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Marburg Ein Baustein für die Klimawende
Marburg Ein Baustein für die Klimawende
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19:58 08.03.2021
Einer der beiden „E80“-Busse, die künftig durch Marburgs Oberstadt fahren sollen, ist heute (8. März) offiziell vorgestellt worden.
Einer der beiden „E80“-Busse, die künftig durch Marburgs Oberstadt fahren sollen, ist heute (8. März) offiziell vorgestellt worden. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Passanten in der Oberstadt und Fahrgäste, die heute (8. März) in Richtung Schloss wollten, rieben sich verwundert die Augen: Ein nigelnagelneuer Bus fuhr da durch die engen Gassen der Oberstadt. Das „E“ auf dem Nummernschild kennzeichnet, was das Besondere an dem Wagen ist: Er fährt elektrisch – als erster Bus in Marburg.

E-Bus ist Voraussetzung, dass Marburg 2030 klimaneutral wird

„Heute beginnt die Elektromobilität des ÖPNV“, hatte Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Spies bei der Vorstellung des Fahrzeugs am Freitag (5. März) gesagt. Und das sei eine der Voraussetzungen dafür, Marburg bis 2030 zur klimaneutralen Stadt zu machen, wie es das Stadtparlament beschlossen hat.

„Die nachhaltige Verkehrswende schaffen wir nur mit einem attraktiven öffentlichen Personennahverkehr, der bis 2030 auch CO2-neutral werden muss. Mit den ersten beiden Elektrobussen, die jetzt in Marburg im Linienverkehr eingesetzt werden, schlagen wir ein neues Kapitel im Nahverkehr auf“, sagte der Oberbürgermeister.

Der erste Bus soll nicht der Letzte sein

Der kleine Bus ist der erste, soll aber noch lange nicht der letzte elektrisch betriebene Wagen der Stadtwerke sein. Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller sagte, die beiden angeschafften Elektrobusse seien ein Baustein für eine klimafreundliche Mobilitätswende in Marburg. Müller erinnerte an die ursprüngliche Busflotte der Stadtwerke Marburg: Dieselfahrzeuge, die Kohlendioxid, Stickoxide und Feinstaub produziert haben. Sie wurden nach und nach durch erdgas-betriebene Fahrzeuge ersetzt – ein Fortschritt für die Klimabilanz in Marburg,

Die Stadtwerke verfügen über eine der größten Erdgas-Flotten bundesweit. Aber auch diese Busse produzierten Kohlendioxid, weil eben auch Erdgas ein fossiler Brennstoff ist. Elektrobetriebene seien deswegen die logische Weiterentwicklung – auch wenn allen klar ist, dass auch der Elektroantrieb noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Die logische Weiterentwicklung sei ein Wasserstoff-Antrieb – allerdings wird Wasserstoff zu 99 Prozent aus Kohle gewonnen. So genannter „grüner“ Wasserstoff sei aber zur Zeit noch nicht in größerem Maßstab verfügbar.

Stadtwerke verkaufen rund 33.000 Dauerkarten im Jahr

Die Marburger Stadtwerke befördern pro Jahr rund 18 Millionen Fahrgäste und legen dabei 3,4 Millionen Kilometer zurück, berichtete Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster. Sie verkaufen 33.000 Dauerkarten im Jahr – in dieser Zahl sind die Studierenden mitgerechnet, die mit ihren Semestergebühren auch ein RMV-Jahresticket erwerben. Auf der politischen Ebene gibt es einen politischen Wettbewerb um die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs. Mehrere Parteien können sich eine kostenfreien ÖPNV vorstellen.

Seine Tauglichkeit für die Schlossstrecke stellte „E80“ bereits bei einem Probebetrieb Ende 2019 unter Beweis. Der neue Elektrobus gehört zu dem Dreiklang der künftigen öffentlichen Elektromobilität der Stadtwerke: Der wendige und kleine Elektrobus für die engen Gassen der Oberstadt und zum Schloss, auf der Strecke von und zu den Lahnbergen sind Oberleitungsbusse geplant, die auf den Steigungsstrecken mit Strom betrieben werden – und für längere Strecken sind irgendwann wasserstoffbetriebene Fahrzeuge vorgesehen.

E-Bus hat noch keinen Namen

Vorläufig jedenfalls werden die beiden Busse „E80“, für die die Stadtwerke im übrigen noch einen Namen suchen, zum Straßenbild in der Oberstadt gehören.

165 PS, 8 Meter Länge: der neue Elektrobus

Mit 8 Metern Länge, 2,20 Metern Breite und einem stolzen Gewicht von 12 Tonnen bietet der neue Elektrobus der italienischen Firma rampini mit dem etwas trockenen Namen „E80“ 43 Fahrgästen Platz. Die Stadtwerke Marburg haben rund eine Million Euro für zwei Fahrzeuge bezahlt, davon hat das Land Hessen 282 000 Euro übernommen. Das Fahrzeug sei wie geschaffen für die steile und kurvige Strecke zum Schloss, sagte Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Spies. Das Fahrzeug schafft Steigungen bis maximal 14 Prozent.

Der Antrieb mit einer Lithium-Phosphat-Batterie vermeidet einen Schadstoffausstoß von 120 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller. „E80“ hat eine Reichweite von rund 150 Kilometern, danach muss die Batterie neu geladen werden. Die Motorleistung beträgt 122 Kilowatt, das entspricht rund 165 PS. Derzeit schulen die Stadtwerke weiteres Personal für die Führung des Elektrobusses.

Von Till Conrad

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