Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Hilfe, wenn man nicht mehr selbst entscheiden kann
Marburg Hilfe, wenn man nicht mehr selbst entscheiden kann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:58 23.03.2020
Dörte Vogel vom Betreuungsverein berät ehrenamtliche Betreuer. Quelle: Foto: Katja Peters
Anzeige
Marburg

Dörte Vogel betreut schon seit 25 Jahren Menschen, die wichtige Entscheidungen nicht mehr alleine treffen können. Am Anfang hat sie das ehrenamtlich getan, mittlerweile ist sie die Leiterin vom Verein „Forum Humanistische Pädagogik und Betreuung“. Der ist vom Landkreis beauftragt, die rechtliche Betreuung all jener, die einen gesetzlichen Betreuer brauchen, zu organisieren.

„Ich habe unheimlich viel gelernt“, gibt die diplomierte Pädagogin zu. Über das Leben, über Menschen, über Gesetze. „Für Menschen, die neugierig und empathisch sind, ist diese Betreuungsarbeit super“, weiß Dörte Vogel und ergänzt: „Wer seine eigenen Angelegenheiten regeln kann, der kriegt das auch bei anderen hin. Die Klienten sind sehr individuell und sie müssen Vertrauen fassen können zu dem, der sich zukünftig um ihre Angelegenheiten kümmern soll“, beschreibt sie die Zusammenarbeit.

Anzeige

Mindestens einmal im Monat sollten die beiden Kontakt haben. „Wir sind keine Alltagsbetreuer. Wir sind rechtliche Betreuer“, betont Dörte Vogel. Rechtliche Betreuer übernehmen den Schriftverkehr mit der Pflege- und Krankenkasse oder dem Sozialamt. Sie begleiten ihren Klienten zu Arztgesprächen oder übernehmen die Vermögenssorge. Je nach dem was das Gericht entscheidet.

Mindestalter: 18 Jahre

Betreuer sind genehmigungspflichtig und müssen bei Gericht anfragen, was sie übernehmen dürfen oder nicht“, sagt Dörte Vogel. Ärzte sind gegenüber dem Betreuer von der Schweigepflicht entbunden, Banken und Kreditinstitute müssen Auskunft geben, wenn der Betreuer rechtlicher Vertreter ist. Die hauptamtliche Betreuerin betont noch einmal: „Wir treffen die Entscheidungen für den Erkrankten. Unser eigener Maßstab ist dabei nicht entscheidend. Die persönlichen Ansichten stehen hintenan. Wir sind im Grunde nur die Helfer.“

Und wer braucht einen rechtlichen Betreuer? „Alle die, die ihre eigenen Angelegenheiten nicht mehr alleine regeln können“, erklärt Dörte Vogel. Damit sind Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung gemeint, Menschen mit Muskelschwund oder Parkinson, schwere Schlaganfall-Patienten oder Menschen mit Alterserkrankungen, wie schwere Demenz. Außerdem brauchen schwer psychisch kranke Menschen einen rechtlichen Betreuer, ebenso junge Erwachsene ab 18 Jahren mit geistiger Behinderung. Bei letzteren gibt es anfangs oft eine Tandembetreuung mit den Eltern, die angelernt werden mit dem Ziel, die Betreuung selbst zu übernehmen. Dafür gibt es auch schon an der Mosaikschule vom Betreuungsverein niedrigschwellige Angebote.

Interessierte, die als ehrenamtliche Betreuer aktiv sein wollen, müssen mindestens 18 Jahre alt sein, ein verhandlungssicheres Deutsch sprechen und schuldenfrei sein. In einer zweimonatigen Schulung bekommen sie die Grundlagen vermittelt, bei Fragen während der Betreuung gibt es immer auch einen Ansprechpartner im Verein. „Niemand ist allein gelassen“, verspricht Dörte Vogel.

Hinweis: Die kostenfreie Intensivschulung Betreuung für ehrenamtliche Betreuer und Interessierte ist derzeit vom 13. Mai bis 1. Juli, immer mittwochs von 18 bis 20 Uhr geplant. Anmeldungen und weitere Informationen gibt es per E-Mail anforumbetreuung@web.de oder unter Telefon 0 64 21 / 69 72 22 2.

Von Katja Peters

Anzeige