstein: Er hat als studentischer Teamer zusammen mit seiner Kommilitonin Maria Grosse eine Gruppe von Studierenden bei dem Projekt angeleitet und betreut.

Ruhezone und Fitnessinsel

„Das Außengelände bietet für bewegte Pausen- und Arbeitsräume enormes Potenzial“, hieß es in der Projektbeschreibung. Geplant waren einerseits Ruhezonen (Hängematten, Sitzgelegenheiten), aber auch Fitnessinseln mit Balanciermöglichkeiten, Bereiche zum Klettern und Chillen sowie Kommunikationsräume.

Dass Bewegung auch für die Studierenden heutzutage oft Mangelware ist, bestätigt Sportstudent Jermaine Zimmermann, einer der Teilnehmer des Projekts. „Sehr viel passiert im Sitzen. Die meisten sitzen normalerweise in den Hörsälen oder jetzt zu Corona-Zeiten zu Hause“, berichtet Zimmermann.

Die Etappen des Parcours

„Am meisten Bewegung gibt es noch beim Wechsel des Veranstaltungsortes“, ergänzt seine Kommilitonin Tabea Nauschütz, die ebenfalls bei der theoretischen Vorbereitung und der praktischen Umsetzung der einzelnen Stationen mitgemacht hat. „Vor allem bei Hausarbeiten sitzt man als Studierender häufig mehrere Stunden am Stück“.

Von daher empfindet die Studentin es als sehr sinnvoll, dass in der ersten Etappe des Projektes die Installationen und Parcours-Strecken direkt im Umfeld der Uni-Bibliothek aufgebaut wurden. Denn dort ist vor allem zur Zeit der Prüfungen das konzentrierte Lernen am Arbeitsplatz ein hervorstechendes Merkmal.

Aktives Stehen testen Tabea Nauschütz und Jermaine Zimmermann. Foto: Manfred Hitzeroth Quelle: Manfred Hitzeroth

Und die Stationen von „Uni Marburg bewegt“ bieten genügend Alternativen, sich entweder abwechslungsreich zu bewegen oder den Körper einmal auf andere Art als üblich zu entspannen. „Es geht um verschiedene Bewegungsarten und nicht darum, sich völlig auszupowern“, macht Tabea Nauschütz deutlich.

Los geht es mit einer aus mehreren Wandelementen bestehenden Boulder-Kombination, die an einem kleinen Hang unweit der Rückseite des neuen Gebäudes der Uni-Bibliothek aufgebaut wurde. Dieses Element soll auch Studierenden ohne jegliche Klettererfahrung die Chance bieten, einmal leichte Klettergriffe auszuprobieren. „Es ist eine aktive Station und ein guter Blickfang“, meint Jermaine Zimmermann, der auch mit zu den Initiatoren dieser Station gehörte.

Sportstudent Jermaine Zimmermann an der Boulderwand vor dem Gebäude der Uni-Bibliothek. Foto: Manfred Hitzeroth Quelle: Manfred Hitzeroth

So fallen die knallbunt gestalteten Klettergriffe sowie die großen kreisrunden Löcher und zwei Hangelbalken aus Holz in der Mitte schon von weitem auf. Bei der Konzeption wurde die vorgegebene Regel eingehalten, dass aus Sicherheitsgründen die erreichbare Höhe und somit auch höchste Fallhöhe nicht 2,60 Meter überschreitet.

„Locker in der Gruppe“: Unter diesem Motto steht eine weitere Station, zu der Drehteller und Standwippen gehören. Hier steht im Fokus, sich mit ungewöhnlichen, aber meistens auflockernden Bewegungen aktiv vom Uni-Alltag zu erholen.

Ein Fitness-Parcours

An der dritten Station ist eine Art Fitness-Parcours aufgebaut. Dort sind vor allem turnerische Fähigkeiten erwünscht und gefragt. Reckstangen in unterschiedlichen Höhen sowie weitere Geräte bieten die Möglichkeit zur Kombination von Kraft und Bewegung von Klimmzügen bis zu Liegestützen. Wer es bis dahin geschafft hat, der braucht vielleicht ein wenig Erholung.

Das Projekt „Uni Marburg bewegt“

Fertig war das Projekt „Uni Marburg bewegt“ an der Uni-Bibliothek schon zu Beginn des Sommersemesters. Wegen des verschärften Lockdowns war die Freigabe durch die Uni aber nicht erfolgt. Der Bewegungsparcours ist nun seit einigen Tagen offiziell geöffnet. Es gelten aber noch besondere Schutzmaßnahmen wie Maskentragen und Abstandhalten auf den Geräten. „Wenn sich alle Nutzer an diese Regeln halten, bleibt der Park geöffnet, ansonsten behält sich die Uni vor, den Park wieder zu schließen“, erläutert Projektleiterin Dr. Petra Böcker. Gekostet hat das Ganze insgesamt 80 000 Euro, erläutert Böcker, die beim Zentrum für Hochschulsport der Uni Marburg für das Projekt die Gesamtverantwortung hatte. Die bundesweite Initiative „Bewegt Studieren – Studieren bewegt! 2.0“, gefördert von der Techniker Krankenkasse und dem Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh), bot dabei Unterstützung. Das Projekt wurde zudem an der Uni Marburg mit QSL-Mitteln bezuschusst und verfolgt das Ziel, durch die Gestaltung bewegter Lernräume zu einer Verbesserung von Studium und Lehre beizutragen.

Und eine nächste Gruppe von Studierenden steht in den Startlöchern, um ein Folgeprojekt anzugehen. Noch ist aber nicht geklärt, wo genau im Umfeld von Universitätsbauten dann zum Abschluss der zweiten Projektphase neue Ideen verwirklicht werden sollen.

Dafür ist unter einem großen Sonnensegel ein Areal aufgebaut, das zum „aktiven Sitzen“ einlädt. Das Besondere an den Sitzelementen ist die spezielle Gestaltung der Sitzfläche, die aus miteinander verbundenen geknüpften Tauen besteht. Auch zwei Hängematten und eine spezielle „Stehbank“ ergänzen diese Station.

Geschicklichkeit und Beweglichkeit

Geschicklichkeit in Verbindung mit Bewegungstalent ist schließlich gefragt auf einer phantasievoll ausgestalteten Balancierstrecke, deren einzelne Elemente aus Sicherheitsgründen jeweils nicht die Höhe von 60 Zentimetern überschreiten.

Insgesamt muss dort eine Strecke von 40 Metern überwunden werden. Dabei geht es fast buchstäblich über Stock und Stein, jedenfalls sind einige Balance-Akte zu überstehen, bis man zu einem großen Netz gelangt. Als nahezu unüberwindlich hat sich bis jetzt im Teststadium ein beim Betreten rotierender Rollbalken entpuppt, der aus einem großen Holzstamm gefertigt wurde.

Jermaine Zimmermann am Holzbalken in der Mitte der Boulder-Kombination. Foto: Manfred Hitzeroth Quelle: Manfred Hitzeroth

Alle Stationen und Geräte wurden übrigens mit vereinten Kräften von dem studentischen Team zusammen mit Helfern der Firma „Alea“ in einer Woche im März angefertigt. Dabei mussten insgesamt 90 Löcher im Erdreich gebohrt werden. „Das hat richtig Spaß gemacht, auch wenn es nicht unanstrengend war“, bilanziert Jermaine Zimmermann die letzte Praxis-Phase am Ende des zweisemestrigen Projektes.

Von Manfred Hitzeroth

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